Impfzentrum Frankfurter Festhalle
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Das Impfzentrum in der Festhalle in Frankfurt am Main. Es bleibt erstmal erhalten, aber in einer kleineren Version. (Archivbild)

Pandemie

Corona-Impfzentren in Hessen schließen – aber nicht überall

  • Julian Dorn
    VonJulian Dorn
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Nach rund 4,7 Millionen verabreichten Corona-Impfungen schließen fast alle hessischen Impfzentren am Donnerstag (30.09.2021). Doch wie geht es danach weiter?

Wiesbaden/Frankfurt – Nach 4,7 Millionen Impfungen ist Schluss. Die meisten der 28 hessischen Impfzentren schließen. So will es die Landesregierung – vor allem wegen der horrenden Kosten. Das Land Hessen geht nach Angaben des Innenministeriums davon aus, dass die Zentren die Steuerzahler etwa 600 Millionen Euro kosten werden, inklusive Hotline und die Software für die Terminvergabe. Die Kosten teilen sich Bund und Land zu gleichen Teilen, allerdings eben nur noch bis Ende September. Dann stellt der Bund seine Förderung ein.

Das bedeutet also, dass jede im Impfzentrum verabreichte Injektion 130 Euro gekostet hat. Der Impfstoff ist da noch gar nicht inkludiert. Zum Vergleich: Eine Arztpraxis rechnet für eine Impfung 20 Euro ab.

Begrüßt wird die Entscheidung zur Schließung der Corona-Impfzentren deshalb von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), wie Sprecher Karl Matthias Roth mitteilte. Die KV hatte das hessische Impfmanagement etwa wegen dieser hohen Kosten kritisiert. „Die Impfzentren hatten am Anfang sicher eine gewisse Berechtigung, jetzt werden sie nicht mehr gebraucht“, sagte Roth bereits im Juni, als die Regierung den Beschluss fasste, die Zentren zu schließen.

Corona in Hessen: Impfzentren nur zu einem Drittel ausgelastet

Wie kamen diese hohen Kosten überhaupt zustande? Es lag wohl daran, dass die Impfzentren insgesamt nur zu einem Drittel ausgelastet gewesen seien, so Fachleute. Zuerst war der allgemeine Impfstoffmangel schuld, dann die niedrige Impfbereitschaft.

Wenn man allerdings in die Kalkulation einbezieht, wie viel die Behandlung eines Covid-Patienten im Krankenhaus stattdessen gekostet hätte, relativieren sich die Ausgaben für die Impfzentren. Bei einem milden Verlauf habe das Gesundheitswesen Kosten in Höhe von 10.000 Euro, bei einer Behandlung auf der Intensivstation sogar von bis zu 40.000 Euro, rechnet der Gesundheitsökonom Thomas Busse von der Frankfurt University of Applied Sciences dem Hessischen Rundfunk vor. Nach seiner Einschätzung seien die Impfzentren also anfangs ökonomisch sinnvoll gewesen.

Wie geht es nun ohne zentralisierte Impfungen weiter? Laut dem Ministerium sollen Corona-Impfungen dann überwiegend von mobilen Impfteams sowie von den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten in Hessen übernommen werden. Diese könnten das nun ohne Weiteres leisten, so die Landesregierung.

Corona-Impfungen in Hessen: Impfzentrum in Frankfurt bleibt vorerst erhalten

Doch es gibt auch Städte und Kreise in Hessen*, die einen Sonderweg beschreiten: In Frankfurt* werde das Impfzentrum in kleinerer Form erhalten bleiben, sagte der Leiter des Gesundheitsamts, Peter Tinnemann. Von montags bis freitags können sich Frankfurter weiterhin auf dem Messegelände in der Zeit von 12 bis 19 Uhr kostenlos und ohne Termin gegen das Coronavirus impfen lassen.

„Für die Besucherinnen und Besucher ändert sich erstmal nichts“, sagte der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes. „Die Messe Frankfurt als zentrale Anlaufstelle zur Corona-Schutz-Impfung bleibt.“ Die Impfkampagne gegen Corona* wird in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz Frankfurt fortgesetzt.

Corona-Impfzentren: Frankfurt sieht weiterhin Bedarf für zentrale Lösung

Zwischen 500 und 1000 Menschen können die Mitarbeitenden im neuen, kleineren Impfzentrum an der Frankfurter Messe nun täglich beraten und impfen. Der Eingang ist geblieben, ebenso der Ablauf der Stationen bis zur Impfung. Nur die Kapazität ist nun geringer. „Statt 100 Mitarbeiter sind es nun 60 plus Sicherheitsteam“, sagt Benedikt Hart, der Leiter des Impfzentrums, das das Deutsche Rote Kreuz (DRK) betreibt.

Denn trotz aller Berichte über die Impfmüdigkeit der Deutschen*: Der Bedarf sei in Frankfurt nach wie vor da, erklärt Tinnemann. Der Nachfrage könne nicht allein von Hausärzten und mobilen Impfteams Rechnung getragen werden, meint er. Noch immer sei die Nachfrage im Impfzentrum hoch.

Corona in Hessen: Auch der Kreis Gießen öffnet kleines Impfzentrum

Auch der Kreis Gießen hält weiterhin eine zentrale Lösung für notwendig. Dort wird das Impfzentrum in Heuchelheim bald schließen. Gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und der Johanniter-Unfall-Hilfe will die Kreisverwaltung aber weiterhin auf zentrale Impfangebote gegen das Coronavirus setzen, und zwar mit einer Impfambulanz.

Die Frankfurter scheinen Recht zu behalten: Als das verkleinerte Impfzentrum in der Messehalle 1.2* in der vergangenen Woche eröffnet hatte, bildete sich eine lange Schlange vor dem Eingang, die fast bis zur Skyline Plaza reichte. (Julian Dorn)*fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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