An einem Seil, in das Schlaufen geknotet wurden, werden Kinder zur Schule geführt. Das Hilfsmittel soll den Kindern helfen, genügend Abstand voneinander zu halten und so eine mögliche Ansteckung mit dem Coronavirus zu verhindern.
+
Bei Maßnahmen gegen das Coronavirus werden viele Schulen kreativ, wie dieses Foto aus Italien zeigt. Doch in Hessen ist das Vorgehen in Sachen Quarantäne sehr uneinheitlich.

Kommunen entscheiden selbst

Mehr Schüler und Lehrer in Corona-Quarantäne – doch es gibt in Hessen kein einheitliches Vorgehen

  • Kerstin Kesselgruber
    vonKerstin Kesselgruber
    schließen

Wer aus der Schule muss in Quarantäne gehen, wenn ein Lehrer oder Schüler positiv auf Corona getestet wird? Diese Frage wird von den Gesundheitsämtern in Hessen sehr unterschiedlich beantwortet.

Wiesbaden – Mit steigenden Infektionszahlen wächst in Hessen auch die tägliche Quote von Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern in Corona-Quarantäne. Zuletzt mussten rund drei Prozent der Schüler und knapp vier Prozent der Lehrkräfte wegen behördlicher Anordnungen zu Hause bleiben (Stand: Mittwoch, 04.11.2020). Beide Werte hätten noch bis zu den Herbstferien dauerhaft unter einem Prozent gelegen, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums in Wiesbaden auf dpa-Anfrage. Sie seien erst nach dem starken Anstieg der Infektionszahlen in ganz Deutschland angewachsen.

Corona-Quarantäne an Schulen: Kommunen entscheiden selbst

Wer alles nach einem positiven Test in der Schulgemeinschaft in Quarantäne muss, das entscheiden die Kommunen vor Ort. „Eine Übersicht der Maßnahmen durch die Gesundheitsämter haben wir nicht“, erklärte der Ministeriumssprecher. In der Regel werde für einzelne Schüler, ganze Klassen oder Lerngruppen Quarantäne verhängt. Dass eine ganze Schule geschlossen wird, ist dagegen eher selten: Bis zum Dienstag (03.11.2020) waren in Hessen insgesamt vier der 1795 Schulen wegen coronabedingter Quarantänevorgaben geschlossen. Insgesamt waren es nach Ministeriumsangaben seit Schuljahresbeginn 29. „Wir hoffen, dass durch die neue Maskenpflicht im Unterricht weniger Kinder in Quarantäne geschickt werden“, erklärte der Sprecher.

In der Regel gelinge es an den Schulen, die Lehrer zu ersetzen, die wegen Quarantäneauflagen nicht in den Klassen sein können. Werde die Personaldecke zu dünn, könne es jedoch sein, dass Schulen in einigen Fällen für ein paar Tage im Wechselbetrieb Unterricht erteilen - einer Mischung zwischen Präsenz und Lernen von zu Hause.

Corona an Schulen: Gesundheitsamt Frankfurt fragt genau ab

In Frankfurt gehe das Gesundheitsamt sehr spezifisch vor, sagte eine Sprecherin der Stadt. „Es wird immer abgefragt, wer neben dem betroffenen Schulkind gesessen hat, wer Spielkamerad oder Spielkameradin ist oder wer sonst irgendwie näheren Kontakt gehabt hat.“ Nur diese Kinder müssten in Corona-Quarantäne. „Es kommt allenfalls im Einzelfall vor, dass eine ganze Klasse unter Quarantäne genommen werden muss“, erklärte die Sprecherin. An diesem Vorgehen des Gesundheitsamts Frankfurt in der Corona-Pandemie wurde Kritik aus einzelnen Schulen* laut, berichtet fnp.de.

