Zusammen spielen, bauen und basteln: Auch Kindergärten in Hessen öffnen ab Dienstag nach mehreren Wochen wieder ihre Türen. Das Foto entstand im Kindergarten Wiggenhausen in Friedrichshafen.
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Zusammen spielen, bauen und basteln: Auch Kindergärten in Hessen öffnen ab Dienstag nach mehreren Wochen wieder ihre Türen. Das Foto entstand im Kindergarten Wiggenhausen in Friedrichshafen.

Nach Corona-Pause

„Eltern sollten Kita nicht betreten“: Expertin zur Öffnung der Kitas - So klappt der Start

  • Bastian Ludwig
    vonBastian Ludwig
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Die Kitas in Hessen werden nach der Corona-Pause am 2.06.2020 teilweise wieder geöffnet. Eine Expertin spricht über die geplante Kita-Öffnung.

  • Ab dem 2. Juni sollen die Kitas in Hessen teilweise wieder geöffnet werden.
  • Die Einrichtungen waren wegen der Corona*-Krise lange geschlossen.
  • Eine Expertin erklärt wie der Start gelingen kann.

Kassel – Nach Pfingsten starten die Kitas in Hessen wieder mit dem sogenannten eingeschränkten Regelbetrieb. Wie dieser in Corona-Zeiten aussieht und wie sich die Kitas darauf vorbereiten, darüber sprachen wir mit Nele Bittner, der regionalen Geschäftsführerin des Kita-Trägers Impuls Soziales Management. 

Der Träger betreibt deutschlandweit 40 Einrichtungen und hat einen Leitfaden für die Wiedereröffnung entwickelt, den er auf seiner Webseite anderen Kitas kostenfrei zur Verfügung stellt.

Wie wichtig ist es, dass die Kitas jetzt wieder den reinen Notbetrieb verlassen?

Das ist für alle Beteiligten total wichtig. Für die Kinder, weil sie wieder in Kontakt kommen. Für die Eltern, weil sie wieder eine Perspektive haben, um ihren Alltag zu planen. Für Erzieherinnen und Erzieher, weil sie wieder ihrem Beruf nachgehen können. Aber auch für die Gesellschaft, damit alles wieder in Schwung kommt. Es ist wichtig, einen Entwicklungsort beleben zu können.

Kita-Öffnung in Hessen nach Corona-Pause: So reagieren die Kinder auf Masken

Welche Erfahrungen wurden im Notbetrieb gesammelt?

Es gab Sorgen, dass nach der Schließzeit die Eingewöhnung der Kinder schwer werden könnte. Nach meinen Erfahrungen lief es aber überraschend positiv. Natürlich mussten einige Kinder erst mal wieder lernen, gemeinsam zu spielen. Wir haben beobachtet, dass viele erst mal allein auf dem Bauteppich saßen. Doch insgesamt ist ihnen die Rückkehr eher leicht gefallen. Selbst dann, wenn wegen der Notbetreuung nicht der feste Bezugsbetreuer vor Ort war und das Personal Masken trug.

Wie reagieren Kinder auf maskierte Erzieher?

Gerade die Mimik ist wichtig für Kinder. Insofern war die Situation andersartig. Auch wenn viele die Masken vom Einkaufen mit ihren Eltern schon kannten. Wir testen gerade in einigen Einrichtungen den Einsatz von Visieren. Da sind die Assoziationen positiver: Ah, ein Astronaut.

Ihr Träger hat einen Handlungsleitfaden entwickelt. Welche Maßnahmen sind darin enthalten?

Es geht darum, das Infektionsrisiko kontrollierbarer zu machen. Ziel ist es, immer genau zu wissen, wer wann wo Kontakt hatte. Dafür sind feste Gruppen nötig, was die Personalplanung komplizierter gestaltet. Im ersten Schritt geht es um die Wiedereingewöhnung der Kinder.

Dabei sollten Kitas mit Eltern ins Gespräch gehen und klären, ob sie sich eine Eingewöhnung unter den gegebenen Umständen vorstellen können oder ihre Kinder noch länger zu Hause betreuen können und wollen. Es empfiehlt sich, die Eingewöhnung auf dem Außengelände der Kitas zu machen. Denn Eltern sollten die Räume nicht betreten. Letztlich muss das aber jede Kita für sich klären, weil die Räumlichkeiten doch unterschiedlich sind.

