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01.08.2018, Rheinland-Pfalz, Mainz: Ein Bauarbeiter legt auf dem gesperrten "Herzstück Ost" Kabel ab. Die Abbrucharbeiten des Herzstücks-Ost, des Rampenbauwerks zur Schiersteiner Brücke hat begonnen. Die Bauarbeiten für das neue Herzstück werden aller Voraussicht nach im Jahr 2020 zum Abschluss kommen. Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Verkehr

Wie Brücken kontrolliert werden

Bei einem Brückeneinsturz in Italien kommen zahlreiche Menschen ums Leben. Das Unglück wirft Sicherheitsfragen in Deutschland auf. Auch in Hessen sind einige Brücken marode. Das heißt aber laut Experten nicht, dass sie einsturzgefährdet sind.

Nach dem Einsturz einer Brücke mit vielen Toten im italienischen Genua rückt auch der Zustand hessischer Brücken in den Fokus. Die Anzahl der Brücken mit Instandsetzungsbedarf betrage zurzeit 369, sagte eine Sprecherin der Straßenbaubehörde Hessen Mobil. Darunter seien 55 Bauwerke – fast alle sind Autobahnbrücken –, die aufgrund ihres Zustands ständig überwacht würden.

„Über Jahrzehnte ist auch in Hessen zu wenig in den Erhalt unserer Straßen investiert worden“, sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Das gelte vor allem für die Autobahnbrücken, die in den 60er und 70er Jahren gebaut wurden und für das heutige Verkehrs- und Lkw-Aufkommen schlichtweg nicht ausgelegt seien.

Die Landesregierung investiere daher in diesem Jahr 225 Millionen Euro in die Sanierung der Brücken, bis zum Jahr 2021 sollen es über eine Milliarde Euro sein, kündigte der Grünen-Politiker an. Bei Hessen Mobil seien extra zwei eigene Dezernate gegründet worden, die sich nur um Brückensanierungen kümmerten.

„Wir können jeden Euro nur einmal ausgeben und jeden Planungsingenieur auch nur an eine begrenzte Anzahl von Projekten setzen“, erklärte Al-Wazir. „Sonst wird nämlich gar nichts fertig.“ Die Folge sei, dass deshalb manche Umgehungsstraße, die vor Ort erhofft und gewünscht werde, derzeit nicht geplant werden könne. „Das gehört zur Ehrlichkeit dazu. Aber diese Prioritätensetzung ist nötig, weil eine Situation wie in Genua in Hessen niemals passieren darf.“

Das Kontrollnetz ist laut Hessen Mobil eng: Alle sechs Jahre erfolgt eine Hauptprüfung, alle drei Jahre eine Zwischenprüfung. „Zudem werden Ingenieurbauwerke jedes Jahr durch Ingenieure vor Ort besichtigt und mindestens zweimal jährlich erfolgt die Bauwerksbeobachtung im Zuge der Streckenkontrolle“, erklärte die Behörde.

Ergeben sich Hinweise, dass eine Brücke beeinträchtigt sein könnte, wird ihr Ermüdungszustand errechnet. So könne bestimmt werden, wann grundlegende Sanierungen oder ein Neubau notwendig werden.

Eine Entlastung der Brücke durch Tempolimits, Gewichtsbeschränkungen, Fahrverbote für Lkw oder verstärkende Bauteile könne ihre Lebensdauer verlängern.

Brücken in kritischem Zustand werden ständig überwacht. „Das heißt, bei diesen Brücken schauen wir sehr genau hin, wie sich der Zustand entwickelt, um im Fall der Fälle auch kurzfristig eingreifen zu können“, sagte die Hessen-Mobil-Sprecherin. Für den Zustand von Brücken sei nicht nur die Menge des Gesamtverkehrs entscheidend, sondern vielmehr die Tatsache, dass der Anteil des Güterverkehrs in den vergangenen Jahrzehnten überproportional zugenommen habe.

Autobahnbrücken werden in Deutschland von den Bundesländern oft selbst untersucht. Prüforganisationen wie Dekra begutachten vor allem Bauwerke im kommunalen Besitz. Trotzdem bestehe bei Autobahnbrücken kein Grund zur Sorge, sagte Bauingenieur Andreas Kraus, Fachbereichsleiter Bau und Immobilien bei der Dekra in Wiesbaden. „Wir haben ein sehr gutes Regelwerk und das wird sehr ernst genommen.“ Behörden gingen mit Mängeln an Bauwerken offen um.

Und selbst wenn eine Brücken eine schlechte Bewertung habe, heiße das nicht, dass sie einsturzgefährdet sei. Mängel seien häufig auf einzelne Bauteile bezogen, nicht auf die Standsicherheit der Brücke an sich. Auch der ADAC vertraut auf die Kontrollen: „Wir sehen keinen Grund, an diesen Überprüfungen zu zweifeln“, sagte eine Sprecherin.

Der Bauindustrieverband Hessen-Thüringen erklärte, dass Brücken in Hessen durch Hessen Mobil „ständig und verlässlich kontrolliert“ würden. Allerdings müsse der Einsturz in Genua trotzdem ein Alarm sein, sagte Hauptgeschäftsführer Burkhard Siebert. Denn der Zustand hessischer Brücken verschlechtere sich zunehmend. Wichtig sei, dass die Investitionen weiter steigen, um Versäumnisse der Vergangenheit zu kompensieren.

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