An Frankfurter Grundschulen werde bei auftretenden Fällen zusätzlich eine Maskenpflicht im Unterricht angeordnet. Seit den Sommerferien sei vonseiten des Gesundheitsamtes keine gesamte Schule geschlossen worden, sagte die Sprecherin. Mit der ausgeweiteten Maskenpflicht im Unterricht erhöhe sich der Anteil der Fälle, bei denen aufgrund des geringen Infektionsrisikos keine Quarantänemaßnahmen ergriffen werden müssen. „Insgesamt lässt sich in Bezug auf Ansteckungen innerhalb von Schulen weiterhin sagen, dass von Schulen und Kitas, mit Ausnahme der Berufsfachschulen, kein hohes Infektionsrisiko ausgeht“, erklärte die Sprecherin. „Dies zeigen auch die an den Schulen vorgenommenen Abstrichaktionen, bei denen die Raten der positiv Getesteten sehr gering ausfallen.“

Corona an Schulen in Wiesbaden: Quarantäne nur für enge Kontakte

Eine Sprecherin der Stadt Wiesbaden sagte: „Ob ganze Klassen oder nur einzelne Kinder in Quarantäne gehen müssen, hängt stark von den Gegebenheiten vor Ort ab.“ Dabei orientiere sich das Gesundheitsamt an den Vorgaben des Robert Koch-Instituts. „Sobald während des Unterrichts Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden, ist das Infektionsgeschehen meist deutlich besser abgrenzbar.“ Dann müssten nur die Kinder im unmittelbaren Sitz-Umfeld des infizierten Kindes in Quarantäne. Ganze Schulen wurden in Wiesbaden nach den Worten der Sprecherin noch nicht unter Quarantäne gestellt. „Es gab zwar vereinzelte Schulschließungen, diese waren jedoch nicht mit Quarantäne für die gesamte Schulgemeinschaft gleichzusetzen.“

Auch in Darmstadt sei noch keine Schule komplett in Quarantäne geschickt worden, teilte ein Sprecher der Stadt mit. „Dies wäre bei einem großen Ausbruch, der nicht adäquat eingrenzbar ist, denkbar.“ Wer nach einem positiven Corona-Test in der Schulgemeinschaft in Quarantäne geschickt werden müsse, hänge unter anderem vom Alter, der Art des Unterrichts und der Dauer und Intensität der Kontakte ab.

Corona-Quarantäne für ganze Schulklassen im Kreis Gießen

Nach Angaben des Landkreises Gießen ist in den vergangenen Monaten häufig Quarantäne für eine gesamte Klasse angeordnet worden, wenn ein Schüler, eine Schülerin oder eine Lehrkraft positiv auf Corona getestet wurde und das Risiko eine Ansteckung bestand. Bei einer Schule sei es nach mehreren positiven Meldungen erforderlich gewesen, dass sich die gesamte Jahrgangsstufe 12 mit fast 230 Schülern für die Dauer der Kontaktpersonenermittlung vorsorglich in Quarantäne begab, erläuterte ein Sprecher.

Zwischenzeitlich gebe vor allem wegen der verstärkten Hygienemaßnahmen an Schulen ein differenziertes Vorgehen. „Erfährt das Gesundheitsamt vom positiven Test eines Schülers, werden weiterhin die Kontakte im privaten Umfeld verfolgt. Von einer Quarantäne für die gesamte Klasse kann jedoch in der Regel abgesehen werden“, erläuterte der Sprecher. Dies gelte vor allem für solche Jahrgangsstufen, bei denen in der Klasse Maskenpflicht bestehe. Kürzlich hat es Corona-Massentests an Schulen im Landkreis Gießen gegeben.

In Kassel musste bisher keine komplette Schule wegen Corona schließen

Ein Sprecher der Stadt Kassel sagte, dass das Gesundheitsamt bei positiven Corona-Tests an Schulen je nach Einzelfall über Quarantäne-Vorgaben entscheide. Eine komplette Schule habe noch nicht geschlossen werden müssen. In Kassel informieren die Schulleitungen die Eltern über Corona-Fälle*, berichtet hna.de. (dpa/kke) *fnp.de und hna.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Kommentare