Wissenschaft

Coronavirus: Die Gefahr der Ansteckung ohne Symptome

Auch ohne Symptome können sich Menschen mit Corona infizieren. Eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

  • Bei den meisten Corona-Fällen treten Symptome bei den Infizierten auf.
  • Es gibt aber auch Infektionen mit dem Coronavirus ohne oder mit erst späteren Krankheitsanzeichen.
  • Die Gefahr einer Ansteckung anderer Menschen darf dabei nicht unterschätzt werden.

Frankfurt – Fieber, Kopfschmerzen, starker Husten und Halskratzen. Die Corona-Symptome sind vielfältig. Nur durch einen Test ist es möglich herauszufinden, ob ein Mensch sich wirklich mit dem Coronavirus* infiziert hat. „Covid ist wie ein Chamäleon, es hat keine beweisenden Symptome, deshalb brauchen wir den Test“, sagt Prof. Dr. Martin Scherer, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, dem ZDF. Es gibt allerdings auch Corona-Fälle, bei denen keine Symptome auftreten oder diese erst später auftauchen. Ansteckend sind Leute mit solchen Krankheitsverläufen aber trotzdem. Doch welche Gefahren entstehen dadurch?

Auch Corona-Infizierte, die keine Symptome bemerken, können andere Menschen anstecken. Ausreichender Schutz, zum Beispiel mit einer Maske, ist deshalb wichtig. (Symbolbild)

Das Robert Koch-Institut unterscheidet mit Blick auf die übermittelten Daten zu Corona-Infektionen zwischen drei relevanten Personengruppen. Jemand mit symptomatischem Krankheitsverlauf leidet nach der Ansteckung an den typischen Anzeichen für Corona wie Fieber, Geschmacksverlust und Husten*. Die Symptome können unterschiedlich stark auftreten. Laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland überträgt diese Gruppe das Virus am häufigsten auf weitere Personen. Damit stellen die Corona-Erkrankten mit Symptomen die größte Gefahr für die Verbreitung des Virus dar.

Corona: Menschen mit präsymptomatischem Verlauf gefährlich

Die Krankheit nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus kann – und das ist die zweite Personengruppe – auch präsymptomatisch ablaufen. In den ersten Tagen nach der Infektion zeigt diese Personengruppe keinerlei Symptome. Erst nach einigen Tagen leiden die Menschen an Husten, Atemnot oder Fieber. Menschen mit einem solchen Krankheitsverlauf stellen schon vor dem Auftreten der Corona-Anzeichen eine Gefahr dar. Denn die Ansteckungsfähigkeit ist direkt vor und beim Symptom-Beginn am höchsten, wie das ZDF berichtet.

Mögliche Symptome nach einer Corona-Infektion(Quelle: Weltgesundheitsorganisation)
Häufige Symptome:Fieber, Trockener Husten, Müdigkeit
Seltenere Symptome:Gliederschmerzen, Halsschmerzen, Kopfschmerzen
Durchfall, Verlust Geruchs- und Geschmackssinn
Bindehautentzündung, Hautausschlag, Nägel-Verfärbung
Symptome bei schweren Krankheitsverläufen:Atembeschwerden oder Kurzatmigkeit
Schmerzen oder Druckgefühl im Brustbereich
Verlust der Sprach- und Bewegungsfähigkeit

Corona-Pandemie: Symptom-Beginn wird nicht gut genug definiert

Laut den Angaben des Robert Koch-Instituts steckt sich „ein relevanter Anteil von Personen“ bei infektiösen Menschen innerhalb von ein bis zwei Tagen vor deren Symptom-Beginn an. Wie groß dieser Anteil jedoch genau ist, kann aktuell noch nicht ausgemacht werden, da in vielen der Studien „der Symptom-Beginn nicht oder nicht gut definiert wurde“.

Bei rund 20 Prozent alle Corona-Fälle, der dritten Personengruppe, verläuft die Krankheit ohne Symptome. Das geht aus einer Studie der Universität Bern hervor. Die Wissenschaft ist sich aber derzeit noch uneinig, ob diese Zahl wirklich stimmt. Es könnte noch mehr Menschen geben, die sich mit Corona infiziert haben und keine Anzeichen bemerken. „Die Studie war nur begrenzt in der Lage, die Auswirkungen falsch negativer Testergebnisse zu ermitteln, wodurch der Anteil der asymptomatischen Infektionen unterschätzt werden könnte“, heißt es in einer Mitteilung auf der Homepage der Schweizer Universität. Unterschätzen sollte man asymptomatische Corona-Fälle keinesfalls, denn die Gefahr einer Ansteckung ist trotzdem gegeben.

Prof. Dr. Martin Scherer ist ebenfalls bewusst, dass die Forschung bei asymptomatischen Corona-Infektionen erst am Anfang steht. „Wir müssen die Dunkelziffer ausleuchten, brauchen aber eine Toleranz von Unsicherheit, denn die Wissenschaft kann noch nicht alles erklären“, sagte er dem ZDF.

Fest steht, dass auch Menschen, die mit Corona infiziert sind, aber keine Symptome haben, andere Leute anstecken können. Deshalb sollten Betroffene sich unbedingt in Quarantäne begeben und jegliche Kontakte zu anderen Menschen vermeiden. Allerdings wird aktuell davon ausgegangen, dass Fälle ohne Symptome bei der Übertragung des Virus eher eine untergeordnete Rolle spielen. Das ist im „Sars-CoV-2 Steckbrief“ des Robert Koch-Instituts zu lesen.

Kontaktverfolgung bei asymptomatischen Corona-Fällen schwieriger

Trotz der untergeordneten Rolle von symptomfreien Corona-Fällen dürfen diese nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Die Kontaktverfolgung bei verborgenen Krankheitsfällen ist nämlich schwieriger. Auch die Einschätzung einer Ansteckungsgefahr für Risikogruppen wird erschwert. Deshalb weisen die Berner Studienautoren darauf hin, dass genaue Schätzungen der tatsächlichen asymptomatischen und präsymptomatischen Infektionen entscheidend für die Entwicklung von Strategien zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung seien, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet.

Wer sich und seine Mitmenschen vor dem Coronavirus schützen möchte, sollte sich an die bekannten Corona-Maßnahmen der Bundesregierung halten. Denn klar ist: Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im öffentlichen Raum, das regelmäßige Waschen und Desinfizieren der Hände sowie die Einhaltungen der Abstandsregeln können dazu beitragen, die Virusübertagung zu verhindern. (Tobias Ketter) *fnp.de und fr.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Martin Schutt/dpa

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