Vergangenheit und Zukunft: Kinder und Jugendliche könnten bald wieder unbeschwert in Schulen und Kitas gehen. Biontech scheint bei der Impfstoff-Produktion vor dem Durchbruch. (Symbolbild)
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Vergangenheit und Zukunft: Kinder und Jugendliche könnten bald wieder unbeschwert in Schulen und Kitas gehen. Biontech scheint bei der Impfstoff-Produktion vor dem Durchbruch. (Symbolbild)

Corona-Pandemie

Biontech-Chef spricht von Durchbruch – Impfstoff bald für Kinder?

  • Erik Scharf
    vonErik Scharf
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Einen Corona-Impfstoff für Kinder und Jugendliche gibt es noch nicht. Hersteller Biontech arbeitet unter Hochdruck an der Fertigstellung: Nun könnte es sehr schnell gehen.

Frankfurt – Noch immer geht das Impfen in Deutschland eher schleppend voran. 7,5 Prozent der Menschen in Hessen sind bereits vollständig gegen das Coronavirus* geimpft (Stand: 28.04.2021, 14.15 Uhr). Viele der 473.608 Menschen in Hessen, die beide Impfungen schon hinter sich gebracht haben, dürften aber 60 Jahre und älter sein. Doch auch am anderen Ende der Alterspyramide könnte es bald ganz schnell gehen.

Zwar soll laut Ministerpräsident Volker Bouffier die Impfpriorisierung so bald wie möglich aufgehoben werden, doch Impfstoffe für Erwachsene sind nicht mit jenen für Kinder gleichzusetzen. Das ist auch bei der Produktion des Vakzins gegen Covid-19 so. Oft dauert es Jahre, bis die Forschung abgeschlossen ist. Schul- und Kita-Kinder würden also von einer Öffnung der Impftermine für alle Altersgruppen nicht profitieren.

Zulassung für Corona-Impfstoff für Kinder und Jugendliche soll kommen

Biontech-Chef Ugur Şahin hat nun aber vielen Eltern trotzdem Hoffnung gemacht. Ursprünglich sei die Zulassung des Impfstoffes für Kinder im September anvisiert worden, wie der „Spiegel“ berichtet. „Wir sind auf gutem Weg, diese Ziele zu erreichen“, sagt Şahin nun. Am kommenden Mittwoch (05.05.2021) will Biontech nach Informationen des „Spiegel“ bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA eine Zulassung des Vakzins für Kinder ab zwölf Jahren beantragen.

Im Rahmen einer klinischen Studie seien bereits Kinder im Alter von sechs Monaten geimpft worden. Bislang laufe laut Şahin alles nach Plan, es hab keine Zwischenfälle gegeben. Auch Studienergebnisse, wonach der Impfstoff bei Kindern ab zwölf Jahren „zu 100 Prozent wirksam“ sei, lassen Şahin zu dem Schluss kommen, „dass Kinder durch die Impfung besonders gut geschützt sind.“

Corona-Impfstoff-Produktion: Werden Liefermengen für Erwachsene eingeschränkt?

Unklar ist noch, wie genau sich Biontech bei der Produktion des Impfstoffs aufstellen will. Möglicherweise könnte das Vakzin für Kinder die Liefermenge des Impfstoffes für Erwachsene einschränken.

Schutzimpfungen für Kinder und Jugendliche wären ein großer Schritt auf dem Weg zurück in die Normalität. Schulen und Kitas sind derzeit größtenteils aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Welche psychischen Auswirkungen die Pandemie auf die jüngsten Generationen haben könnte, ist bislang nur an der Oberfläche zu erkennen. „Das ist für Kinder fraglos eine große Belastung, auf die sie niemand vorbereitet hat“, sagte der Chefarzt und Kinder- und Jugendmediziner Lothar Schrod vom Höchster Kinderklinikum. Für ihn sei es „falsch, Kitas und Schulen zu schließen*“.

Corona bei Kinder und Jugendlichen – Spätfolgen nooch nicht absehbar

Doch genau das ist an vielen Stellen in Hessen derzeit der Fall. In Kitas wird maximal eine Notbetreuung angeboten, für Schulen gelten nach der Bundes-„Notbremse“ eigenen Regeln. Ab einer Inzidenz von 100 ist Wechselunterricht vorgeschrieben, ab 165 ist nur noch Distanzunterricht erlaubt. In den Wochen vor dem Inkrafttreten der Notbremse war die Zahl der Infektionsfälle in Schulen und Kitas in Hessen dramatisch angestiegen. RKI-Chef Lothar Wieler hat die „Notbremsen“-Regelung insbesondere vor dem Hintergrund von Schulschließungen kritisiert.*

Auch „Long Covid“ ist ein Thema, dass bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger aufzutreten scheint. Oft treten Spätfolgen bei Minderjährigen erst Monate nach der Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 auf, sagte Markus Hufnagel vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Freiburg der „Deutschen Presse-Agentur“. „Das sind eher Patienten im Jugendalter; Fälle in den ersten zehn Lebensjahren sind deutlich seltener.“ Mit der Ankündigung von Biontech, sehr nah an der Produktion eines Impfstoffes für Minderjährige zu sein, ist auch bei vielen Familien die Hoffnung gestiegen, dem Coronavirus künftig aus dem Weg gehen zu können und trotzdem ein normales Leben zu führen – mit geöffneten Schulen und Kitas. (Erik Scharf) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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