Keine Fahrten zu Einkaufszentren

Bus-Chaos in Rhein-Main verhindert Weihnachtseinkäufe

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Vor einer Woche hat die DB Busverkehr Hessen mit dem Fahrplanwechsel neun RMV-Buslinien übernommen. Seither herrscht Chaos im Personennahverkehr im Taunus. Das schlägt Wellen. Vom "katastrophalsten Betreiberwechsel in Deutschland", spricht der Fahrgastverband ProBahn. Am Montag werden mindestens 38 Busse ausfallen.

Alle Jahre wieder herrscht Mitte Dezember irgendwo in Hessen das Bus-Chaos. Dort, wo mit dem Fahrplanwechsel neue Betreiber den Busverkehr übernehmen, ist Ärger programmiert. In der vergangenen Woche hat es die Kunden des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) im südlichen Hochtaunus- und dem östlichen Main-Taunus-Kreis heftig erwischt. Die vielen Ausfälle, massiven Verspätungen und zahlreiche Irrfahrten der Busse sind rekordverdächtig. Nachdem am Freitag 88 Fahrten ausgefallen waren, war die Situation am Samstag noch schlimmer.

In einem dieser Zeitung vorliegenden Dokument listet der Betreiber, die DB Busverkehr Hessen GmbH, für Samstag 320 ausgefallene Busverbindungen auf. Besonders betroffen waren auch das Main-Taunus-Zentrum (Linie 253: Königstein–Bad Soden–Main-Taunus-Zentrum–S-Bahnhof Frankfurt-Höchst) und das Nordwestzentrum (Linie 251 von und nach Kronberg, Steinbach Oberursel).

Nachdem sich die Situation gestern – wegen des ausgedünnten Fahrplans – etwas entspannte, wurden für heute 38 Busfahrten gestrichen. „Noch ist unklar, wie lange die Probleme andauern“, heißt es beim RMV. Der Verkehrsverband aktualisiert in der Online-Verbindungsauskunft stündlich die ausfallenden Fahrten.

Nach Informationen dieser Zeitung sind die Gründe für das Fiasko hausgemacht. Die DB Busverkehr Hessen – eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn – hatte zum Fahrplanwechsel schlicht zu wenig Fahrer und Busse parat. Dabei hatte das Unternehmen nach der europaweiten Ausschreibung bereits vor mehr als einem halben Jahr den Zuschlag bekommen.

Die DB Busverkehr entschuldigte sich und ist nach eigenen Angaben derzeit bemüht, „die gegebenen Anlaufschwierigkeiten abzustellen und einen reibungslosen Betriebsablauf zu gewährleisten.“

So sollen die DB-Fahrer in den Weihnachtsferien nachgeschult werden. Neue Fahrer zu bekommen, dürfte für die Firma schwer sein – der Busfahrer-Markt ist leer gefegt. Nach Informationen vom Fahrgastverband ProBahn hat eine andere, ebenfalls neu im Rhein-Main-Gebiet tätige Bus-Betreibergesellschaft (transdev) Busfahrer aus Griechenland angeworben und eingestellt, die ohne deutsche Sprachkenntnisse im Einsatz sind. „Das ist der katastrophalste Betreiberwechsel in Deutschland, seit es Linienverkehre in Deutschland gibt“, kritisiert ProBahn. Transdev und DB Busverkehr hätten die Aufnahme der für sie neuen Busverkehre auf die leichte Schulter genommen. „Weil viele Fahrer weder die Fahrtrouten kennen, noch Deutsch sprechen, werden sie auch in nächster Zeit nicht in der Lage sein, Fahrscheine korrekt zu verkaufen oder in Notfällen zu reagieren“, so ProBahn.

Die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft MTV und der Landkreis Main-Taunus als Auftraggeber bedauern das Chaos. „Das ist höchst ärgerlich, und wir verstehen die Verärgerung der Pendler, Schüler und anderer Buskunden“, sagt Kreis-Pressesprecher Johannes Latsch. „Wir haben die DB Busverkehr Hessen aufgefordert, die Mängel schnellstens abzustellen. Notfalls wird die MTV das mit rechtlichen Mitteln durchsetzen.“

Die DB Busverkehr verweist Kunden auf die Hotline (0641) 701100. „Wir sichern den vom Fahrtausfall betroffenen Fahrgästen eine kulante Prüfung zu“, heißt es. Fahrt- und Taxikosten, die wegen der Ausfälle und Verspätungen entstünden, würden erstattet.

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