Hunde und Katzen können sich auch mit Corona infizieren. Neue Studien zeigen, dass das häufiger der Fall sein könnte als angenommen. (Symbolbild)
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Hunde und Katzen können sich auch mit Corona infizieren. Neue Studien zeigen, dass das häufiger der Fall sein könnte als angenommen. (Symbolbild)

Pandemie

Corona: Haustiere können sich beim Besitzer anstecken – öfter als erwartet

  • VonSebastian Richter
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Neue Studien zeigen, dass sich Hunde und Katzen häufiger bei ihren Haltern mit Corona infizieren als erwartet. Was bedeutet das für die Pandemie?

Frankfurt – Über 3,7 Millionen Menschen haben sich in Deutschland bisher insgesamt mit Corona* angesteckt. (RKI, Stand: 01.07.2021), deutlich mehr mussten in Quarantäne. Und der Lockdown hat fast alle Menschen in Deutschland zum zu Hause bleiben gezwungen. Ein Trost konnte dabei das Haustier sein: Kuscheln mit Hund oder Katze spendet Kraft in anstrengenden Zeiten. Keine gute Idee, wie Forschende herausgefunden haben. Denn viele Tiere haben sich bei ihren Besitzern angesteckt – und das könnte eines Tages wieder gefährlich für den Menschen werden.

Die Corona-Pandemie führte nicht nur zu einem Haustier-Boom in deutschen Haushalten: Hunde und vor allem Katzen stecken sich offenbar häufiger bei ihren Besitzern mit Corona an, als bisherige Daten vermuten ließen. So die Erkenntnisse von Untersuchungen, die am 9. bis 12. Juli beim Europäischen Kongress für klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten (ECCMID) vorgestellt werden sollen.

Corona bei Haustieren: Die Symptome sind vielfältig

Die Corona-Symptome bei den Haustieren können von Kraft- und Appetitlosigkeit, über Husten und laufende Nasen bis hin zu Atemprobleme und Durchfall reichen, berichtete die Tiermedizinerin Dorothee Bienzle von der kanadischen Universität in Guelph. Besonders Katzen seien gefährdet, da sie viel Zeit mit ihren Besitzern verbringen und häufig auf ihren Betten schlafen. „Katzen schlafen häufiger nah am Gesicht ihrer Besitzer, was sie einer Infektion stärker aussetzt“, heißt es in einer Kongress-Mitteilung.

  • Corona-Symptome bei Haustieren:
  • Kraft- und Appetitlosigkeit
  • Husten und laufende Nasen
  • Atemprobleme und Durchfall

Bienzle teste mit ihren Kollegen insgesamt 48 Katzen und 54 Hunde aus 77 Haushalten, in denen sich Personen mit Corona infiziert hatten. Bei Zwei Drittel der Katzen und 43 Prozent er Hunde fanden die Forschenden Antikörper, was auf eine überstandene Infektion hinweist. Bei 20 Prozent der Hunde und bei 27 Prozent der Katzen seien auch Symptome aufgetreten. Allerdings sind diese Infektionen in den meisten Fällen glimpflich vorübergegangen.

Hund und Katze: Studien untersuchen Corona-Infektionen bei Haustieren

In den Niederlanden wurde eine ähnliche Untersuchung durchgeführt. Hier fanden die Wissenschaftler heraus, dass bei etwa jedem fünften Tier Antikörper vorhanden seien. Etwa 150 Hunde und Katzen aus etwa 200 Haushalten wurden untersucht. Zur Kontrolle wurden Tiere aus einem Tierheim und streunende Katzen getestet – die Positiv-Rate lag bei diesen Tieren deutlich geringer. Die Studienleiter kommen zu dem Schluss: Die Tiere müssen sich häufig bei ihren Haltern angesteckt haben.

Noch sind die Daten nicht in einem Journal erschienen, das von externen Fachleuten herausgegeben wurde. Wissenschaftler des Kongresses haben die Daten aber bereits begutachtet.

In Hessen hat sich zum ersten Mal im Dezember ein Haustier mit Corona angesteckt*. Bei einer Hauskatze aus Frankfurt* wurden Antikörper gegen Covid-19 nachgewiesen.

Bei Corona-Infektion sollte Kontakt zum Haustier vermieden werden

„Wer Covid-19 hat, sollte den Kontakt mit seinem Hund oder seiner Katze vermeiden, wie er es auch bei Menschen tun sollte“, wird die Tiermedizinerin Els Broens von der Universität Utrecht in der Pressemitteilung des Kongresses zitiert. Sorgen mache man sich aber nicht um die Gesundheit der Tiere. Sie hätten nur leichte oder gar keine Corona-Symptome gehabt. Stattdessen beunruhigt die Erkenntnis die Forschenden in einer anderen Hinsicht.

„Die Hauptsorge ist das potenzielle Risiko, dass die Haustiere zu einem Reservoir des Virus werden und das Virus über sie zurück in die Bevölkerung gelangen könnte“, so Broens. Dabei betonte sie, dass bisher noch keine Ansteckung mit Corona auf einen Besitzer nachgewiesen wurde. Obwohl die Tiere sich in der Untersuchung relativ häufig ansteckten, scheine es demnach unwahrscheinlich, dass sie in der Pandemie eine Rolle spielten.

Hund und Katze: Infektionen mit Corona bei Haustieren keine Gefahr für Menschen

„Es ist eindeutig, dass diese Tiere den Erreger vom Menschen aufschnappen und weiter offenbar epidemiologisch keine Bedeutung haben“, sagte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter, der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf Haustiere. Seit Sommer 2020 seien Ansteckungen bei den Tieren meldepflichtig. Laut Mettenleiter handle es sich dabei aber nur um Einzelfälle. Beim FLI sind nur sieben Meldungen zu Katzen und zwei bei Hunden verzeichnet worden.

Experten gehen davon aus, dass sich ein breites Spektrum an Tierarten mit Corona infizieren könne. Auch Todesfälle unter Zoo-Tieren wie Löwen gab es bereits. Besondere Vorkehrungen wurden unter anderem im Zoo in Frankfurt getroffen, um die Menschenaffen vor einer Corona-Infektion* zu schützen. Zudem gab es in Dänemark einen Corona-Ausbruch bei Nerzen* in einer Pelztierzucht. Millionen Tiere mussten getötet werden. (spr/dpa) *fnp.de und fr.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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