+
Hofheim ÖPNV Busbahnhof

Etliche Verspätungen oder Ausfälle

Bus-Chaos in der Region: Wie lange noch?

Busse fallen aus oder kommen nur mit Verspätung an. Fahrer kennen den Weg nicht und die Software für die Fahrkartenautomaten streikt auch. Seit Tagen herrscht Chaos auf einigen Buslinien im Main-Taunus-Kreis und im Hochtaunus. Die Betreiber konnten das Problem noch nicht lösen.

Schüler, die morgens in der Kälte stehen und vergebens auf ihren Bus warten. Pendler, die den Anschluss zur S-Bahn verpassen, weil die Fahrt nicht stattfindet. Geister-Busse ohne Anzeige. Automaten, die keine Karten ausgeben. Fahrer, die sich verfahren. Seit Anfang dieser Woche herrscht auf einigen Buslinien im Main-Taunus-Kreis und im Hochtaunuskreis das reinste Chaos.

Daran sind nicht die neuen Fahrplänen schuld. Mit dem Fahrplanwechsel am vergangenen Wochenende haben zwei neue Unternehmen, die Deutsche Bahn Busverkehr Hessen GmbH und die Transdev GmbH Linien übernommen und waren offensichtlich nicht gut vorbereitet.

Die DB Busverkehr Hessen bekam es gleich in der Nacht zum Montag mit einem Absturz der kompletten Software in den Bussen zu tun; es funktionierten weder Fahrkartendrucker noch Zielanzeiger. Dieses Problem konnte immerhin bis gestern behoben werden, so Roland Schmidt, Geschäftsführer der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft (MTV). Er geht aber nicht davon aus, dass sich alles schnell wieder normalisiert.

Herausgestellt hat sich aber auch, dass viele Fahrer nicht ausreichend geschult sind. Tatsächlich wurde wiederholt von vielen Kunden berichtet, dass sogar Fahrer die Fahrgäste nach dem Weg gefragt haben. In den Weihnachtsferien soll es offenbar Nachschulungen geben. Zu spät für viele Menschen.

Schwerpunkte der Probleme sind etwa der Schülerverkehr zur Freiherr-vom-Stein-Schule in Eppstein oder der Osten des Main-Taunus-Kreises (Linien 810 oder 812). Von Ausfällen und Verspätungen betroffen waren auch die RMV-Buslinien 251 und 252, die Frankfurts Norden mit dem Hochtaunuskreis und dem Main-Taunuskreis verbinden. Auch bei den neuen RMV-Schnellbuslinien, die um Frankfurt herum und zum Flughafen führen gab es Anlaufschwierigkeiten.

Ein ganz krasser Fall ereignete sich erst gestern Nachmittag: Ein Bus der Linie 812, die jetzt von DB Busverkehr Hessen befahren wird, irrte auf dem Weg von Bad Soden nach Liederbach rund eineinhalb Stunden durch Sulzbach, Schwalbach und die angrenzenden Orte. Fahrplanmäßig braucht der Bus für diesen Weg zehn Minuten. Nach 90 Minuten war die Schicht des Fahrers zu Ende und er ließ die Fahrgäste dort aussteigen, wo er sich gerade befand – im Eichwald in Bad Soden. Es dunkelte schon, und unter den Fahrgästen war ein 13-jähriges Mädchen aus Eppstein. „Ich glaube echt, es hackt“, sagt die Liederbacherin Petra Rüdiger, die von dieser Episode berichtet hat.

Die Wut über die Vorfälle der vergangenen Tage entlädt sich im Internet. „Katastrophe“, „Ohne Worte“ oder „Nicht akzeptabel“ heißt es etwa bei Facebook-Nutzern. Beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gingen seit Montag 160 Prozent mehr Beschwerden als üblich ein. Etliche Leser, wie Sebastian Kramer aus Königstein, haben sich auch bei der Redaktion dieser Zeitung gemeldet und berichten von ihren Erlebnissen im „Chaos im Busverkehr“.

Die Frage steht im Raum: Wie lange sollen diese Zustände noch andauern? Viele Beschwerden erreichen auch die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft. Doch die kann auch nicht viel machen. Gemeinsam mit den neuen Betreibern arbeiten „wir mit Hochdruck“ an den „Startschwierigkeiten“ heißt es. Und bei DB Busverkehr Hessen? In einer kurzen Pressemitteilung „bedauert“ man die „Anlaufschwierigkeiten“. Es würden alle verfügbaren Mitarbeiter „bemüht“, diese abzustellen. Vorsichtshalber hat man eine Hotline eingerichtet. Und den Kunden zugesichert, die Kosten für eine Taxifahrt oder für ein anderes Transportmittel kulanterweise zu übernehmen. Doch eine Zusage will man nicht machen, wann an einen Normalbetrieb zu denken ist. Dabei blieb es gestern. Auch bei Transdev. Dort räumt die Geschäftsführung ein, dass sie bei der Planung unterschätzt habe, wie stark der Verkehr im Rhein-Main-Gebiet sei. Dabei war die Übernahme der neuen Linien seit Monaten schon beschlossene Sache. Wie kam es dazu?

Städte und Kommunen müssen für die Bevölkerung den Öffentlichen Nahverkehr sicherstellen. Dafür müssen sie den Busverkehr, wie auch den ÖPNV auf Schienen immer wieder – etwa alle acht Jahre – europaweit ausschreiben. Bei der Vergabe sind sie in ein enges Korsett, in das europäische nationale Vergaberecht, geschnürt.

Einerseits müssen die bietenden Busgesellschaften dabei klar definierte Vorgaben wie (Kilometerleistung, Fahrpläne Qualität der Busse) erfüllen. Der günstigste bekommt den Zuschlag. Einerseits wird so der Haushalt der Städte und Landkreise geschont.

Doch Kritiker sagen, der Preiskampf sei der Grund des jährlich irgendwo in Hessen wiederkehrenden Bus-Chaos. Denn diesen Preiskampf können nur noch große Verkehrsgesellschaften gewinnen, die bundesweit und zum Teil europaweit aktiv sind. Tatsächlich haben sich mittelständische Busgesellschaften aus Hessen, wie die Verkehrsgesellschaft Mittelhessen, mehr oder weniger freiwillig aus dem ÖPNV zurückgezogen. Den Zuschlag für die Ausschreibungen bekommen zunehmend die Großen im Geschäft: Eine Verwaltung, Dutzende regional operative Gesellschaften. Neben der DB Busverkehr Hessen GmbH und der HLB Hessenbus GmbH vor allem die Transdev. Das europaweit tätige Verkehrsunternehmen Transdev ist in Deutschland mit gleich 45 Tochtergesellschaften, mehr als 5000 Mitarbeiter aktiv. Mit einem Umsatz von knapp 850 Millionen Euro ist es der größte private Nahverkehrsanbieter im lokalen Bahn- und Busbereich in Deutschland.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare