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Corona in Hessen: Lage in Kliniken spitzt sich zu

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Von: Jutta Rippegather

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Wo soll künftig die Maske getragen werden? Der Landtag debattiert.
Wo soll künftig die Maske getragen werden? Der Landtag debattiert. © Michael Schick

Hessen diskutiert über Verschärfung der Maskenpflicht. S-Bahnen fallen aus, weil sich zu viele Menschen krank melden.

Hessen - Das Stellwerk Mainz-Bischofsheim bleibt zwei Tage unbesetzt, der S-Bahn-Fahrplan im Rhein-Main-Gebiet ist ausgedünnt. „Die Deutsche Bahn kämpft weiterhin wie viele andere Unternehmen mit außergewöhnlich hohen Krankenständen“, sagt eine Unternehmenssprecherin am Freitag (14. Oktober).

Die nächste Corona-Welle ist angekommen. In Kliniken, in Betrieben, im Bekanntenkreis. Wie viele Menschen in Hessen das Virus erwischt hat, vermag keiner zu sagen. In die Inzidenzen fließen lediglich positive PCR-Tests ein. Die machen die wenigsten Betroffenen. Die Politik sei in Alarmbereitschaft, heißt es aus dem Sozialministerium in Wiesbaden: „Die Landesregierung berät aufgrund der erheblich zunehmenden Belastung des Gesundheitssystems aktuell in enger Abstimmung mit der hessischen Ärzteschaft und den Kliniken sowie den anderen Ländern über mögliche notwendige Maßnahmen wie zum Beispiel eine Maskenpflicht in Innenräumen.“ Eine solche hatte jüngst die Ärztegewerkschaft Marburger Bund gefordert. Die Lage in den Krankenhäusern sei „sehr angespannt“, sagt Ministeriumssprecher Benjamin Donath. „Zum einen melden sie erhebliche eigene Personalausfälle, zum anderen ist die Covid-Bettenbelegung in den letzten Wochen stark angestiegen.“

Corona in Hessen: Gesundheitssystem unter Dauerbelastung

Die Winterwelle 2022 trifft auf ein Gesundheitssystem, das seit März 2020 unter Dauerüberlastung steht. Zeit zum Verschnaufen gab es kaum. Im Gegenteil, sagt Jürgen Graf, Chef der Frankfurter Uniklinik und Leiter des Planstabs stationäre Versorgung, der Hessens Kliniken in der Pandemie koordiniert. „Das Einschränken sogenannter elektiver beziehungsweise planbarer Behandlungen bietet kein großes Potential mehr. Wir haben bisher nicht aufholen können, was in den letzten zweieinhalb Jahren nicht versorgt worden ist.“ Rettungsdienst, Niedergelassene, Kliniken – alle litten akut wieder unter hohen Ausfällen beim Personal. Positiv sei einzig die Entwicklung der Krankheitsschwere. „Das Niveau liegt meist auf dem anderer saisonaler Infektionskrankheiten, wer geimpft ist, stirbt nicht vermeidet damit in aller Regel den Tod und einen schweren Krankheitsverlauf.“

Aber auch Geimpfte sind ansteckend. Deshalb hat Graf nach wie vor kein Verständnis dafür, dass der Bund die Maskenpflicht gelockert hat. „Ich empfinde das als einen nur geringfügigen Eingriff in die Rechte des Einzelnen und meine daher, dass man das den Menschen in öffentlichen Gebäuden, Geschäften und Verkehrsmitteln abverlangen könnte“, sagt der Uniklinikchef im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. „Das Tragen eines chirurgischen Mund-Nasen-Schutzes ist ein sehr großer Schutz.“

Corona in Hessen: Verschärfung der Maskenpflicht?

Ob eine Verschärfung der Maskenpflicht komme, hänge von der Entwicklung der Lage in den Krankenhäusern ab, informiert das Sozialministerium: „Ein Hauptaugenmerk der Landesregierung liegt weiter auf der Situation in den Kliniken, die sich natürlich durch die stark angestiegenen Hospitalisierungszahlen verschärft hat.“ Sozialminister Kai Klose (Grüne) hatte sich jüngst der Initiative von Bundesländer angeschlossen, die vom Bund eine Lockerung der Isolationspflicht gefordert hatten. Das, sagt Sprecher Donath, sei aktuell nicht vorgesehen.

Denn inzwischen hat Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) klargestellt, dass Bundesländer dies in eigenem Ermessen entscheiden. Darauf hatte die Opposition diese Woche in einer Landtagsdebatte hingewiesen. Mit unterschiedlicher Zielrichtung: Yanki Pürsün (FDP) forderte ein Ende der Isolationspflicht. „Der Schaden ist größer als der Nutzen.“ Sozialdemokratin Daniela Sommer hingegen sieht die Zeit für mehr Vorsicht gekommen. „Die steigenden Infektionszahlen und ansteigenden Fälle in Krankenhäusern zeigen, dass Schutz und Maßnahmen wieder wichtig werden.“ (Jutta Rippegather)

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