+
Manuela Morelli (l) redet am 19.01.2017 in Griesheim (Hessen), mit ihrer Freundin Mira Mutter (2.v.l), nachdem sie ihr eigenes Kind Manuela (18, r) und zwei Kinder der befreundeten Familie David (M hinten, 18) und Josie (2.v.r.) von der Schule abgeholt hat. Die beiden Mütter wechseln sich täglich damit ab, ihre Kinder zur Schule zu bringen und abzuholen, weil die Busfahrer in Hessen weiter streiken. In Darmstadt fahren zudem auch die Straßenbahnen nicht. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Ausstand wirbelt so manchen Tagesablauf durcheinander

Bus-Streik: Eltern im Stress

Wenn Bus und Tram nicht fahren, müssen häufig Mütter einspringen. Wie sonst sollen die Kinder bei Eiseskälte zur Schule kommen? Und auch die Freizeitplanung wird schwierig.

Mira Mutter und Manuela Morelli haben kein Verständnis für den Streik der Busfahrer. Da sich in Darmstadt auch die Straßenbahnfahrer solidarisch zeigen, sind die Mütter mit ihren beiden Familien und den zusammen fünf Kindern aus dem nahen Griesheim auch betroffen – und völlig abgehängt. Sie helfen sich gegenseitig, damit die Kinder zur Schule kommen oder in der Freizeit zu Freunden - anders geht es nicht. „Durch den Streik ist alles total durcheinander“, sagt Manuela Morelli am Donnerstag.

„Entscheidend bei solchen Streiks ist, dass die Kinder zur Schule nach Darmstadt kommen und wieder abgeholt werden“, findet die 44-Jährige Mira Mutter. „Da vergisst man auch mal eigene Termine.“ Im Sommer könnten die Kinder noch das Fahrrad nehmen. „Das ist im Winter bei diesen Temperaturen aber eine Katastrophe“, sagt ihre 54 Jahre alte Freundin Manuela Morelli. “Die sind ja dann völlig durchgefroren.“ Auch ihr Mann muss trotz des Streiks von A nach B kommen. „Den fahre ich noch zum Bahnhof“, sagt Morelli. „Er muss pünktlich am Zug sein.“

Die Arbeitsniederlegungen haben den Tagesablauf der beiden Familien völlig durcheinandergewirbelt. Mira Mutter ist vormittags an der Reihe, um die Kinder mit dem Auto zu fahren, später dann Manuela Morelli. Die Kinder müssen beispielsweise in die Eleonorenschule im Zentrum von Darmstadt oder etwas außerhalb zum Schulzentrum Marienhöhe.

Früher aus den Federn muss er nicht wegen der Streiks, sagt David Mutter (18). „Es ist aber trotzdem nervig, für Mama halt.“ Er und Mitschüler machen dieses Jahr Abitur. Die meisten seiner Schulfreunde werden gefahren. „Die, bei denen das nicht gemacht werden kann, die können dann nicht kommen.“

Donnerstags hat er in den ersten beiden Schulstunden Deutsch, dann fünf Stunden Pause, dann eine Stunde Geschichte. In der ersten Streikwoche hat er das Auto genommen, um zwischendurch heimfahren zu können. An diesem Donnerstag hat er Glück: Geschichte fällt aus. „Das sind alles Prüfungs-Fächer“, sagt seine Mutter.

Nicht nur Kinder zur Schule bringen und wieder abholen ist das Problem. „Am Wochenende fallen Treffen mit Freunden aus“, sagt Mira Mutter. „Lara (18) konnte abends nicht ausgehen“, sagte Manuela Morelli. „Es gab keine Möglichkeit, abends wieder nach Hause zu kommen.“

Mira Mutter ärgert sich auch, dass gestreikt wird, aber die Jahres-Fahrkarten der Kinder schon bezahlt sind. „Es ist alles schon abgebucht“, erzählt sie. „Die streiken immer im Winter und nach den Ferien. Damit es weh tut.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare