Friedhof
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An kirchlichen Beerdigungen dürfen mehr als 30 Personen teilnehmen - allerdings nur unter Einhaltung der Abstandsregeln.

Privileg für Religionsausübung

Trotz Corona-Notbremse: Bei kirchlicher Beerdigung mehr als 30 Personen erlaubt - bei Tröster nicht

Ab einer Inzidenz von 100 sind nur 30 Personen bei Trauerfeiern zugelassen – so sieht es die Bundes-Notbremse vor. Allerdings heißt es in dem Gesetz auch, dass Zusammenkünfte, die der Religionsausübung dienen, von der Regel ausgenommen sind. Das Bistum Fulda betont daher: kirchliche Beerdigungen sind von der 30-Personen-Regel nicht betroffen.

Fulda - Claudia Krieglstein aus Ebersburg hat am Sonntag ihren Vater Günter Barth verloren. Am Freitag soll der 69-Jährige im Gersfelder Ortsteil Hettenhausen beerdigt werden. Als sie gestern unsere Zeitung las, war sie geschockt: Im Artikel zum Thema „Sterben in der Pandemie“ war die Rede davon, dass ab einer Inzidenz über dem Schwellenwert von 100 lediglich 30 Trauergäste* anwesend sein dürfen. „Das hat mir erstmal das Herz gebrochen. Allein unsere Familie sind schon über 30 Leute. Mein Vater war jahrzehntelang im Vorstand des Rhönklubs, er würde sich wünschen, dass die Vereinskollegen kommen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben“, sagt die 37-Jährige. Darüber hinaus habe sie vom Ordnungsamt Gersfeld, dem Pfarrer und dem Bestatter auch eine andere Information erhalten: Weil es sich um eine kirchliche Bestattung handelt, gilt die Beschränkung der Personenzahl nicht.

In der Tat: Recht weit unten im Infektionsschutzgesetz heißt es unter Punkt 4: „Versammlungen im Sinne des Artikels 8 des Grundgesetzes sowie Zusammenkünfte, die der Religionsausübung im Sinne des Artikels 4 des Grundgesetzes dienen, unterfallen nicht den Beschränkungen nach Absatz 1.“ Das Ordnungsamt Gersfeld erklärt auf Nachfrage: „Dementsprechend gilt die Personenobergrenze aus unserer Sicht nicht für die Trauergottesdienste und die kirchliche Bestattung sowie sämtliche Zeremonieformen, an denen ein Geistlicher beteiligt ist. Trauerfeiern, die nicht im Zusammenhang mit der Religionsausübung stehen, Leichenschmaus, Tröster, Bestattungen weltlicher Art mit einem freien Redner etc. fallen nicht unter die Privilegierung.“ *fuldaerzeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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