Auch Jugendliche ab 12 Jahren dürfen künftig gegen Corona geimpft werden.
+
Auch Jugendliche ab 12 Jahren dürfen künftig gegen Corona geimpft werden. (Symbolbild)

Pandemie

Corona-Impfung für Kinder: EU-Behörde hat entschieden – Heftige Debatte tobt

  • VonJan Lucas Frenger
    schließen

Die Arzneimittelbehörde den Corona-Impfstoff von Biontech zur Impfung von Kindern freigegeben. Über die Konsequenzen tobt eine hitzige Diskussion.

Berlin – Die Corona-Impfung für Kinder wird kommen. Am Freitag (28.05.2021) hat die Arzneimittelbehörde der Europäischen Union (EMA) entschieden: Der Corona-Impfstoff von Biontech wird als erstes Vakzin überhaupt zur Impfung von Kindern ab 12 Jahren freigegeben. Bisher war der Impfstoff in der EU ab 16 freigegeben. Nun muss nur noch die EU-Kommission zustimmen. Dies gilt jedoch als Formalität. Über die Konsequenzen einer Kinder-Impfung in Deutschland entbrannten bereits im Vorfeld heftige Diskussionen.

Bundesinnenministerin Christine Lambrecht (SPD) forderte jüngst, Kinder und Jugendliche vollumfänglich an den Lockerungs- und Öffnungsmaßnahmen teilhaben zu lassen – eine Impfung gegen das Coronavirus dürfe dabei keine Rolle spielen. Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) meldete sich in der Debatte zu Wort. Dieser hob die Informationspflicht aufseiten der Eltern hervor und betonte zudem, dass die Entscheidungskraft in dieser Angelegenheit zu jeder Zeit bei den Eltern liegen müsse. „In erster Linie sind hier Kinder-, Jugend- und Hausärztinnen und -ärzte die kompetenten Ansprechpersonen. Zudem darf nie in Zweifel stehen, dass das Entscheidungsrecht, ob das einzelne Kind geimpft werden darf oder nicht, allein bei den Eltern liegt“, sagte VBE-Vorsitzender Udo Beckmann.

Corona in Deutschland: Kinderimpfungen ab Juni

Erst am Donnerstag (27.05.2021) legten Bund und Länder die Corona-Impfung beim Impfgipfel für Kinder ab 12 Jahren fest. Am 07. Juni soll die Impfpriorisierung bundesweit aufgehoben werden – dann soll es auch mit ersten Impfungen bei Kindern losgehen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine Zulassung des Impfstoffs durch die Behörden der EU.

Für die angestrebte Behandlung der Kinder wird es aller Voraussicht nach allerdings keine zusätzlichen Kontingente an Impfstoff geben. Laut Bund kommen daher hauptsächlich die Hausärzte für eine mögliche Impfung bei Kindern gegen das Coronavirus infrage. Zu einem viel befürchteten Impfzwang soll es laut Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Deutschland jedoch auf gar keinen Fall kommen.

Corona-Impfung für Kinder: Kein Impfzwang

Bei aller Euphorie rund um das Thema meldeten sich jedoch auch mahnende Stimmen zu Wort. „Wir verstehen zwar die Euphorie, denn die Impfung verheißt Normalität. Doch immer den zweiten vor dem ersten Schritt zu gehen und schon von Impfmobilen vor Schulen zu fabulieren, noch bevor der Impfstoff für diese Altersgruppe freigegeben, geschweige denn von der zuständigen Impfkommission empfohlen wurde, kommt einer fahrlässigen Täuschung gleich“, warnte VBE Vorsitzender Udo Beckmann. Und auch der Deutsche Lehrerverband reagierte enttäuscht auf die Verkündung. Verbandschef Heinz-Peter Meidinger zweifelte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland an der Wirksamkeit sowie den positiven Auswirkungen dieser Maßnahme im Kampf gegen Corona.

Unabhängig von den Verkündungen am Freitag, möchte sich die Ständige Impfkommission in Deutschland noch Zeit bei der Empfehlung des Corona-Impfstoffs für Kinder lassen. Denn: „Die Datenlage zu Risiken und Nutzen einer möglichen Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen ist derzeit noch so unzureichend, dass man keine Empfehlung abgeben kann“, sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt gegenüber der „Rheinischen Post“. Auch in Hessen sollen künftig Kinder ab 12 Jahren gegen Corona geimpft werden.

Intensivmediziner: Corona-Impfstoff zunächst für Ältere einsetzen

Vonseiten der Intensivmediziner hieß es dagegen, den ohnehin knappen Corona-Impfstoff zunächst lieber für eine Impfung bei älteren Menschen einzusetzen, da Kinder häufiger harmlos an Corona erkranken würden als Erwachsene und ältere Menschen. (Jan Lucas Frenger mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare