Offenbach

In diesem Museum kann man historische Computer ausprobieren

Computer aus den 70er Jahren, Arcade-Automaten und mehrere Generationen Spielekonsolen - auf knapp 200 Quadratmetern vollzieht das Museum Digital Retro Park die Evolution der Datenträger und Unterhaltungselektronik nach. Heue öffnet es in der Walter-Passage seine Pforten.

Länger als 40 Jahre ist es her, dass die Konsole Atari 2600 auf den Markt kam und beliebte Videospiele wie „Pong“ und „Space Invaders“ aus den Spielhallen ins heimische Wohnzimmer brachte. Das neue Museum hat es sich zur Aufgabe gemacht, historische Geräte wie dieses wieder interaktiv erfahrbar zu machen. Seine Macher nennen es das „Senckenberg der Computer“. „Hinter Kordeln und Glas gibt es die Geräte überall zu sehen“, sagt Mit-Gründer Falk Heinzelmann und lächelt. „Aber das ist wie ein Auto, das man nicht fahren kann – nur die Hälfte des Spaßes.“ Im Retro-Park dürfen die Besucher jeden Apparat benutzen, zeitgenössische Spiele ausprobieren und alte Programme erkunden.

Dieses Konzept spiegelt sich auch in den räumlichen Details wider. Plättchen an den Türen weisen darauf hin, dass die Ausstellungsräume nach den sechs Programmiererinnen des amerikanischen Großrechners „Eniac“ von 1946 benannt sind. „Großrechner haben damals noch ganze Räume ausgefüllt“, berichtet Heinzelmann. Auch im Digital Retro Park sind die Zimmer mit Computern gefüllt – aber natürlich mit mehreren kleinen. So verbirgt sich im Raum „Betty“ – benannt nach Frances Elizabeth Holberton – der Bereich mit den Spielekonsolen. Hier wartet nicht nur der berühmte „Super Mario“ des Herstellers Nintendo darauf, ausprobiert zu werden, sondern auch der amerikanische Spieleklassiker „Pitfall“, der für den Atari 2600 entwickelt wurde. „Erst nach dem großen Crash von 1983, dem wirtschaftlichen Zusammenbruch der Videospielindustrie in den USA, ist der ganze Konsolenmarkt aus Japan gekommen“, sagt Heinzelmann.

Eindrucksvoll ist auch die technische Evolution der Heimcomputer, die anhand der Ausstellungsobjekte nachvollzogen werden kann. „Der Personal Electronic Transactor – kurz „PET“ – fand trotz seines Namens eher in Firmen Anwendung“ sagt Heinzelmann und deutet auf einen Rechner mit trapezförmigem Monitor und eingebautem Kassettendeck. Heute ist dieser Umstand fast in Vergessenheit geraten, aber bis Mitte der 1970er Jahre fanden Kassetten auch als Datenträger für Computer Verwendung. Abgelöst wurden sie erst durch die sogenannte „Mini-Floppy-Disc“.

Für seine Macher ist das Museum ein Herzensprojekt. „Wir sind Sammler aus Leidenschaft“, so Heinzelmann. „Wir haben daheim die Keller voll mit Maschinen.“ 2009 sei unter den computerbegeisterten Hobby-Tüftlern des zu diesem Zweck gegründeten Digital Retro Park e.V. erstmals die Idee aufgekommen, den liebevoll gepflegten Privatbesitz öffentlich auszustellen. „Wir haben erst mal bei der Stadt Hanau vorgesprochen.“ An den nötigen Finanzmitteln für ein neues Museum mangelte es der Stadt jedoch. Heinzelmann und seine Mitstreiter machten sich selbst auf die Suche nach Geldern und geeigneten Räumlichkeiten. Mithilfe der Crowdfunding-Initiative „kulturMut“ der Frankfurter Aventis-Foundation gelang es, ein Startbudget von 25 000 Euro zu sammeln. Die geeigneten Räume fanden sie schließlich nach langer Suche in Offenbach. Mit dem Einzug in die Walter-Passage an der Frankfurter Straße hat der Digital Retro Park ein Zuhause gefunden. Ergänzend zu den Ausstellungsräumen soll es im Museum einen Café-Bereich geben, in dem auch Workshops, Vorträge und Kultur-Veranstaltungen stattfinden.

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