Ein Arzt macht einen Abstrich für einen Corona-Test. Einen kostenlosen PCR-Test bekommt in Hessen nicht jeder. (Symbolbild)
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Ein Arzt macht einen Abstrich für einen Corona-Test. Einen kostenlosen PCR-Test bekommt in Hessen nicht jeder. (Archivfoto)

Pandemie

Corona in Hessen – Wer einen PCR-Test bekommt

  • VonNadja Austel
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Ein Anspruch auf einen PCR-Test auf Corona besteht in bestimmten Fällen. Wann man diesen geltend machen kann und was zu beachten ist.

Berlin – Aufgrund der sich verschärfenden Corona*-Lage in Deutschland sollen zukünftig die Testzentren wieder eröffnet werden. Das teile Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) in einer Pressekonferenz am Freitag (12.11.2021) mit. Deutschland ist nun erstmals das Land mit den weltweit meisten Corona-Neuinfektionen. Auch in Hessen sind die Inzidenzen inzwischen auf dem Höchststand. Für die Zukunft sind 2G-Plus Regeln für Veranstaltungen möglich.

Auch den PCR-Tests kommt mittlerweile besonderes Augenmerk zu. Sie sind teurer, das Testergebnis liegt erst einen Tag darauf vor, aber sie gelten als die sicherste Möglichkeit, eine Corona-Infektion nachzuweisen – jedenfalls, wenn der Faktor Mensch keinen Fehler macht. Bei einem Labor in Hessen wurden kürzlich Proben vertauscht und so Testergebnisse falsch zugeordnet. Bürger haben nach der seit Oktober gültigen neuen Testverordnung in einigen Fällen einen Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test.

Corona: Bundesweite Testverordnung gilt in Hessen – und hat ihre Tücken

Das Bundesgesundheitsministerium (BGM) verkündete im September die neue „Verordnung zum Anspruch auf Testung“ auf das Coronavirus. Am 11.10.2021 trat diese in Kraft. In ihr wird definiert, welche Personen kostenlose Corona-Tests in Anspruch nehmen dürfen und auch, welche Testarten dieser Anspruch beinhaltet.

Darin heißt es: „Versicherte haben (…) im Rahmen der Verfügbarkeit von Testkapazitäten Anspruch auf Testung in Bezug auf einen direkten Erregernachweis des Coronavirus“. Und weiter: „Zur Diagnostik können nach Maßgabe dieser Verordnung und der Teststrategie des Bundesministeriums für Gesundheit eine Labordiagnostik mittels Nukleinsäurenachweis, eine variantenspezifische PCR-Testung oder eine Diagnostik durch Antigen-Test gehören.“

Wer das und auch die Informationen auf der Internetseite des BGM liest, könnte meinen, man habe unter Umständen als Versicherter das Recht auf einen kostenlosen PCR-Test. Das ist so jedoch nicht richtig.

Corona in Hessen: Grundsätzlicher Anspruch auf PCR-Test bedeutet nicht „strikter“ Anspruch

Das BGM definiert auf seiner Internetseite im Abschnitt „Welche Personen können grundsätzlich auch einen kostenlosen PCR-Test erhalten?“: Es haben auch „asymptomatische Personen nach der Coronavirus-Testverordnung grundsätzlich Anspruch auf eine kostenlose Testung.“ Das könne ein Schnelltest, ein PCR-Test oder ein PCR-Varianten-Test sein. Im Satz darauf wird der Anspruch jedoch eingeschränkt, es handele sich dabei nicht um einen „strikten“ Anspruch.

Einen solchen strikten Anspruch hat nur derjenige, der ein positives Ergebnis bei einem Schnelltest erhielt. Das gilt auch nach einem positiven Selbsttest. Von dieser Möglichkeit sollte auch unbedingt Gebrauch gemacht werden. Vorsichtshalber sollte man sich zu Hause in Isolierung begeben, bis das Ergebnis vorliegt. Das Fazit: Im Grunde gibt es nur eine Personengruppe, deren PCR-Test definitiv immer kostenlos ist, nämlich die im Schnelltest positiv Getesteten.

Corona in Hessen: Kostenlose PCR-Tests für Kontaktpersonen – Ausnahmen bestätigen die Regel

Es gibt allerdings im Falle von Kontaktpersonen begründete Ausnahmen. Und dann greift die Formulierung der Testverordnung, dass auch ein PCR-Test durchgeführt werden kann. So auch im Fall von positiv getesteten Schülern: In den Schulen werden regelmäßig Schnelltests mit den Schülern durchgeführt. Wird nun eines der Kinder positiv getestet, so kann die Schule eine Bescheinigung hierüber ausstellen, mit der das betreffende Kind anschließend in einem Testzentrum den kostenlosen PCR-Test in Anspruch nehmen kann. 

In Klassensituationen ist das Risiko, dass sich schnell viele weitere Kinder mit dem Virus infizieren jedoch erhöht. Deshalb mache es teilweise Sinn, die Kontaktpersonen, also die Mitschüler, direkt auch einem PCR-Test zu unterziehen. Das positive Testergebnis eines Schülers kann also je nach Rahmenbedingungen dazu führen, dass entweder nur die Banknachbarn oder gegebenenfalls die gesamte Klasse einen PCR-Test erhält. Die Corona-Situation an den Schulen in Hessen hält sich aktuell noch in Grenzen, so berichtet beispielsweise Frankfurt von geringen Infektionszahlen nach den Herbstferien.

Ähnliche Regeln wie an den Schulen gelten bei gemeinsamen Haushalten. Hier wird zwar nicht zwangsweise sofort der gesamte Haushalt mit einem PCR-Test versorgt. Sollte jedoch beispielsweise der Vater einen Pflegeberuf ausüben, oder ein Haushaltsangehöriger auf anderem Wege mit besonders gefährdeten Personen in regelmäßigen Kontakt kommen, so kann ein PCR-Test für diese Person angezeigt sein.

Corona in Hessen: PCR-Tests sind teuer, aber teilweise notwendig

Die Testzentren haben also einen gewissen Ermessensspielraum, um zu entscheiden, welche Vorgehensweise im Einzelfall sinnvoll ist. Einerseits müssen sie dabei dafür sorgen, dass es nicht zu einer Kostenexplosion kommt. Die PCR-Tests sind etwa viermal so teuer, wie die Antigen-Schnelltests. Andererseits müssen sie im Einzelfall bedenken, wie schnell sich das Virus über einen Infizierten verbreiten kann und mit welchen Personengruppen dieser in Kontakt steht.

Spahn kündigte in der Pressekonferenz vom Vormittag ab sofort wieder wöchentliche Corona-Pressekonferenzen an: „Die Situation ist ernst“, betont er. In einigen Regionen in Deutschland, vor allem in Sachsen, Thüringen und Bayern seien die Intensivstationen von Kliniken am Limit, sodass Notfälle wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle möglicherweise nicht mehr angemessen behandelt werden könnten. Auch in Hessen bereiten sich Krankenhäuser bereits auf Verschiebungen von Operationen vor. (na) *fnp.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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