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Biker starten wieder durch: Polizei kontrolliert

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Motorradfahrer
Motorradfahrer sind unterwegs. © Harald Tittel/Archivbild

Die Saison für Motorradfahrer beginnt. Nicht überall in Hessen haben sie freie Fahrt - manche Straßen sollen aus Lärmschutzgründen gesperrt werden. Das sorgt für Unmut.

Frankfurt/Main - Mit der Temperatur steigt die Zahl der Motorradfahrer auf hessischen Straßen. Die Polizei will gerade jetzt zu Beginn der Bikersaison Kontrollen durchführen - für mehr Sicherheit und weniger Lärm an den Motorradrouten. Die allermeisten Biker seien ordnungsgemäß und anständig unterwegs, sagt Bernd Hochstädter, Sprecher beim Polizeipräsidium Südhessen in Darmstadt. „Wir wollen bei unseren Kontrollen die schwarzen Schafe aus dem Verkehr ziehen.“

Der Odenwald und die Bergstraße ziehen Biker „magisch an“, erzählt der Sprecher über seine Region. Man verstehe die Motorradfahrer, die Landschaft hier sei reizvoll. Und gerade die Gastronomen freuten sich über die Gäste. Auf der anderen Seite aber litten die Anwohner an den frequentierten Strecken unter dem Motorenlärm.

Eine Lösung für mehr Ruhe ist es, neben Kontrollen und Appellen, bestimmte Routen für Motorräder zu sperren. Im Odenwald und an der Bergstraße sind dem Präsidium zufolge insgesamt drei Strecken für Biker an Wochenenden und Feiertagen tabu.

Motorradfahrer müssen auch am Feldberg im Taunus mit Streckensperrungen rechnen, an jeweils einem Wochenende pro Monat zwischen April und Oktober. Der Hochtaunuskreis verweist auf das Ruhebedürfnis von Anwohnern und Erholungssuchenden. Mehrere Motorradverbände haben Widerstand angekündigt. Da die Sperrungen als Test angelegt seien, könne man sich nicht juristisch zur Wehr setzen, sagt Rainald Mohr vom Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM). Dabei habe es schon 2019 eine testweise Sperrung gegeben.

Am 14. Mai wollen die Biker ihren Unmut in einer großen Demonstration kundtun, los gehen soll es direkt vor dem Landratsamt des Hochtaunuskreises. Sie befürchten, dass mit den Sperrungen ein Präzedenzfall für andere Strecken geschaffen wird.

Lärm entstehe überwiegend, weil Fahrzeuge manipuliert würden oder die Fahrer zu schnell unterwegs seien - dies treffe aber für die allermeisten Motorräder nicht zu, heißt es in einer Stellungnahme von zehn Motorradverbänden zu der Maßnahme. Mehr Polizeikontrollen wären viel wirksamer als eine Sperrung. Auch Tempolimits und Überholverbote schlägt der BVDM vor, um „Racer“ und „Poser“ abzuschrecken. Der Hochtaunus solle als Freizeit- und Erholungsregion allen Interessengruppen zur Verfügung stehen, Wanderern und Radsportlern ebenso wie Motorrad- und Autofahrern. „Fahrt rücksichtsvoll, fahrt vorsichtig“, gab Mohr den Bikern zum Saisonauftakt mit auf den Weg.

Auf Sensibilisierung in Sachen Lärm setzt auch der Verkehrsclub ADAC. Der Verband hat nach eigenen Angaben unter dem Motto „Leise kommt an“ Hinweistafeln entwickelt, die um Rücksichtnahme auf Anwohner und rücksichtsvolleres Fahren werben. 18 dieser Schilder wurden vor kurzem im Odenwaldkreis aufgestellt, wie der ADAC Hessen-Thüringen mitteilt.

Das Land Hessen hat an mehreren Stellen „Lärm-Displays“ aufstellen lassen. Vor kurzem wurde eine solche digitale Anzeigetafel an der Bundesstraße 276 bei Laubach installiert. Diese soll dem Polizeipräsidium Mittelhessen zufolge an eine angemessene Fahrweise erinnern - nicht nur Biker. Dafür erfasst ein Gerät Tempo und Lautstärke. Sollte ein Fahrzeug als zu laut oder zu schnell erkannt werden, erscheint im Display die Aufforderung „Leiser“ oder „Langsamer“. Werden Lautstärke und Geschwindigkeit eingehalten, leuchtet ein „Danke“ auf.

Bei den anstehenden Kontrollen von Motorradfahrern will die Polizei ein Auge auf Tempo und Technik werfen, zudem geht es um Sicherheit und Prävention. Man suche das Gespräch „auf Augenhöhe“, sagt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Osthessen. Dort sind beliebte Ziele der Fahrer der Vogelsberg oder die Rhön. Prävention spiele eine große Rolle, heißt es auch aus dem Polizeipräsidium Südhessen, das federführend die Sicherheitskampagne „Du hast es in der Hand! Überlasse nichts dem Unfall“ betreut. Zu den Aktionen des Präsidiums gehöre beispielsweise eine gemeinsame Fahrt mit Motorradpolizisten, die über sicheres Fahren aufklären.

Was die Beamten nicht durchgehen lassen wollen: Manipulationen an den Maschinen. Stellen die Beamten diese fest, etwa an der Auspuffanlage für mehr Dröhn-Momente, fahre man einen „Null-Toleranz-Ansatz“, sagt Hochstädter. Heißt: Das Gefährt wird an Ort und Stelle sichergestellt, die Kosten etwa fürs Abschleppen und Lärmgutachten bekommt der Fahrer aufgebrummt, zudem droht ein Bußgeld. „Und man muss sehen, wie man ohne Maschine wieder nach Hause kommt.“ dpa

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