Das Mainzer Unternehmen Biontech ist bei der Suche nach einem erfolgreichen Corona-Impfstoff ganz vorne dabei.
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Das Mainzer Unternehmen Biontech ist bei der Suche nach einem erfolgreichen Corona-Impfstoff ganz vorne dabei.

90 Prozent Schutz

Corona-Impfstoff von Biontech: Unternehmen aus Mainz macht Hoffnung

  • Tobias Möllers
    vonTobias Möllers
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  • Tobias Ketter
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Die ganze Welt blickt nun auf das Pharmaunternehmen Biontech aus dem Rhein-Main-Gebiet. Die Mainzer haben einen hoch wirksamen Corona-Impfstoff entwickelt. 

  • Das Pharmaunternehmen Biontech hat gemeinsam mit seiner Partnerfirma Pfizer einen Corona-Impfstoff entwickelt.
  • Für die Mainzer Firma wäre der Impfstoff überhaupt das erste Produkt am Markt.
  • Wann kommt der Corona-Impfstoff nach Hessen?

Frankfurt/Mainz - Bis vor Kurzem war die Mainzer Pharmafirma Biontech noch weithin unbekannt - plötzlich hat sie sich zum globalen Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie gemausert. Zusammen mit dem US-Pharmariesen Pfizer entwickelte Biontech einen nach eigenen Angaben zu über 90 Prozent wirksamen Impfstoff gegen das Virus. Es wäre das erste Mal überhaupt, dass die von zwei Kindern türkischer Einwanderer gegründete Firma mit Sitz in der Mainzer Straße „An der Goldgrube“ ein Produkt auf den Markt bringt.

Gegründet wurde die Mainzer Firma Biontech im Jahr 2008 von den Wissenschaftlern Ugur Sahin und dessen Frau Özlem Türeci, zusammen mit dem österreichischen Krebsforscher Christoph Huber. Vor der Corona-Pandemie arbeiteten die rund 1500 Beschäftigten des Unternehmens an neuen Immuntherapien für Krebspatienten auf Basis der sogenannten mRNA-Technologie.

Mainzer Biotech-Unternehmer hat die Chance früh erkannt

Auf diese Technologie setzt Biontech nun auch bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Der Vorteil gegenüber traditionellen Impfstoffen besteht nicht zuletzt darin, dass die Entwicklung schneller möglich ist.

Der 54-jährige Mainzer Unternehmensgründer Sahin erkannte seine Chance bereits im Januar, nachdem die Nachrichten über das neuartige Virus in der chinesischen Stadt Wuhan die Welt aufgeschreckt hatten. Als sich das Virus dann bis März über weite Teile der Erde ausgebreitet hatte und für massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens sorgte, lagen bei Biontech bereits 20 Impfstoffkandidaten vor, wie Sahin dem „Spiegel“ sagte.

Die Mainzer Wissenschaftler sortierten in der Folge die weniger erfolgversprechenden Vakzine aus. Im September sprang dann die Bundesregierung Biontech bei: Aus einem Sonderprogramm wurden dem Unternehmen 375 Millionen Euro für die Entwicklung eines Impfstoffes zugesprochen. Schließlich blieb eine Handvoll Impfstoffe, darunter der Kandidat mit der Bezeichnung BNT162b2, der nach Angaben des Unternehmens vom Montag eine über 90-prozentige Wirksamkeit aufweist.

Corona-Impfstoff: Mainzer Technologie führt zum Erfolg

Nun kam den Mainzern eine bereits 2018 geschlossene Partnerschaft mit dem US-Riesen Pfizer zugute. Ursprünglich war die Kooperation mit Blick auf Grippeimpfstoffe ins Leben gerufen worden. Unter dem Eindruck der Pandemie und der weltweiten Suche nach einem Gegenmittel weiteten die beiden Unternehmen ihre Zusammenarbeit im März aus. Das Ziel: Die Technologie von Biontech mit der Erfahrung und Schlagkraft von Pfizer verbinden.

Anders als in der Rhein-Main-Region und in Deutschland, stand international Pfizer am Montag im Mittelpunkt der Schlagzeilen nach der Verkündung der Impfstoff-Testergebnisse. Sahin dagegen betonte im „Spiegel“: „Es ist unsere Technologie.“ Durch die Zusammenarbeit mit Pfizer könne ein Impfstoff jedoch in kürzester Zeit entwickelt und verteilt werden.

Corona-Impfstoff aus Mainz: 50 Millionen Dosen noch dieses Jahr

Die benötigten Impfdosen wären gewaltig. Biontech und Pfizer gehen davon aus, dass sie noch in diesem Jahr 50 Millionen Dosen bereitstellen könnten, im Jahr darauf dann 1,3 Milliarden Dosen. Um diese Mengen bewältigen zu können, hatte das Mainzer Unternehmen bereit im September eine Produktionsanlage des Schweizer Pharmariesen Novartis in Marburg übernommen. Insgesamt besitzt Biontech damit drei Produktionsanlagen in Deutschland. Hin zu kommen mindestens vier Anlagen von Pfizer in den USA.

Corona-Impfstoff von Biontech: Millionen Impfdosen für Deutschland

Mehrere Millionen Impfdosen könnten auch in Deutschland und damit auch in der Region Frankfurt verabreicht werden. Pro Impfung werden zwei Dosen benötigt. Mit der EU gibt es einen Vorvertrag zur Reservierung von 200 Millionen Dosen und eine Lieferoption für weitere 100 Millionen Dosen. Alle EU-Staaten sollen zeitgleich Zugriff auf den Impfstoff bekommen und dieser soll gemäß dem Bevölkerungsanteil der Länder aufgeteilt werden. Der Bevölkerungsanteil von Deutschland liegt bei 19 Prozent. Dies bedeutet, dass die Bundesrepublik zunächst bis zu 56 Millionen Dosen erhalten würde. Jens Spahn sagte dagegen am Dienstag (19.11.2020) vor Journalisten in Berlin, er gehe davon aus, dass die Bundesrepublik „bis zu 100 Millionen“ Impfdosen bekommen.

Die Präparate werden dann wohl in der Bundesrepublik aufgeteilt, sodass auch im Rhein-Main-Gebiet erste Impfungen möglich sind. Doch wer darf sich zuerst impfen lassen? In einem Positionspapier von der Ständigen Impfkommission (Stiko), dem Deutschem Ethikrat und der Wissenschaftsakademie Leopoldina wird empfohlen, dass als erstes Menschen mit Vorerkrankungen geimpft werden sollen. Anschließend sollen Bürger, die im Gesundheitswesen arbeiten, an der Reihe sein. Zudem sollen dann Leute in systemrelevanten Berufen mit vielen Kontakten wie etwa Lehrer, Polizisten oder Politiker das Präparat erhalten.

Biontech-Impfstoff gegen Corona: Impfzentren in Deutschland

Wann der Rest der Bevölkerung die Impfung erhalten kann, muss noch ausgearbeitet werden und hängt natürlich auch von der Dauer der Zulassung ab. Es gibt Pläne, die besagen, dass in ganz Deutschland Impfzentren erreicht werden. Dadurch könnten auch die Menschen in Hessen schneller eine Impfung erhalten, da die Prozedur in den Zentren deutlich schneller vonstattengehe als in normalen Arztpraxen. (Tobias Ketter, Tobias Möllers mit afp)

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