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Hier steuert ein Bauer die Futterzufuhr für seine Schweine mit dem Smartphone.

Breitbandversorgung

Digitale Löcher im Stall

Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt – ein Volkslied, dessen verklärter Blick auf das Leben von und mit der Natur eher Nostalgie ist. Technisierung ist schon lange kein Fremdwort mehr in der Branche. Und auch die Digitalisierung hat ihren Einzug gehalten. Doch die Landwirtschaft 4.0 kämpft mit Versorgungsmängeln, kritisiert der Deutsche Bauernverband.

Schaut man sich den Breitbandatlas Deutschland an, sieht es für Hessen eigentlich schon recht gut aus: In weiten Teilen liegt die Versorgung bei 95 bis 100 Prozent aller Haushalte wie beispielsweise im Speckgürtel von Gießen (allerdings mit Ausnahme von Pohlheim und Biebertal), in Bad Nauheim, Friedberg oder Bad Vilbel.

In weiteren Regionen erreicht die Versorgung laut Atlas immerhin zwischen 75 und 95 Prozent: in Wölfersheim, Hungen, Laubach, Grünberg, Mücke, Homberg/Ohm oder Schotten.

Doch für Landwirte liegt der Teufel im Detail. Denn langsames Internet und schlechtes Mobilfunknetz ist auf dem Land, abseits der Ballungsräume, noch immer Alltag. Eine neue repräsentative Umfrage des Deutschen Bauernverbandes zeigt: 77 Prozent der Landwirte sind mit ihrem Zugang zum Netz unzufrieden, zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Nicht zuletzt deshalb fordert der Verband: Um die Wettbewerbsfähigkeit der Bauern zu erhalten, seien flächendeckende Glasfaseranschlüsse und Mobilfunknetze zwingend notwendig.

Denn längst hat auch in der Landwirtschaft die Digitalisierung Einzug gehalten. Das reicht von

Melkroboter

n bis hin zur Automatisierung der Fütterung und des Klimas in den Ställen, erklärt Bernd Weber vom hessischen Bauernverband. Stichwort „Kuhkomfort“: Da geht es nicht nur um Liegeboxen und Duschen, sondern auch um das Wohlbefinden. Ein mit einem Sensor versehenes Halsband liefert dem Landwirt beispielsweise Daten zur Herzfrequenz per SMS aufs Handy.

Ähnliches gilt auch für Störungen der automatischen Melksteuerung. „Da kann man per Smartphone sogar direkt nachsteuern“, sagt Weber. „Aber das funktioniert nur, wenn das Netz ohne Funkloch und weiße Flecken ist.“

Und da liegt es für die Landwirte oft im Argen. Zwar sei die Versorgung der Gemeinden – siehe Breitbandatlas – vielerorts sehr gut. Doch dies gelte meist nur für die Innerortslagen. Dort aber befinden sich die wenigsten Höfe. Die sind nämlich eher außerhalb und manchmal weit ab vom Dorf zu finden. Und da mangelt es nach Ansicht des Verbands allzu oft an einem guten Netz. „Einzelhöfe müssen genauso angeschlossen werden wie Innerortslagen. Da ist die Politik gefordert, das sicherzustellen“, unterstreicht Weber.

Weber verweist auf einen weiteren Vorteil einer flächendeckenden Breitbandversorgung: Auf den Äckern können

GPS-gestützt

e Landmaschinen eingesetzt werden, die zentimetergenau arbeiten. Auch die Düngung oder das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln kann so mit sehr viel Präzision gesteuert werden.

Bernd Weber erklärt: „Der Mähdrescher fährt ins Feld und erntet Winterweizen. Und bei diesem Erntevorgang wird genau Quadratmeter für Quadratmeter erfasst. Dementsprechend gibt es Informationen für den Düngerstreuer, wenn im nächsten Frühjahr gedüngt wird. Hier etwas mehr, da etwas weniger – je nachdem wie die Nährstoffversorgung des Bodens aussieht.“ Das sei umwelt- und ressourcenschonender. Die Vernetzung der Daten von Maschine zu Maschine und ihr Austausch erfolge aber nicht über Kabel, sondern über Mobilfunknetze.

Auch bei Antragstellungen, die meist online erfolgten, oder beim Herunterladen großer Datenmengen – zum Beispiel bei Gebrauchsanleitungen von Maschinen – sei schnelles Internet unumgänglich, sagt der Verbandssprecher. Hinzu komme, dass viele Höfe auch als Direktvermarkter agierten. Da führt kaum ein Weg an einer gut gepflegten Homepage vorbei, „damit man mich und meine Produkte auch sehen kann“. Dafür gebe es auch eine spezielle App (frimeo), mit der Kunden die Direktvermarkter in der eigenen Region finden können. Lebensmittel online zu vermarkten, sei ja mittlerweile ein großes Thema, meint Weber.

Das alles bedeute für die Landwirtschaft: Sie benötigt zwingend eine flächendeckende Versorgung, auch der Einzelhöfe abseits der Innerortslagen. Die Dienstleister wie die Telekom sähen das aber eher unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, also, ob sich das für sie rechne.

Daher sieht der Verband die Allgemeinheit gefordert: „Der Staat muss ein Interesse daran haben, dass überall gleiche Lebensverhältnisse herrschen. Breitbandversorgung muss denselben Stellenwert haben wie die Versorgung mit Strom und Wasser. Abgehängt zu werden, kann man sich in Zeiten der Globalisierung nicht leisten“, stellt Weber klar.

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