Zum Schutz vor einer Coronavirusinfektion tragen auch schwangere Lehrerinnen in den Schulen stundenlang FFP-2-Masken.
+
Zum Schutz vor einer Coronavirusinfektion tragen auch schwangere Lehrerinnen in den Schulen stundenlang FFP2-Masken.

Pandemie

Sollen schwangere Lehrerinnen während Corona weiter unterrichten? Hessen trifft Entscheidung

  • Jens Joachim
    VonJens Joachim
    schließen

Mehrere Bundesländer erteilen angesichts der Omikron-Welle des Coronavirus schwangeren Lehrerinnen ein Beschäftigungsverbot. Nun trifft auch Hessen eine Entscheidung.

Wiesbaden – Im Gegensatz zu benachbarten Bundesländern will das hessische Kultusministerium keine Berufs- oder Beschäftigungsverbote für schwangere Lehrerinnen anordnen. Das hat Philipp Bender, der stellvertretende Sprecher des Ministeriums, auf Anfrage der Redaktion mitgeteilt. Es seien „keine expliziten Sonderregelungen für schwangere Lehrerinnen geplant“.

In Bayern, Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen dürfen hingegen schwangere Lehrerinnen derzeit in der Regel nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden. Die baden-württembergische Kultusministerin Teresa Schopper (Grüne) hatte zu Beginn des Schuljahrs mitgeteilt, man sei mit einer entsprechenden Regelung Hinweisen aus dem Bundesfamilienministerium gefolgt. In Baden-Württemberg seien Anfang September 3300 Lehrerinnen schwanger gewesen.

Corona in Hessen: Schwangere Lehrerinnen sollen in Hessen weiter unterrichten

Im Wiesbadener Kultusministerium gibt es laut Ministeriumssprecher Bender auch juristische Bedenken gegen eine solche Regelung. Stattdessen solle es „individuelle Lösungen“ geben. Letztlich könnten sich schwangere Lehrerinnen an ihren Arzt oder ihre Ärztin wenden, die entsprechende Atteste ausstellen könnten, um sie vom Präsenzunterricht zu befreien.

Nachdrücklich wies Bender die Vermutung zurück, der anhaltende Personalmangel sei möglicherweise der Grund dafür, dass es keine entsprechende Regelung wie in den benachbarten Bundesländern gebe. Letztlich müssten dann Schulleitungen und Schulämter Ersatzlösungen finden.

Schwangere Lehrerinnen in Hessen: SPD stellt Anfrage wegen Einsatz während Corona

Die SPD-Landtagsabgeordneten Lisa Gnadl, Bijan Kaffenberger, Nadine Gersberg und Christoph Degen, der auch bildungspolitischer Sprecher der Fraktion ist, haben bereits vor einem Monat eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt, in der es um den Einsatz von Schwangeren im Schuldienst geht.

Aus der Anfrage geht hervor, dass eine Freistellung schwangerer Lehrerinnen in Hessen nur noch erfolge, wenn sie nach aktuellem ärztlichem Attest dem Risiko eines besonders schweren Krankheitsverlaufs ausgesetzt seien. Aufgrund dieser Regelung würden „Beschäftigungsverbote offenbar seltener ausgesprochen und Anfragen von Schulleitungen an die Staatlichen Schulämter ignoriert“.

Corona in Hessen: SPD hakt beim Thema schwangere Lehrerinnen nach

Die vier Landtagsabgeordneten wollen nun von der Landesregierung auch wissen, wie viele schwangere Lehrerinnen sich in den vergangenen Monaten mit dem Coronavirus infiziert haben, wie viele derzeit vom Präsenzunterricht freigestellt sind und wer über ihren Einsatz im Präsenzunterricht anhand welcher Vorgaben entscheidet.

Sie fragen auch danach, wie viele Gefährdungsbeurteilungen gemäß dem Mutterschutzgesetz seit Beginn des Schuljahrs an den Schulen verfasst wurden und wie konkret damit umgegangen wird, wenn Schulleitungen nicht die Verantwortung übernehmen wollen, eine schwangere Lehrerin an ihrer Schule einzusetzen. Auch wollen die Abgeordneten wissen, welche Vorsichtsmaßnahmen es zum Schutz schwangerer Lehrerinnen im Präsenzunterricht und welche Einschränkungen zum Einsatz an den Schulen es für sie derzeit gibt. (Jens Joachim)

Nach den Winterferien sind die Schulen in Hessen im Präsenzunterricht ins neue Jahr gestartet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare