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Eine Arzthelferin impft eine Patentin mit einer Spritze.

Bildungsgewerkschaft: Zentrale Impfstrategie für Lehrer

Hessen dürfe sich bei den Corona-Impfungen nicht von der Omikron-Variante überraschen lassen, warnt der Chef der Bildungsgewerkschaft GEW. Für die Lehrerschaft könnten Sammeltermine ein guter Weg sein.

Wiesbaden - Die Bildungsgewerkschaft GEW in Hessen hat vom Land eine Impfstrategie für die Lehrerschaft gefordert. „Das Thema Auffrischungsimpfung für das Personal an Schulen sollte von der Landesregierung zentral in die Hand genommen werden“, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Thilo Hartmann. Er verwies auf die besonderen Bedürfnisse an den Schulen, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenarbeiten.

„Das Land darf sich nicht von dem Ausbreiten der Omikron-Variante überraschen lassen“, warnte Hartmann. Die Lehrerschaft zeige mit einer Quote von rund 95 Prozent eine überdurchschnittlich hohe Impfbereitschaft. Hartmann ging davon aus, dass zentrale Sammeltermine gut besucht würden.

„Ich begrüße die neue Kampagne des Kultusministeriums zur Nachwuchsgewinnung für den Lehrerberuf“, sagte der Gewerkschaftschef. Es seien aber mehr Anstrengungen nötig als ein Filmchen, sagte er. Hartmann forderte unter anderem mehr Plätze für Studium und Referendariat. Das hessische Kultusministerium hat vor kurzem eine Kampagne gestartet, um für den Lehrerberuf zu werben. Unter anderem werden verschiedene Kurzfilme in Kinos gezeigt.

„Hessische Lehrer haben vergleichsweise viele Pflichtstunden bei relativ niedrigem Gehalt“, sagte Hartmann mit Blick auf andere Bundesländer. Hinzu komme der massive Lehrkräftemangel. Unter Berücksichtigung des künftigen Rechtsanspruchs für einen Ganztagesplatz fehlten in Hessen 8000 Lehrerstellen. „Rechnet man nun noch kleinere Klassen und eine gelingende Inklusion hinzu, dürfte der Bedarf um weitere mindestens 5000 Lehrkräfte steigen“, erläuterte Hartmann. „Der Mangel in Hessen beläuft sich somit auf mindestens 13.000 fehlende Lehrkräfte.“

Die Corona-Pandemie habe die Probleme an den Schulen mit der hohen Arbeitsbelastung zusätzlich verschärft, kritisierte der Gewerkschafter. Er erlebe in den Kollegien, dass sich Lehrkräfte vom Kultusministerium alleine gelassen fühlten. Viele Lehrerinnen und Lehrer empfänden eine „Ausweglosigkeit“. „Das macht mir große Sorgen“, sagte Hartmann. Er befürchte steigende Zahlen von psychischen Problemen und krankheitsbedingten Ausfällen.

„Das Bild eines massiven Lehrkräftemangels entspricht nicht der Realität“, erklärte ein Sprecher des Kultusministeriums in Wiesbaden. Er verwies darauf, dass seit dem Antritt der schwarz-grünen Landesregierung im Jahr 2014 die Zahl der Lehrerstellen um rund zehn Prozent auf 55.540 (2021) angewachsen sei - bei rückläufigen Schülerzahlen. dpa

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