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Besser im Team als alleine

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Sie ist die größte Universität von Rheinland-Pfalz, und sie feiert 2016 den 70. Jahrestag ihrer Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg: die Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Die Zukunft, sagte Universitätspräsident Georg Krausch, liegt in Kooperationen mit anderen Hochschulen - wie die Partnerschaft mit Frankfurt und Darmstadt aussehen könnte, darüber sprach Gisela Kirschstein mit Krausch.

Von Gisela Kirschstein

Herr Krausch, die Uni Mainz feiert ja gerade 70. Jahrestag, wo steht die Uni heute?

GEORG KRAUSCH: Bei der letzten Exzellenzinitiative war Mainz unter den letzten 16 von 110 Universitäten, die sich um die Krone der sogenannten ,Eliteuni‘ bewerben durften. Dass wir so weit gekommen sind, hätten viele gar nicht erwartet. Wir sind eine Volluniversität, die das gesamte Spektrum von der Ägyptologie bis zur Zahnmedizin abdeckt. Und trotzdem haben wir Exzellenzschwerpunkte in der Kern- und Teilchenphysik, in der Materialforschung und in der Medizin gebildet, da haben wir Spitzenforschung auf dem Niveau von Harvard und Stanford. Stark sind wir auch in den Sozial- und Kulturwissenschaften, den alten Kulturen und der Medienforschung. Und ein Alleinstellungsmerkmal ist sicherlich, dass uns die Lehre genauso wichtig ist wie die Forschung.

Sie haben gerade eine Kooperation mit den Universitäten Frankfurt und Darmstadt gegründet – liegt da die Zukunft?

KRAUSCH: Definitiv. Bei endlichen Ressourcen wird der Konkurrenzkampf wachsen, da stellt man sich immer besser im Team auf als alleine. Mit Frankfurt und Darmstadt haben wir zwei Partner in einem anderen Bundesland, das klingt zunächst mal schwierig, ist es aber auch wieder nicht. Wären die Goethe-Universität und die Mainzer Universität in einem Bundesland, würden wir konkurrieren um das Geld des gleichen Landes – das brauchen wir so nicht. Die Darmstädter sind eine exzellente Technische Universität unter den Top 5 in Deutschland. Wir haben einfach den Eindruck, dass wir uns an vielen Bereichen gut komplementär ergänzen können und stärker werden, wenn wir gemeinsam auftreten.

Was konkret kann das bringen?

KRAUSCH: Nehmen Sie Berlin oder München, dort haben Sie zwei bzw. drei große Universitäten. Wenn man dort zu einem bestimmten Thema einen Forschungsverbund schaffen will, um Drittmittel einzuwerben, dann schauen sich die Kollegen mit großer Selbstverständlichkeit in den drei Universitäten um, wo die besten Kollegen sitzen, und bilden daraus einen Forschungsverbund. Wenn ich das nur innerhalb der Uni Mainz machen kann, ist der Pool an möglichen Leuten kleiner. Wenn ich gleichzeitig nach Frankfurt und Darmstadt schauen darf, dann habe ich genau dieselben Bedingungen wie an den großen Standorten. Auch in der Lehre ergänzen wir uns gut, gerade in den kleinen und kleinsten Fächern in den Geisteswissenschaften. Zum Beispiel in der Afrikanistik: Da haben wir und Frankfurt jeweils nur eine Professur. Wenn wir uns abstimmen, kann der eine einen Linguisten und der andere einen Literaturwissenschaftler einstellen, und beide zusammen könnten einen Studiengang stemmen, den einer allein gar nicht könnte.

Also ein Studiengang, in dem man gleichzeitig in Frankfurt und Mainz studiert?

KRAUSCH: Wir haben auch Studiengänge gemeinsam mit Partneruniversitäten in Frankreich, Polen oder Kanada, dann wird man doch auch über den Rhein hinweg gemeinsam einen Studiengang hinkriegen. Das kann heißen, ein Semester hier und eines dort. Das kann angesichts der Nähe auch heißen, dass sich Dozenten mal in die S-Bahn setzen. Oder dass man die modernen Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen und Blended Learning Angebote machen und das eine oder andere vom anderen Standort zuspielen kann. Wir können damit Studienangebote ermöglichen, die wir uns alleine nicht leisten könnten. Da gibt es viel zu gewinnen. Oder nehmen Sie das Thema Double Carrier: Wir wollen jemanden einstellen, und der Lebenspartner braucht auch einen Arbeitsplatz. Natürlich ist es besser, wenn wir das vernetzt machen und das ganze Rhein-Main-Gebiet als potenziellen Arbeitgeber nehmen. Auch bei Rechenzentren geht die Tendenz zu größeren Clustern, auch da ist man im Team leistungsfähiger als alleine. Die Liste könnte noch fortgesetzt werden.

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