Corona-Krise: Kitas in Hessen öffnen wieder - Kita-Alltag sollte strukturiert werden

Aber wird sich eine Übergabe der Kinder am Gartenzaun nicht problematisch gestalten?

Wir empfehlen, sich dafür Zeit zu nehmen. 15 bis 20 Minuten für das Bringen und Abholen. Es sollte kein Druck entstehen. Wenn es gar nicht funktioniert, sollten Eltern vielleicht am Zaun stehen bleiben und schauen, wie es läuft. Bei der Übergabe sollten Eltern und Personal Masken tragen. Das ist aber erst mal alles Theorie. Erst in der Praxis wird sich zeigen, was funktioniert.

Welche Regeln werden darüber hinaus empfohlen?

Es geht darum, den Kita-Alltag nach einem bewussten Plan zu strukturieren, damit es möglichst keinen Austausch der Gruppen untereinander gibt: Wann kann ich essen, wann Hände waschen, wann rausgehen? Auch sollten die Erzieher nicht die Gruppen wechseln. Zudem sollte auch innerhalb der Gruppen über Regeln nachgedacht werden – etwa die Abschaffung der Kuschelecken. Was aber nicht heißt, dass man Körperkontakt anderweitig nicht zulassen kann.

Auch ließe sich das Spielzeug in Tage einteilen: Montags die Bauklötze, dienstags die Teeküche und so weiter. So vermeidet man, dass man permanent das gesamte Inventar desinfizieren muss. Auch beim Essen wird es wichtig sein, die Kinder möglichst nur in kleinen Tischgruppen essen zu lassen. Denn da spielt das Thema Speichel noch mal eine ganz andere Rolle.

Wie kann man gewährleisten, dass sich das alles für die Kinder noch einigermaßen normal anfühlt?

Man sollte etwa nicht alle Rituale über Bord werfen. So sollten Feierlichkeiten durchaus stattfinden: Geburtstage oder der Wechsel eines Kindes in eine andere Gruppe oder in die Grundschule.

Kitas öffnen in Hessen wieder: Viele Erzieher freuen sich auf die Arbeit

Wie geht das Kita-Personal mit der Situation um?

Mein Eindruck ist, dass die Leute sich auf die Arbeit und die Kinder freuen. Sie haben sie total vermisst. Ich erlebe da wenig Ängste. Was nicht heißt, dass es die gar nicht gibt. In diesen Fällen sollten Einrichtungsleitungen und Betroffene ins Gespräch gehen. Bei Risikogruppen bieten sich Beratungen mit dem Betriebsarzt an. Seit einigen Wochen bieten wir unseren Fach- und Führungskräften zusätzlich Fachgespräche und auch Coachings zum Wiedereinstieg an, die auch externe pädagogische Fachkräfte nutzen können.

Wie ist es mit der Eingewöhnung von neuen Kindern?

Für unsere Einrichtungen kann ich sagen, dass wir versuchen, die ursprünglich geplanten Eingewöhnungen umzusetzen. Wenn man das verschiebt, drängelt sich alles nach hinten raus. Und die Eltern haben auch mit den Terminen geplant, um beispielsweise wieder die Arbeit aufnehmen zu können. Letztlich hängt das aber alles auch von den Vorgaben der Gesundheitsämter ab. Was ist, wenn es einen Corona-Fall gibt? Wird dann nur die Gruppe geschlossen oder die ganze Kita? Dies beeinflusst wiederum das weitere Vorgehen.

Von Bastian Ludwig

Die Kita-Öffnung in Hessen nach der Corona-Pause wir von der Opposition kritisiert. Sie sieht in den Maßnahmen bloß eine Ausweitung der Notbetreuung.

In einer Kita in Allendorf (Nordhessen) gibt es zwei Corona-Fälle* - zwei der Kinder wurden positiv getestet. Die Einrichtung ist geschlossen. 

Lesen Sie alle News zu Corona in Hessen in unserem Ticker. 

Mit der Öffnung der Kitas in Frankfurt sieht Verdi die Bildungsqualität und den Gesundheitsschutz der Kinder gefährdet.

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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