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Bunt und nachhaltig: LGS soll auch junge Leute locken

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Landesgartenschau
Eine Pflanzenkiste mit der Aufschrift „Fulda“ steht bei Arbeiten auf dem Gelände der kommenden Landesgartenschau. © Hannes P. Albert/dpa

Die Landesgartenschau in Fulda will mehr zeigen als blühende Beete. Die Besucher können sich im kommenden Jahr ein Bild von nachhaltiger Stadtentwicklung und ressourcenschonender Gartengestaltung machen - und ein buntes Kulturprogramm genießen.

Fulda - Wie lassen sich städtische Quartiere durch Gärten und Parks verbinden und aufwerten? Und wie kann der eigene Garten in Zeiten des Klimawandels schön und nachhaltig gestaltet werden? Die Landesgartenschau (LGS) in Fulda im kommenden Jahr will Antworten auf diese Fragen geben und damit Menschen aller Altersgruppen ansprechen. Die Vorfreude auf die Schau, die neben blühenden Beeten und zwölf Hallenschauen auch ein vielfältiges Programm mit mehr als 2000 Veranstaltungen umfassen wird, sei bereits jetzt riesig, sagte der LGS-Geschäftsführer Marcus Schlag in Fulda. In der osthessischen Stadt stellten die Veranstalter am Dienstagnachmittag das Programm der Schau vor. „Wir haben bisher schon rund 3000 Dauerkarten verkauft. Wenn wir bis Weihnachten über 5000 kommen, wäre das ein ganz tolles Zwischenergebnis!“

Fuldas Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) ergänzte: „Wir sind auf der Zielgeraden. Ich bin überzeugt, dass wir eine grandiose Landesgartenschau haben werden.“ Die Erfahrungen der ersten hessischen LGS, die 1994 auch in Fulda stattfand, wirkten noch positiv nach. Die Schau im kommenden Jahr stehe für nachhaltige Stadtentwicklung und solle dazu beitragen, die Lebensqualität der Menschen in Fulda und der Region zu steigern. Einige Orte seien echte Neuentdeckungen, die auch Menschen, die schon lange in der Region lebten, nicht alle kennen dürften. Wingenfeld geht davon aus, dass nicht zuletzt dank des 49-Euro-Tickets zahlreiche Menschen nicht nur aus Hessen, sondern auch aus anderen Bundesländern zu der Schau anreisen werden.

Während der Vorbereitungen hatten die Planer mit einigen Hürden zu kämpfen: Dazu zählt die Corona-Pandemie, die Ausschreibungen verzögerte, weil potenzielle Auftragnehmer in den vergangenen beiden Jahren Personal abbauen oder sogar ganz aufgeben mussten. Hinzu kamen drastisch gestiegene Bau- und Pflanzenpreise seit Beginn des Ukraine-Kriegs, die die Organisatoren auch zwangen, an der einen oder anderen Stelle Abstriche an ihren Plänen zu machen: So wird es ein ursprünglich vorgesehenes großes Holzdeck am Fuldaer Aueweiher nicht geben, stattdessen sollen dort künftig zwei kleinere Holzterrassen zum Verweilen einladen. Auch auf die künstlerische Gestaltung einer Betonoberfläche an einer Rampenanlage verzichteten die Planer, weil sie sich nicht zu vertretbaren Kosten hätte umsetzen lassen, wie Schlag erläuterte. Hinzu kam nicht zuletzt die große Trockenheit im Sommer dieses Jahres, die die Vorbereitungen erschwerte.

Derzeit bringen die Gärtner Zwiebeln für die Frühlingsblumen in die Erde, damit die Landesgartenschau pünktlich zur Eröffnung am 27. April farbenfroh erblühen kann. Auch die meisten anderen Vorbereitungen, darunter vor allem die Arbeiten an den großen Parkanlagen, dürften Ende Dezember fertiggestellt sein, sagte Schlag, im Februar und März kommenden Jahres gehe es dann noch um den „Feinschliff“ für die Schau. „Es wird funktionieren, aber wir hätten es uns etwas entspannter gewünscht.“ Und mit einem Augenzwinkern fügte Schlag hinzu: „Es wird so sein: Wenn der Ministerpräsident vorne das Band durchschneidet, geht hinten der letzte Gärtner raus.“

Die eigentlichen Stars der Landesgartenschau werden natürlich die Pflanzen sein. Für die Gestaltung der zwölf Hallenschauen haben die Organisatoren den Deutschen Meister der Floristen, Christopher Ernst aus Thüringen, gewonnen. Unter Titeln wie „Blütenerwachen“, „Orchideenwelten“, „Rosenträume“, „Fernweh“ und „Blumentheater“ will er die Besucher mit blühender Vielfalt verzaubern. Bewegliche Elemente, Spiegelungen und Musik - Ernst will alle Sinne seines Publikums ansprechen: Wer nach Fulda komme, könne sich zudem eine teure Fernreise sparen und so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten - denn auch Dschungelatmosphäre und exotische Pflanzen könne man auf der Landesgartenschau live vor der Haustür erleben.

Ernst ist überzeugt, dass neben den jahreszeitlichen Schauen die Landesmeisterschaft der Floristen zu den Publikumsmagneten gehören wird. Auch die Exoten-Präsentation dürfte zahlreiche Besucher locken - zumal die Themen „urbaner Dschungel“ und „Bohemian Style“ derzeit im Trend lägen, sagte Ernst: „Die Menschen wollen wieder mehr Grün in ihren Wohnräumen, Terrassen oder auf Balkonen haben. Auch der Fachhandel hat schon festgestellt, dass wieder mehr Zimmerpflanzen nachgefragt werden, insbesondere solche, die Hitze vertragen.“

Für Ernst ist nachhaltiges Arbeiten ganz wichtig, wie er erklärt. „Wir versuchen, so wenig wie möglich wegzuschmeißen.“ Natürlich müssten Hallenschauen blumig sein, „aber mit einer schönen Gestaltung kann man dabei Ressourcen sparen“, sagt der Florist. „Wir verzichten soweit wie möglich auf Kunststoff, nutzen Mehrweg- statt Einweggefäße bei der Anlieferung. Darüber hinaus machen wir auf Pflanzen aufmerksam, die höheren Temperaturen standhalten können.“

Auch für Musikfans und Kulturbegeisterte will die Landesgartenschau Highlights bieten. So sind unter anderem Auftritte von Max Mutzke und MaddaBrassKa geplant. Hinzu kommt eine Kooperation mit den Fuldaer Domplatzkonzerten und der Fuldaer Musical-Produktionsfirma Spotlight-Musical, wie Schlag sagte. Bei dem Veranstaltungsprogramm wirken außerdem Bürger aus Fulda und der Umgebung mit, darunter Kindergruppen, Vereine und die regionalen Landfrauen. Regionale Caterer sorgen für die Verpflegung der Gäste, die neben Tagesbesuchen auch abendliche Rundgänge auf der Landesgartenschau unternehmen und den Tag bei einem Abendessen und Getränk ausklingen lassen können.

Der Vorverkauf für die terminlich nicht gebundenen Tageskarten beginnt am 25. November, die Tickets umfassen auch den Eintritt zu allen Veranstaltungen am jeweils gewählten Datum. Insgesamt erwarten die Organisatoren während der 7. hessischen Landesgartenschau in Fulda, die bis zum 8. Oktober läuft, rund 500.000 bis 600.000 Gäste. dpa

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