Corona-Impfstoff von Astrazeneca
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Kann als Auslöser der Fehde zwischen hessischen Kommunen und Kassenärzten bezeichnet werden: der in Verruf geratene Corona-Impfstoff Astrazeneca. (Symbolbild)

„Hetze in unsäglicher Weise“

Corona in Hessen: Streit um Impfkampagne – Kassenärzte schießen gegen Impfzentren

  • vonJan Lucas Frenger
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Die Kassenärzte in Hessen üben scharfe Kritik an den Impfzentren. Diese werfen der KV wiederum „Hetze“ und gezielte „Verunsicherung der Bevölkerung“ vor.

Wiesbaden – Hinter den Kulissen der momentan eigentlich so erfolgreichen Impfkampagne in Hessen, rumort es gewaltig. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und die Kommunen gehen sich gegenseitig an die Gurgel. Dem „Hessischen Rundfunk“ liegt ein Schreiben vor, indem der Städte- und Landkreistag der KV vorwerfen, „in unsäglicher Weise Hetze gegen die Arbeit der 28 Corona-Impfzentren in Hessen zu betreiben“.

Doch es kommt noch dicker: Der KV wird in dem Schreiben darüber hinaus beschuldigt, die Bevölkerung „durch bewusste Fehlinformation“ zu verunsichern. Die Ärzte werden aufgefordert, „dies ab sofort zu unterlassen“, heißt es weiter.

Corona in Hessen: Rundmail brachte Fass zum Überlaufen

Auslöser der Fehde war wohl eine Rundmail der KV an alle niedergelassenen Ärzte, in der die KV-Chefs Frank Dastych und Eckhard Starke massive Kritik an den Corona-Impfzentren in Hessen üben. Als „überflüssig“ bezeichnen sie die Impfzentren in der Mail und beklagen zudem die ungleiche Verteilung des Corona-Impfstoffs von Biontech. Laut den KV-Chefs sei das Kontingent der Hausärzte für das begehrte Vakzin „lächerlich gering“, während die Zentren einen Großteil davon bekämen.

Vor Kurzem hatte die hessische Landesregierung angekündigt, den teils umstrittenen Impfstoff Astrazeneca nur noch für bereits geplante Zweitimpfungen einzusetzen. Den Großteil des Kontingents sollen künftig die Niedergelassenen erhalten. Doch diese waren davon überhaupt nicht begeistert, denn auch in den Praxen ist es, ähnlich wie in den Impfzentren, schwierig, das in Verruf geratenen Vakzin loszuwerden. Und bei den Personen, die sich tatsächlich mit dem Stoff gegen das Coronavirus impfen lassen wollen, führt es aufgrund der möglichen Nebenwirkung zu einem erheblichen Beratungsaufwand – das kostet Zeit.

Corona-Impfung: Hausärzte in Hessen fühlen sich als „Resteverwerter“

Das sorgt für Unmut, die Niedergelassenen fühlen sich laut eigener Aussage als „Resteverwerter“ für die Corona-Impfzentren. Mittlerweile sei der Ärger laut KV sogar so groß, das manche Hausärzte kein Gebrauch mehr von ihrem Kontingent für das Corona-Vakzin Astrazeneca machen.

Es war nicht das erste Mal, dass sich KV-Chef Frank Dastych mit kritischen und harten Worten zur Corona-Impfkampagne in Hessen gemeldet hatte. Zuletzt bescheinigte er der Politik „unglaublichen Dilettantismus und Inkompetenz“. (Jan Lucas Frenger)

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