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Buchmesse: Friedens- und Nobelpreisträger und Lesepublikum

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Serhij Zhadan
Der ukrainischer Schriftsteller Serhij Zhadan spricht bei der Deutschen Buchmesse. © Sebastian Gollnow/dpa

Nach zwei Jahren Corona-Einschränkungen fühlt sich der erste Besuchertag auf der Buchmesse fast an wie früher. Friedenspreisträger Serhij Zhadan appellierte: „Die Kultur darf nicht schweigen.“

Frankfurt/Main - Eher als in früheren Jahren hat die Frankfurter Buchmesse am Freitag ihre Tore für das Lesepublikum geöffnet. Schon am Morgen durfte jeder, der wollte, aufs Messegelände. Es bildeten sich Schlangen vor den Eingängen, die Hallen füllten sich schnell. Viele Jahre war die Messe erst am Samstag für jedermann zugänglich, später hatten die Publikumstage am Freitagmittag begonnen. Anders als früher dürfen die Verlage inzwischen auch Bücher verkaufen.

Ein älteres Paar ist extra aus Berlin angereist, „um heute und morgen die Buchmesse wieder in vollen Zügen genießen zu können“, wie die Frau berichtete. Auch wenn es keine Maskenpflicht mehr gibt, trägt das Paar freiwillig Maske: „Da sind wir noch etwas vorsichtig.“ Besonders freuten sie sich auf Abdulrazak Gurnah, den Literaturnobelpreisträger des vergangenen Jahres.

Eine Schülergruppe bekam die Erlaubnis der Klassenlehrerin, auf die Buchmesse statt in die Schule zu gehen. „Letztes Jahr durften wir wegen der strengen Corona-Auflagen nicht kommen“, sagte einer der Schüler, diesmal sei es „viel entspannter“. Die Gruppe freute sich besonders auf Luisa Neubauer. „Fridays for Future ist so wichtig.“

Ein 55-Jähriger ist zum 18. Mal dabei, er war auch 2021 hier, „da war es aber nur eine abgespeckte Version der Messe. Jetzt wirkt es so wie vor der Pandemie.“

Bei der weltgrößten Bücherschau präsentieren 4000 Aussteller aus 95 Ländern ihre Neuerscheinungen. Die Messe findet derzeit wieder ohne größere Auflagen statt. Gastland ist Spanien. Die Messe endet am Sonntag mit der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Serhij Zhadan.

„Auch während des Krieges muss Kultur eine Stimme haben“, sagte Zhadan bei der traditionellen Pressekonferenz vor dem Festakt. „Die Kultur darf nicht schweigen. Wenn die Kultur schweigt, wenn die Schriftsteller schweigen, wenn die Dichter schweigen, dann bedeutet das, dass die Angst gewonnen hat.“

Der ukrainische Schriftsteller, Übersetzer und Musiker wurde im nun russisch besetzten Gebiet Luhansk geboren und lebt im umkämpften Charkiw. Auf die Frage, was ihm und anderen Ukrainern die Kraft gebe, zu bleiben, antwortete Zhadan: „Vielleicht das Gefühl, dass die Wahrheit auf unserer Seite ist.“

Der Angriffskrieg auf die Ukraine ist für Zhadan nicht nur ein Krieg Putins: „Es ist in meinem Verständnis ganz klar ein Krieg Russlands gegen die Ukraine.“ Putin sei nicht persönlich in den Orten gewesen, in denen Massaker verübt wurden, „das waren junge russische Männer“.

Die deutsch-afghanische Journalistin Waslat Hasrat-Nazimi („Die Löwinnen von Afghanistan“) kritisierte, es sei in den vergangenen 20 Jahren viel zu wenig über die Situation in Afghanistan berichtet worden. „Und das ist auch heute noch ein Problem“, sagte sie mit Blick auf das spärliche Publikum bei einer Podiumsdiskussion. dpa

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