+
Die hohe Transparenz des Benzinmarktes verstärkt den Wettbewerb an den Tankstellen.

Große Trockenheit

Darum ist Tanken gerade teuer

  • schließen

Manche mögen sich derzeit an den Zapfsäulen verwundert die Augen reiben. Denn die Kraftstoffpreise sind in den vergangenen Wochen extrem gestiegen. Schuld ist unter anderem der heiße und trockene Sommer.

An den Zapfsäulen wird die Lage ernst. Wer derzeit sein Auto betanken will, wird verwundert auf den Preis gucken. Durchschnittlich 1,54 Euro müssen Autofahrer derzeit für einen Liter Super E10 bezahlen, ein plus von 2,7 Cent verglichen zur Vorwoche. Für Diesel müssen Autofahrer soagr 4 Cent mehr zahlen. Der Liter kostet derzeit durchschnittlich 1,438 Euro. Insgesamt sind die Preise für Super E10 im Vergleich zum Vormonat um 4,7 Cent gestiegen, der Diesel sogar um 7 Cent. Doch woran liegt das?

"Es gibt mehrere Gründe, die die Spritpreise derzeit nach oben treiben", sagt Oliver Reidegeld vom ADAC Hessen-Thüringen. Besonder der Einfluss des Ölmarktes ist groß. Schon immer sorgt der Kurs für Bewegung an den Tankstellen, also dort, wo das raffinierte Öl als Benzin oder Diesel aus den Schläuchen fließt. Doch gerade prägen verschiedene Unsicherheiten den Markt.

"Das politische Verhältnis zwischen den USA und dem Iran wird immer schlechter, in Venezuela ist die Lage im Moment extrem angespannt", sagt Reidegeld. Venezuela gilt als Land mit den angeblich höschsten Ölreserven. Doch das Land macht gerade eine schwere Wirtschaftskrise durch, was für enorme Produktionsausfälle sorgt. "Das treibt den Rohölpreis in die Höhe", sagt Reidegeld. Derzeit kostet ein Fass Rohöl etwa 74 US-Dollar. Vor einem Jahr lag der Preis zeitweise unter 50 US-Dollar.

Hinzu kommt ein lokales Phänomen in Deutschland. "Aufgrund des heißen und trockenen Sommers führen die Flüsse nicht mehr genug Wasser. Da der Großteil des Kraftsoffs über das Wasser transportiert wird und die Schiffe aufgrund des niedrigen Pegels nicht mehr voll beladen werden können, kommt es in einigen Teilen Deutschlands zu Engpässen", sagt der Experte.

Die Bundesregierung hat deshalb vor etwa einer Woche seine Rohölreserven freigegeben. Das bedeutet, dass die Regierung aus ihren Ölreserven eine begrenzte Menge an Diesel, Benzin und Kerosin zur Verfügung stellt, damit der Wirtschaft keine Einschränkungen drohen.

Betroffen von den Engpässen ist vor allem der Südwesten Deutschlands, da der Pegel des Rheins keine volle Beladung der Containerschiffe zulässt. Deshalb dürften auch nur bestimmte Regionen auf die Vorräte der Bundesregierung zugreifen: So dürfen die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg die Vorräte anzapfen, ebenso die Regionen Köln und Unterfranken.

Prognosen, wie sich der Rohölpreis und damit auch der Benzinpreis in den kommenden Monaten entwickeln wird, sind schwierig. "Das hängt von ganz vielen unsicheren Faktoren ab. Regnet es in den kommenden Wochen und Monaten viel, käme es nicht mehr zu Engpässen aufgrund des Transports. Doch auch die Situation in Venezuela beispielsweise hat einen Einfluss", sagt Reidegeld. Dürfe man aber den Experten glauben, könnte sich der Rohölpreis wieder entspannen. Eine sichere Prognose will der ADAC-Experte aber nicht wagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare