Corona-Krise

Coronavirus legt Zoos lahm - Affen spüren Veränderung stark

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Die Zoos in Hessen sind wegen des Coronavirus seit ein paar Wochen geschlossen. Das sorgt für finanzielle Einbußen, aber auch die Tiere spüren, dass etwas nicht stimmt.

  • Die Zoos in Hessen haben wegen der Corona-Krise geschlossen
  • Sie rechnen mit hohen Einbußen
  • Auch den Tieren in Zoos fehlt der Normalbetrieb

Frankfurt/Kronberg - Eigentlich stehen Zoos und Tierparks kurz vor der heißen Phase des Jahres: Der Frühling ist da, das Wetter ist gut und das lukrative Ostergeschäft steht ins Haus. Aber wie so vieles bleiben auch die Zoos wegen der Corona-Krise momentan geschlossen. Das sorgt für Einbußen. Erst am Dienstag (31.03.2020) hat der Verband der Zoologischen Gärten die Regierung um 100 Millionen Euro Soforthilfe für die Zoos gebeten. Dem Brief zufolge verliere ein einzelner großer Zoo aktuell wöchentlich einen Umsatz von etwa einer halben Million Euro. 

Corona-Krise: Zoo Frankfurt bemerkt mehr Tierpatenschaften

Der Zoo Frankfurt konnte die Einbußen auf Anfrage nicht so genau beziffern, hat aber Solidarität festgestellt: „Es werden viele Tierpatenschaften abgeschlossen. Ich bin mir sicher, wenn wir da Vergleich zum Vorjahr oder zum Vormonat ziehen, werden wir da vielleicht einen Zuwachs sehen. Das ist eine sehr schöne Art, uns zu unterstützen“, sagte Zoo-Sprecherin Christine Kurrle. 

Ob Zoos im schlimmsten Fall auch Schließungen drohen, wenn es finanziell eng wird? „Das geht ja gar nicht. Was ist denn dann mit den Tieren? Es gibt keinen Plan B. Irgendwann wird wieder aufgemacht und dann muss man einen Strich ziehen und sagen: ‚Das ist der Verlust‘ und dann muss man gucken, wer das trägt. Das kann ja keine zwei Jahre so gehen“, so Thomas Kauffels, Direktor des Opel-Zoos in Kronberg im Taunus.

Corona-Krise: Tiere im Zoo spüren Veränderung

Auch die Tiere im Zoo, besonders Menschenaffen wie Gorillas und Bonobos sowie große Katzen haben Christine Kurrle zufolge eine Veränderung im Zoo Frankfurt seit der Schließung wegen des Coronavirus bemerkt. „Sie nehmen Besucher sehr genau wahr und verfolgen sie mit Blicken. Gerade bei Menschenaffen kann man Interaktionen mit Besuchern feststellen - diese Reize sind jetzt weggefallen und da hat man bei den Menschenaffen schon festgestellt, dass sie anders waren. Sie waren nicht unglücklich, aber sie merken: Es ist etwas anders“.

Zoos während Corona-Schließung: Tiere in Gruppen sind sich selbst genug

Auch Thomas Kauffels vom Opel-Zoo in Kronberg machte eine solche Beobachtung: „Wenn ich an den Erdmännchen vorbeigehe, gucken die mich normalerweise nicht an, weil da genug andere Menschen sind. Aber wenn ich jetzt da vorbeigehe, gucken die mir natürlich nach, weil ich der einzige bin, der da in der letzten Zeit vorbeigekommen ist.“

Aber dieses Gefühl bei den Tieren hat Christine Kurrle zufolge nach ein paar Tagen nachgelassen. Gerade Tiere, die in Gruppen leben, seien sich selbst genug. „Giraffen, Zebras -  die leben so weiter wie immer“, sagt auch Kauffels. 

Zoos haben durch Corona logistisches Problem

Die Zoos stehen derzeit durch die Corona-Krise logistisch vor einem ganz anderen Problem: Viele Zoos haben das Personal in zwei Gruppen eingeteilt, die immer abwechselnd arbeiten und sich nicht begegnen. Das soll das Infektionsrisiko minimieren. Das Schwierige daran: Nicht jeder Tierpfleger kann jede Tierart gleich gut versorgen. „Da ist viel Spezialwissen gefragt. Wir müssen darauf achten, dass in jedem Revier das entsprechende Know-how vorhanden ist“, so Kurrle vom Zoo Frankfurt. Das wichtigste ist auch für Thomas Kauffels vom Opel-Zoo, dass die Mitarbeiter gesund bleiben, denn die Tiere sind auf Versorgung angewiesen. Jeder müsse vernünftig sein und mitziehen, um sich nicht anzustecken, da sonst die gesamte Gruppe nicht mehr arbeiten könne.

Aber die Zoos nutzen die Zeit der Corona-Schließung auch für Sanierungen. So hat beispielsweise der Kinderspielplatz im Zoo Frankfurt neuen Rindenmulch bekommen. Das hieße normalerweise, dass Besucher den Spielplatz bis zu zwei Tage lang nicht betreten dürfen. „Jetzt können diese Arbeiten gemacht werden, ohne dass ein Zoobesucher dadurch gestört wird“, sagt Kurrle. 

Coronavirus: Zoo Frankfurt ist bereit, wieder zu öffnen

Für eine Wiedereröffnung ist der Zoo Frankfurt allzeit bereit: „Wir stehen in den Startlöchern für die Öffnung. Der Zoo ist aufgeräumt wie nie zuvor“, verrät die Zoo-Sprecherin. Und Thomas Kauffels ergänzt: „Dem Opel-Zoo ist am allermeisten damit geholfen, dass man uns besucht, wenn es vorbei ist. Es geht immer weiter.“ Ob die Tiere sich nach der Corona-Krise genauso schnell wieder an die Menschenmassen gewöhnen wie an die Leere, bleibt abzuwarten.

Von Ines Alberti

Die Bonobo-Affen im Zoo Frankfurt haben Anfang des Jahres getrauert: Ein Affen-Baby war in der Silvesternacht verstorben. Nun musste der Zoo Frankfurt auch die Tiger-Dame Malea einschläfern. Sie war nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Eine Notschlachtung der Tiere kommt derweil für den Zoo Frankfurt nicht in Frage. Der Tierpark Neumünster in Schleswig-Holstein hatte mit einem derartigen Gedankenspiel für Aufsehen gesorgt. Ein Haustier gibt in der Corona-Krise Rückhalt und Gesellschaft. Doch es hat sich ein skurriler Trend entwickelt. Eine Tierheimleiterin spricht jetzt Klartext.

Erste Erfahrungen nach der Öffnung zeigen: Es funktioniert mit den Corona-Maßnahmen im Opel-Zoo in Kronberg.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Ben Birchall/PA Wire/dpa

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