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Der Dalai Lama diskutierte in Darmstadt über die gewaltfreie Lösung von Konflikten in der Welt.

Diskussion

Dalai Lama lobt die EU als Modell für die Welt

Gleich drei Friedensnobelpreisträger sprechen in Darmstadt über Gewaltlosigkeit. Das Trio verlangt Entschlossenheit und Zusammenarbeit, um die Kriege und Krisen der Welt zu überwinden.

Der Dalai Lama hat sich in Darmstadt für eine stärkere internationale Zusammenarbeit ausgesprochen.

Nach Vorbild der EU könnten Länder etwa in Südamerika oder Afrika eng kooperieren und dadurch ein friedvolles Miteinander fördern, sagte das geistige Oberhaupt der Tibeter am Mittwoch. Gemeinsam mit den Friedensnobelpreisträgern Lech Walesa und Rebecca Johnson von der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) sowie anderen Gästen diskutierte der Dalai Lama über Gewaltfreiheit.

Für viele Zuschauer war es ein besonderer Moment, als das geistige Oberhaupt der Tibeter und Lech Walesa gemeinsam die Bühne des Darmstadtiums betraten. Viele erhoben sich in dem Darmstädter Kongresszentrum und applaudierten. „Was für ein schönes Symbol“, sagte eine junge Frau am Mittwochmorgen.

Der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) erinnerte in seinem Grußwort an die vielen Besuche, die der Dalai Lama bereits Hessen abgestattet hatte. „Die Lage der Menschen in Tibet war und ist dieser Landesregierung stets ein wichtiges Anliegen und daran halten wir auch engagiert fest“, fügte der Minister hinzu.

Der Dalai Lama sagte, nur gemeinsam seien die Probleme auf der Welt zu lösen. Mit Blick auf die staatliche Zusammenarbeit bescheinigte er der Europäischen Union (EU) Vorbildcharakter. Dass frühere Todfeinde wie etwa Deutschland und Frankreich heute in Frieden lebten, sei das Ergebnis eines Umdenkens nach den blutigen Kriegen des vergangenen Jahrhunderts. „In vielen Jahrhunderten der menschlichen Geschichte hat es immer wieder Gewalt gegeben. Was ist dabei an positiven Resultaten herausgekommen?“, fragte der 83 Jahre alte Dalai Lama und blickte in den Zuschauerraum, in dem etwa 1300 Menschen saßen. Gewalt führe zu

Hass und Abneigung

, sagte der Friedensnobelpreisträger. China kritisiert den Dalai Lama als Separatistenführer, weil er wiederholt mehr Autonomie für das zur Volksrepublik gehörende Tibet gefordert hat.

Als Beispiel für den Erfolg der Gewaltfreiheit nannte der Dalai Lama auch den friedlichen Widerstand, den Lech Walesa in Polen gegen die kommunistischen Machthaber in den 80er Jahren organisiert und angeführt hatte. Der 74 Jahre alte Walesa sagte, damals habe sich niemand das Ende des Kommunismus vorstellen können. Die Mauer sei schneller gefallen, als von vielen Politikern erwartet wurde. Die friedliche Revolution in Ostdeutschland habe sie ins Wanken gebracht. Aus diesem Grund dürfe man auch hoffen, dass am Ende die Tibeter durch den gewaltlosen Kampf ihre Autonomie von China erlangen können.

„Daher appelliere ich an China für eine friedliche Lösung“, sagte Walesa. Mit Blick auf die Kriege und Krisen der Gegenwart müsse der Mensch neue Ideen entwickeln. Fraglich sei, wie die künftige Ordnung in den Gesellschaften aussehen könne. Kommunismus könne nicht die Zukunft sein. Ein Kapitalismus mit den massiven Ungleichheiten der Gegenwart biete indes auch keine Zukunft.

„Gewaltlosigkeit ist der Motor der Veränderung“, sagte Rebecca Johnson von der Organisation ICAN, die ein

Verbot von Nuklearwaffen

anstrebt. Sie erinnerte an den zivilen Widerstand gegen Atomwaffen. In ganz Europa seien in den 80er Jahren plötzlich Friedenscamps entstanden, die letztlich auf den Prinzipien der Gewaltlosigkeit beruht hätten.

Um künftig erfolgreich zu sein, mahnte die Britin eine noch stärkere Vernetzung und Solidarität der Aktivisten rund um den Globus an. Auch sei Entschlossenheit notwendig, um sich im gewaltfreien Kampf durchzusetzen. „Gewaltlosigkeit bedeutet nicht Passivität“, fügte die Friedensnobelpreisträgerin hinzu.

Auch Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) war in dem futuristisch anmutenden Kongresszentrum in Darmstadt zu Gast. Sie unterstützt die Tibeter in ihrem friedlichen Kampf um Autonomie gegen China schon seit Jahren.

Sie gab sich kämpferisch und kritisierte China und auch die Türkei wegen deren Menschenrechtspolitik. Ihnen stehe mit dem Dalai Lama und dem Konzept des gewaltfreien Kampfes ein Gegenmodell gegenüber, sagte sie. „Das ist ein riesengroßes Geschenk an uns alle in einer Welt, die voller Gewalt, voller Krisen und Kriege ist“, fügte sie hinzu.

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