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Commerzbank macht wieder Gewinn und Hoffnung auf Dividende

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Das Logo der Commerzbank auf dem Commerzbank-Tower leuchtet am Morgen. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Er ist als Sanierer angetreten und liefert nun bessere Ergebnisse als erwartet: Nach einem guten Jahr macht Commerzbank-Chef Knof auch den Aktionären neue Hoffnung.

Frankfurt/Main - Nach einer Rückkehr in die schwarzen Zahlen peilt die Commerzbank für 2022 einen Milliardenüberschuss an und macht ihren Aktionären Hoffnung auf steigende Gewinnausschüttungen. „Wir wollen an das erfolgreiche Kundengeschäft des vergangenen Jahres anknüpfen und den Konzerngewinn auf mehr als eine Milliarde Euro steigern“, sagte Vorstandschef Manfred Knof am Donnerstag. Im neuen Jahr habe die Bank „gut losgelegt“. Die Aussicht auf steigende Zinsen könnte das Geschäft weiter beflügeln.

„Damit streben wir für das Geschäftsjahr 2022 die Zahlung einer Dividende an“, kündigte Knof an. Beginnend mit 30 Prozent Ausschüttungsquote will der Vorstand die Gewinnausschüttungen in den Jahren darauf auf bis zu 50 Prozent steigern. „Zudem werden wir Aktienrückkäufe in Betracht ziehen - entweder als Bestandteil der Ausschüttungsquote oder als zusätzliche Zahlung“, sagte Knof.

„Die Aktionäre der Commerzbank haben ja viel ertragen müssen in den letzten Jahren (…) und ich glaube, es ist nur zu Recht, dass die Aktionäre jetzt wieder insgesamt auf eine Dividende hoffen dürfen“, sagte Knof. Seit der Rettung mit Steuermilliarden in der Finanzkrise 2008/2009 hat die Bank nur in zwei Jahren eine Dividende von jeweils 20 Cent pro Aktie gezahlt, zuletzt für das Geschäftsjahr 2018. Größter Anteilseigner ist der deutsche Staat mit 15,6 Prozent.

Im vergangenen Jahr schrieb das Frankfurter Institut wieder schwarze Zahlen - trotz eines teuren Konzernumbaus und zusätzlicher Belastungen bei der polnischen Tochter mBank. Mit 430 Millionen Euro fiel der Jahresüberschuss des MDax-Konzerns deutlich höher aus als von Analysten erwartet. Etwa 200 Millionen Euro davon gehen an die Inhaber bestimmter Anleihen. 2020 hatte das Institut mit rund 2,9 Milliarden Euro Minus den größten Verlust seit 2009 verbucht.

Mit einem verschärften Sparkurs will der zum 1. Januar 2021 als Sanierer angetretene Knof die Commerzbank nachhaltig zurück in die Erfolgsspur führen. Der Vorstand hat sich vorgenommen, bis Ende 2024 die Zahl der Vollzeitstellen von ursprünglich etwa 39 500 auf 32 000 zu verringern. Anfang 2022 hatte die Commerzbank den Angaben zufolge knapp 36 700 Vollzeitstellen, fast 2800 weniger als ein Jahr zuvor.

Mitten im laufenden Umbau kommt der Bank Personalchefin Sabine Schmittroth abhanden. Die 56-Jährige wird das Institut Ende dieses Jahres verlassen. Der Aufsichtsrat will in Kürze die Nachfolgesuche beginnen. Schmittroth ist seit Januar 2020 Mitglied des Vorstands und verantwortete übergangsweise zusätzlich das Privatkundensegment.

In diesem Bereich hat die Bank radikal umgesteuert: Die Zahl der Filialen in Deutschland wurde bereits von 790 auf 550 verringert, am Ende sollen es 450 Standorte sein. Vor der Pandemie hatte die Commerzbank bundesweit noch etwa 1000 Filialen. Im Ausland schloss die Bank bisher 6 von 15 Standorten, die auf der Streichliste stehen.

Dass die Bank trotz Sonderbelastungen von fast 2 Milliarden Euro einen operativen Gewinn von knapp 1,2 Milliarden Euro erzielt habe, zeige das Gewinnpotenzial des Instituts, bilanzierte Finanzvorständin Bettina Orlopp. „Unser Kundengeschäft ist kerngesund. Das belegt auch die Ertragsentwicklung im Gesamtjahr 2021.“ Die gesamten Einnahmen stiegen um gut drei Prozent auf rund 8,46 Milliarden Euro.

Profitiert hat das Institut auch davon, dass deutlich weniger Geld für mögliche Kreditausfälle zurückgelegt werden musste als im ersten Jahr der Corona-Pandemie: Die Risikovorsorge schrumpfte um etwa zwei Drittel auf 570 Millionen Euro. Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit einer Risikovorsorge von weniger als 700 Millionen Euro.

Beinahe wäre die sicher geglaubte Rückkehr in die Gewinnzone aber doch noch gescheitert: Rückstellungen bei der mBank belasteten das vierte Quartal. Die polnische Konzerntochter legte zum Jahresende weitere 436 Millionen Euro zurück. Im Gesamtjahr 2021 summierten sich diese Belastungen damit auf 600 Millionen Euro. Das Schlussquartal 2021 konnte der Commerzbank-Konzern dennoch mit Gewinn abschließen.

Hintergrund der Millionen-Rückstellungen ist der Streit um Franken-Kredite: Viele Polen hatten in der Vergangenheit aufgrund niedriger Zinsen Kredite in der Schweizer Landeswährung aufgenommen, um eine Immobilie zu finanzieren. Doch weil in der Folge die polnische Landeswährung Zloty gegenüber dem Franken stark an Wert verlor, stiegen die Belastungen für die Kreditnehmer. Viele versuchen auf dem Klageweg, einen Ausgleich von ihrer Bank zu erhalten. dpa

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