Deutsche Bank Zentrale in Frankfurt am Main
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Der Wolkenhimmel spiegelt sich in der Fassade der Zentrale der Deutschen Bank.

Deutsche Bank: „Weiterhin guter Geschäftsverlauf“

Der Jahresstart war noch besser als erwartet, nun legt die Deutsche Bank Zahlen für das zweite Quartal vor. Einige Belastungen muss Deutschlands größtes Geldhaus aber verarbeiten.

Frankfurt/Main - Bleibt die Deutsche Bank nach dem besten Jahresstart seit 2014 in der Erfolgsspur? Konzernchef Christian Sewing hatte im Mai von weiter gut laufenden Geschäften berichtet. Die Zahlen für das zweite Vierteljahr veröffentlicht der Frankfurter Dax-Konzern an diesem Mittwoch (28.7.).

Analysten rechnen für den Zeitraum April bis einschließlich Juni sowohl vor als auch nach Steuern mit schwarzen Zahlen. Von einem Vorsteuergewinn von knapp 800 Millionen Euro dürften nach ihrer Einschätzung etwas weniger als 500 Millionen Euro bei den Deutsche-Bank-Aktionären hängenbleiben. Im Gesamtjahr 2021 trauen die Experten Deutschlands größtem Geldhaus einen Milliardengewinn zu.

Nach fünf Verlustjahren in Folge hatte die Deutsche Bank ausgerechnet im Jahr der Corona-Krise 2020 die Trendwende geschafft und wieder einen Überschuss erzielt. Der im April 2018 auf den Chefposten beförderte Sewing hatte dem Institut einen grundlegenden Umbau verordnet inklusive des Abbaus Tausender Stellen.

Ein wichtiges Ziel dabei: Die Abhängigkeit vom schwankungsanfälligen Kapitalmarktgeschäft verringern, das in der Vergangenheit mit Skandalen und etlichen teuren Rechtsstreitigkeiten für Negativ-Schlagzeilen sorgte. Allerdings trug die Investmentbank dank sprudelnder Einnahmen aus dem Handel mit Anleihen und Währungen zuletzt den Löwenanteil zum Gewinn der Deutschen Bank bei.

„Unser Gewinn sei nur der Investmentbank zu verdanken, hieß es, und so sei die „alte Deutsche Bank“ wieder da“, gab Sewing bei der diesjährigen Hauptversammlung Kritiker wieder. „Diese Behauptungen teile ich in keiner Weise.“ Alle Geschäftsbereiche hätten sich positiv entwickelt, zudem habe der Vorstand „nie gesagt, dass wir uns aus dem Investmentbanking zurückziehen würden - wir haben uns dort lediglich auf unsere Stärken konzentriert“, betonte der Konzernchef. Aus dem weltweiten Aktienhandel zum Beispiel zog sich die Deutsche Bank ganz zurück.

Belastet wird das Ergebnis des zweiten Quartals vom jüngsten Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zu Bankgebühren. Finanzvorstand James von Moltke hatte im Juni gesagt, die Deutsche Bank rechne infolge des Urteils von Ende April mit Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe.

Die Karlsruher Richter hatten in einem Verfahren um die Deutsche-Bank-Tochter Postbank entschieden, dass Banken bei Änderungen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) die Zustimmung ihrer Kunden einholen müssen. Die Klausel, wonach Geldhäuser von einer stillschweigenden Zustimmung ausgehen können, wenn Kunden einer Änderung nicht binnen zwei Monaten widersprechen, benachteilige Kunden unangemessen (Az.: XI ZR 26/20). Viele Bankkunden können nun einen Teil zu viel gezahlter Gebühren zurückfordern.

Die Deutsche Bank will nach den Worten von Moltkes für mögliche Rückforderungen im zweiten Quartal voraussichtlich 100 Millionen Euro zurückstellen. Zudem geht der Vorstand demnach davon aus, dass die Erträge des Konzerns - also die gesamten Einnahmen - im zweiten und dritten Quartal 2021 um jeweils etwa 100 Millionen Euro niedriger ausfallen werden.

Mögliche weitere Rückschläge für die gesamte Branche könnten sich aus einer Zunahme der Firmenpleiten und damit einem Ausfall von Krediten infolge der Corona-Krise ergeben. „Wir werden sicherlich mehr Insolvenzen sehen, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass es zu keiner großen Welle kommt“, sagte Sewing jüngst in seiner neuen Funktion als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Der Staat habe mit Milliardenhilfen in der Pandemie schnell reagiert, die Banken hätten geholfen, ihre Kunden möglichst gut zu unterstützen. Sewing hat das BdB-Präsidentenamt zum 1. Juli übernommen.

Insgesamt sieht sich die Deutsche Bank nach jüngsten Aussagen auf bestem Weg zu einer Gewinnausschüttung für das laufende Jahr. Es sei „realistisch ..., dass wir nächstes Jahr wieder eine Dividende an unsere Aktionärinnen und Aktionäre ausschütten können“, hatte Sewing bei Hauptversammlung Ende Mai gesagt. dpa

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