Stilisierte Coronaviren in einem Schaufenster. Schafft Hessen die Sieben-Tage-Inzidenz ab?
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Stilisierte Coronaviren in einem Schaufenster. Schafft Hessen die Sieben-Tage-Inzidenz ab?

Pandemie

Corona-Kabinett: Schafft Hessen die Inzidenz als Maßstab ab?

  • Marvin Ziegele
    VonMarvin Ziegele
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  • Sebastian Richter
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Die Inzidenz ist als Maßstab für Corona-Regeln umstritten. Ein Bundesland will sie bereits abschaffen. Zieht Hessen nun nach?

Update vom Dienstag, 17.08.2021, 11.31 Uhr: Die Sieben-Tage-Inzidenz ist im Verlauf der Corona-Pandemie als entscheidender Indikator für die Feststellung des Infektionsgeschehens genutzt worden. Doch die Inzidenz ist auch umstritten. „Wir müssen darüber diskutieren, ob die Inzidenz weiterhin unsere vornehmlich einzige Kennzahl zur Betrachtung des Infektionsgeschehens sein kann“, sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in der vergangenen Woche.

Es ist nicht auszuschließen, dass bei der Tagung des Corona-Kabinetts am Dienstag (17.08.2021) die Sieben-Tage-Inzidenz als Hauptindikator abgeschafft wird. Auch eine Stellungnahme der Stadt Wiesbaden legt diesen Schluss nahe. Die Stadt überstieg kürzlich die 50er-Marke. Normalerweise müssten eine Vielzahl an strengen Einschränkungen in Kraft gesetzt werden. Doch das ist bisher nicht passiert. Auf der Website der Stadt Wiesbaden heißt es dazu, dass die geltenden Maßnahmen, also das hessische Eskalationskonzept, bis zum Donnerstag (19.08.2021) befristet sind.

Corona in Hessen: Wiesbaden erlässt keine Verfügung – Trotz Inzidenz von 50

„Es ist nicht auszuschließen, dass die rechtliche Grundlage für die an sich von der Stadt geforderte Allgemeinverfügung umgehend ganz oder teilweise entfallen könnte“, heißt es von der Stadt Wiesbaden. Man wolle die Tagung des Corona-Kabinetts in Hessen abwarten, „damit die Voraussetzungen einer etwaigen Allgemeinverfügung diese auch über einen längeren Zeitraum tragen.“ Auch Frankfurt wartet in Sachen schärfere Corona-Regeln erstmal ab.

Die hessische FDP will ebenfalls nicht an der 7-Tage-Inzidenz als Leitindikator festhalten. „Nach weit über einem Jahr Pandemie hat sich die Ausgangslage verändert“, sagte Yanki Pürsün, der gesundheitspolitische Sprecher der Liberalen, am Montag (16.08.2021) nach Informationen der Hessenschau.  „Viele Menschen sind geimpft, die Lage in den Krankenhäusern ist glücklicherweise längst nicht mehr so dramatisch wie vor einigen Monaten.“

Corona-Kabinett: Schafft Hessen die Sieben-Tage-Inzidenz als Maßstab ab?

Erstmeldung vom Samstag, 14.08.2021, 07.55 Uhr: Frankfurt – Seit Beginn der Corona-Pandemie gilt die Sieben-Tage-Inzidenz als entscheidende Kennziffer für Verschärfungen oder Lockerungen der Corona-Regeln. Doch inwieweit die Inzidenz das tatsächliche Infektionsgeschehen oder die Risikostufe der Pandemie abbilden kann, ist umstritten. Vor allem in den letzten Wochen gerät die Inzidenz als Maßstab für die Maßnahmen immer mehr in die Kritik.

Denn die Pandemie hat sich verändert. Inzwischen sind mehrere Impfstoffe in Deutschland zugelassen und die Mehrheit der Deutschen hat sich bereits impfen lassen. Außerdem verändert die Delta-Variante des Coronavirus* das Infektionsgeschehen. Zudem steigt die Inzidenz – in Hessen mussten erste Kreise bereits die Maßnahmen verschärfen. Ist die Inzidenz noch geeignet, um als Maßstab für die Corona-Regeln zu gelten?

Corona in Hessen: Fällt die Inzidenz als Maßstab für Regeln?

Beim Bund-Länder-Gipfel wurde die Möglichkeit bereits besprochen, beispielsweise die Restaurantbesuche vom Inzidenzwert abzukoppeln. Stattdessen könnten nur Geimpfte, Genesene und getestete Personen zugelassen werden. Ganz darauf einigen konnte man sich jedoch nicht, diese „3G-Regelung“ soll ab einer Inzidenz über 35 gelten.

Ein Bundesland ist dagegen schon einen Schritt weiter gegangen und hat die Inzidenz komplett als Indikator gestrichen: Baden-Württemberg. Schon ab Montag (16.08.2021) soll die Sieben-Tage-Inzidenz in der neuen Verordnung des Landes nicht mehr als Kriterium für Maßnahmen aufgelistet werden. Stattdessen soll die „3G-Regel“ stärker einbezogen werden, die Geimpften, Genesenen und Getesteten mehr Freiheiten gewähren wird – unabhängig von den Neuinfektionen der letzten sieben Tage pro 100.000 Einwohner.

Wie sieht das in Hessen aus? Hier will das Corona-Kabinett in Wiesbaden am Montag (16.08.2021) über diese Maßnahme beraten, so eine Sprecherin der hessischen Landesregierung. Dann wird sich entscheiden, ob die Inzidenz in Hessen weiterhin der kritische Wert bleiben wird. (spr) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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