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DHL-Bote wird für Rentnerin Helfer in der Not: „Er ist mein Retter“

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Von: Florian Hagemann

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Eine Melone als Dankeschön: Stefan Zarbock trifft an der Weserspitze auf Ruth Weiffenbach, der er vor Kurzem in der Not half.
Eine Melone als Dankeschön: Stefan Zarbock trifft an der Weserspitze auf Ruth Weiffenbach, der er vor Kurzem in der Not half. © Florian Hagemann

Für manche ist das, was der Paketbote Stefan Zarbock in Kassel getan hat, selbstverständlich. Für die 88-jährige Ruth Weiffenbach ist er ein Held.

Kassel – „Das ist mein Retter“, sagt Ruth Weiffenbach, als sie Stefan Zarbock sieht. Die 88-Jährige hätte ihn zwar nicht gleich wiedererkannt, aber durch die Umstände weiß sie, wer der Mann ist, der ihr jetzt gegenübersteht: Treffen im strömenden Regen an der Weserspitze in Kassel zwischen der Rentnerin aus dem Fasanenhof und ihrem Helfer in Not – dort, wo beide Anfang September schon einmal zusammengetroffen sind, zufällig.

Stefan Zarbock fuhr an diesem Tag mit seinem DHL-Transporter die Ihringshäuser Straße entlang Richtung Weserspitze. An der Kreuzung sieht er, wie Ruth Weiffenbach ein Missgeschick passiert: Weil das Netz im Innenteil gerissen ist, kullern aus ihrem Rollator zwei Melonen auf die viel befahrene Straße. „Eine gefährliche Situation, es herrschte ja viel Betrieb“, sagt Ruth Weiffenbach. Zarbock hält sofort an, schaltet die Warnblinkanlage ein, läuft auf die Straße, sammelt die Melonen auf.

DHL-Bote hilft in Kassel Rentnerin: „Mir war nicht bewusst, dass es so hilfsbereite Menschen gibt“

Er selbst bezeichnet die Aktion als Selbstverständlichkeit, für Ruth Weiffenbach ist sie weit mehr als das. „Mir war nicht bewusst, dass es so hilfsbereite Menschen gibt“, erzählt sie – und wiederholt das, was sie kürzlich der HNA geschrieben hat. Sie fand das Verhalten Zarbocks so bemerkenswert, dass sie sich kurz nach dem Vorfall an die Zeitung wandte. Sie wollte das nachholen, was sie in der Hektik damals vergessen hatte: sich bedanken bei dem Helfer in Not, von dem sie noch nicht einmal den Namen hatte. Nach der Veröffentlichung ihres Anliegens in der HNA meldete sich Stefan Zarbock, weil der 34-Jährige wiederum beeindruckt von den Anstrengungen der Rentnerin gewesen ist, ihren Helfer zu finden.

Beim Treffen an der Weserspitze bedanken sich beide also gegenseitig. Das Gespräch dient aber nicht nur dem Austausch von Nettigkeiten. Beide schildern noch einmal die Begleiterscheinungen der Hilfsaktion. Viele Autofahrer hätten gehupt, weil ihnen der DHL-Transporter plötzlich im Weg stand. „Die Leute sind vorbei, haben das Fenster runter gemacht und gefragt, was ich denn auf der Straße machen würde.“ Der Vellmarer, der sich nun selbstständig machen will, kennt das von seinem Nebenjob. Jeden Samstag fährt er Pakete aus. „Man stellt fest, dass die Menschen sehr undankbar sind. Man wird nicht gut behandelt.“

Kassel: Rentnerin schenkt DHL-Bote als Dankeschön eine Melone

Umso mehr freut er sich über die Anerkennung von Ruth Weiffenbach – zumal sie auch sein schlechtes Gewissen beruhigt. Mit 13, 14 Jahren hat er in Vellmar nämlich mal beobachtet, dass einem Mann eine Menge Aprikosen zu Boden gefallen sind. Damals schritt er nicht ein. Nun schon. Als Dankeschön hat ihm Ruth Weiffenbach eine Kleinigkeit mitgebracht: eine Melone. (Florian Hagemann)

Hilfsbereite Menschen gibt es auch im Internet. Dort erfuhr vor kurzem ein Rentner aus Alfeld in Niedersachsen großen Zuspruch, als der 71-Jährige nach einem Kaufland-Besuch seine Geldbörse vermisste. Auf seine Rente sei er angewiesen, klagte seine Stieftochter. Im Internet gab es daraufhin viel Unterstützung.

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