1. Startseite
  2. Hessen

Corona in Hessen: So ist die Intensivbetten-Lage – Warnstufe erreicht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Tim Vincent Dicke

Kommentare

Ein Chefarzt untersucht in Schutzkleidung in einem Intensivbett-Zimmer einen geheilten Corona-Patienten, der von der Beatmungsmaschine entwöhnt werden muss.
In Hessen liegen zahlreiche Corona-Erkrankte auf der Intensivstation. (Symbolbild) © Peter Kneffel/dpa

In Hessen sind nur wenige Intensivbetten frei. Die vielen Corona-Fälle haben auch Auswirkungen auf andere Patienten. Wie ist die aktuelle Lage in den Kliniken?

Frankfurt – Bundesweit steigen die Corona-Infektionszahlen drastisch an, auch Hessen ist von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Die Dynamik macht sich auch in den Krankenhäusern bemerkbar. Immer mehr Covid-Patienten belegen dort Intensivbetten.

Dass die Situation auf den Intensivstationen kritisch ist, zeigt ein Blick auf das Divi-Intensivregister: Am Sonntag (14.11.2021) waren demzufolge nur 174 von 1795 Intensivbetten in Hessen frei – eine Auslastung von mehr als 90 Prozent. 221 Menschen mit Corona wurden den Angaben zufolge intensivmedizinisch behandelt, 106 Patienten mussten invasiv beatmet werden.

Erste Corona-Warnstufe in Hessen wegen Auslastung der Intensivbetten erreicht

Bei einer Auslastung von mehr als 200 Intensivbetten durch Corona-Patienten gibt es in Hessen eine erste Warnstufe. Damit gehen Auflagen einher, die sich die Landesregierung selbst gegeben hat. „Dann werden weitergehende Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie notwendig, z.B. ein Testnachweis nur noch mittels PCR-Test oder eine Ausweitung der 3-G-Regel auf weitere Bereiche“, teilt das Hessische Sozialministerium mit.

Unmittelbare Folgen haben die vollen Intensivstationen nicht nur für Corona-Erkrankte – sondern für alle Menschen, die dringend behandelt werden müssen. Ein Sprecher des Universitätsklinikums Gießen sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass am Freitag (12.11.2021) alle 18 Intensivbetten für Corona-Patienten belegt gewesen seien – diese Bettenanzahl solle das Haus für Covid-Kranke in Bereitschaft halten. Auch alle weiteren Intensivstationen (beispielsweise für Herzinfarkt- und Unfallpatienten) seien ausgereizt gewesen.

Intensivbetten in Hessen: Meiste Corona-Patienten ungeimpft

Laut dem aktuellen Corona-Bulletin des Sozialministeriums sind 69 Prozent der auf hessischen Intensivstationen behandelten Corona-Patienten entweder ungeimpft oder haben nicht den vollen Impfschutz. Allerdings lassen sich auch einige Impfdurchbrüche feststellen: 28,6 Prozent der Corona-Intensivpatienten sind vollständig geimpft. Bei 2,3 Prozent der Betroffenen ist der Impfstatus unbekannt.

Je nach Krankenhaus kann die Verteilung anders aussehen. An der Uniklinik Gießen seien 85 bis 90 Prozent der intensiv behandelten Covid-Patienten nicht geimpft, so der Sprecher gegenüber der FAZ. In Hessen liegt die Corona-Impfquote mit 66,6 Prozent leicht unter dem Bundesdurchschnitt (67,4 Prozent).

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) fordert aufgrund der angespannten Corona-Lage auf den Intensivstationen ein entschiedenes Handeln der Politik. „Wir brauchen sehr zügig klare und der Lage angemessene Entscheidungen, und zwar für bundesweit einheitliche Regeln“, sagte Divi-Präsident Gernot Marx der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Und wir brauchen eine klare Kommunikation der Entscheidungen und ein Ende der permanenten Streitereien, damit auch umgesetzt und eingehalten wird, was beschlossen worden ist.“

Corona: Wie Hessen im Intensivbetten-Vergleich dasteht

BundeslandGesamtzahl IntensivbettenIntensivbetten belegtAnzahl Corona-Patienten
Baden-Württemberg22311940379
Bayern30732771746
Berlin1043961151
Brandenburg62548870
Bremen15814920
Hamburg50343948
Hessen17951621221
Mecklenburg-Vorpommern55948048
Niedersachsen17801543146
Nordrhein-Westfalen52984743494
Rheinland-Pfalz99379195
Saarland39333528
Sachsen13251136319
Sachsen-Anhalt71863469
Schleswig-Holstein71556223
Thüringen631563170

Wegen Corona-Lage auf Intensivstationen: Hessens Gesundheitsminister gegen Ampel-Vorhaben

Wegen der aktuellen Lage auf den Intensivstationen stellt sich Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) gegen das Vorhaben der möglichen künftigen Ampel-Bundesregierung, die epidemische Lage von nationaler Tragweite auslaufen zu lassen.

Kai Klose
Kai Klose (Grüne), Gesundheitsminister von Hessen. (Archivfoto) © Arne Dedert/dpa

„Angesichts der derzeitigen Infektionsdynamik und der Belastung der Krankenhäuser, die in einigen Regionen bereits kurz vor der absoluten Überlastung stehen, sollte die Epidemische Lage von nationaler Tragweite verlängert werden“, heißt es in einem gemeinsamen Statement der drei Grünen-Gesundheitsminister von Hessen, Brandenburg und Baden-Württemberg, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Das stellt sicher, dass alle von den Expertinnen und Experten geforderten Maßnahmen umgesetzt werden können.“ (tvd/dpa)

Auch interessant

Kommentare