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Der bislang größte Auftrag: Die Glasdecke ?Dome of Light? in der U-Bahnstation Formosa Boulevard in Kaohsiung, Taiwan.

150 Jahre Glasverarbeitung

Derix macht aus Glas Kunst

Die Derix Glasstudios stehen für die Verbindung von Glas und Kunst auf höchstem Niveau. Bekannte Werke des Taunussteiner Traditionshauses sind die Richter-Fenster des Kölner Doms und die Innenfassade der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Die einzige päpstliche Hofglasmalerei feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen.

Die Begeisterung für den besonderen Werkstoff, dem Ursula Rothfuss seit nun 33 Jahren ihr Arbeitsleben widmet, ist ihr auch heute noch anzumerken. Liebevoll, beinahe andächtig streicht sie mit ihren Fingern über die mundgeblasene Scheibe, die in den Derix-Glasstudios in Taunusstein verarbeitet und veredelt wird, und kann sich kaum sattsehen an den leuchtenden Farben. „Sie können mit Glas fast alles machen, ein toller Werkstoff. Er ist stabil und dazu auch nachhaltig“, erklärt die Prokuristin des Unternehmens und Nachfahrin in vierter Generation des Firmengründers Wilhelm Derix.

1866 als Glasmalerei-Werkstätten in Goch gegründet entwickelte sich die Firma schnell zu einem wachsenden Unternehmen und erwarb sich 1908 den Titel der Päpstlichen Hofglasmalerei. 1945 folgte die Eröffnung der Renovierungswerkstätten in der Dombauhütte des Kölner Doms. Später expandierte die Firma und wechselte 1974 zum jetzigen Standort im Rheingau. Die Familie unterhält zudem noch heute Glasmalerei-Werkstätten in Kevelaer und Düsseldorf-Kaiserswerth. Mit derzeit 70 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 4,5 Millionen Euro ist das Glasstudio in Taunusstein jedoch führend. Seit 2015 wird die Firma von Rainer Schmitt als neuem geschäftsführenden Gesellschafter geleitet. Am Wochenende feierte das Unternehmen das 150-jährige Bestehen mit einem Tag der offenen Tür.

Glas ist bereits seit dem 7. Jahrhundert vor Christus bekannt. Noch heute erfolgt die Verarbeitung so wie vor 1000 Jahren. Derix arbeitet mit bedeutenden Künstlern zusammen, etablierten Glaskünstlern, die schon seit vielen Jahren dem Werkstoff verbunden sind wie beispielsweise Johannes Schreiter. Aber auch mit bekannten Künstlern, die den Werkstoff immer mehr für sich entdecken, wie beispielsweise Gerhard Richter, dessen Kirchenfenster im Kölner Dom Derix ebenfalls realisierte. „Früher gab es mehr erzählende Fenster, heute ist das mehr ornamental“, sagt Ursula Rothfuss.

In Deutschland erhält Derix vorrangig Aufträge von der Kirche, in den USA überwiegen dagegen die profanen Auftraggeber. Zuletzt hatte das Taunussteiner Unternehmen seinen bislang größten Auftrag fertig gestellt: Die Glasdecke „Dome of Light“ in der U-Bahnstation Formosa Boulevard in Kaohsiung, Taiwan, hat einen Durchmesser von 30 Metern und umfasst 660 Quadratmeter. Die Konstruktion nach einem Entwurf von Narcissus Quagliata besteht aus 1252 Einzelfeldern und enthält viele Malereianteile. Dieser Auftrag beschäftigte Derix zweieinhalb Jahre. Kein Wunder, dass noch immer der Plan mit sämtlichen Einzelfeldern in den Werkstätten hängt, jedes der 1252 Felder mit einem grünen Fähnchen für den Abschluss der Arbeit versehen.

Präzision und Konzentration sind in den Werkstätten an jedem Arbeitsplatz spürbar. Sei es, wenn die Dichtpaste in den Zwischenraum von Glas und Bleiverglasung gedrückt werden muss oder wenn Farbverläufe im Ätzbad herausgearbeitet werden müssen. Bianca Bajohr reinigt die einzelnen Blumenornamente mit einem Schwamm, trägt Sicherheitshandschuhe und eine Schürze, es riecht nach Lösungsmitteln. „Das ist eine sehr kreative Arbeit“, sagt Bajohr, die nach einem Studium der Innenarchitektur 2004 bei Derix die Ausbildung zur Glasveredlerin absolviert hat. „Glas hat eine große Raumwirkung und besondere Atmosphäre“, begeistert sich die junge Mutter für ihren Werkstoff und fügt hinzu: „Es ist ein Gänsehautgefühl, wenn die Arbeit fertig ist.“

Diese Begeisterung für den Werkstoff Glas hat Derix zu einem der führenden Unternehmen in der künstlerischen Glasverarbeitung gemacht, immer wieder mussten die Mitarbeiter dabei die Grenzen ausloten und neue Wege gehen. Manchmal dauert es lange, bis die Glasstudios den Geschmack der Künstler treffen. So waren allein für die Fenster der Innenfassade der Europäischen Zentralbank in Frankfurt rund 200 Muster erforderlich, bis Frank Stepper vom Architekturbüro coophimmelb(l)au zufrieden war. Insgesamt 1200 Quadratmeter Glasfläche hat Derix thermisch verformt, besonders strukturiert und teilweise kalt gebogen. „Jede der rund 350 Scheiben ist anders“, erklärt Ursula Rothfuss und verdeutlicht damit auch die besondere Faszination, die für sie auch heute noch von dem Werkstoff ausgeht.

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