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documenta-Aufsichtsrat zu Antisemitismus-Vorwürfen

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Angela Dorn
Angela Dorn, Kunstministerin von Hessen, spricht auf einer Videokonferenz. © Andreas Arnold/dpa/Archiv

Der Aufsichtsrat der documenta wird sich mit den Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Weltkunstschau auseinandersetzen. „Wichtig ist jetzt, dass wir uns auch im Aufsichtsrat der documenta rasch mit diesem Thema befassen, und ich bin zuversichtlich, dass wir hier zu guten Beschlüssen kommen werden“, teilte Hessens Kunstministerin Angela Dorn auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Montag mit.

Kassel/Berlin - Zuvor hatte es auf Anregung von Kulturstaatsministerin Claudia Roth Beratungen mit den Trägern der documenta, dem Bundesland Hessen und der Stadt Kassel gegeben.

Ein Bündnis hatte dem kuratierenden indonesischen Künstlerkollektiv Ruangrupa vorgeworfen, dass auf der kommenden documenta auch Organisationen eingebunden seien, die den kulturellen Boykott Israels unterstützten oder antisemitisch seien. Unter anderem richtet sich der Vorwurf gegen eine palästinensische Gruppe, die sich für den Boykott Israels im kulturellen Leben ausgesprochen haben soll. Ein Journalist griff die Vorwürfe auf. Mehrere Experten beschrieben diese Kritik daraufhin als übertrieben oder unbegründet.

Die documenta gilt als die weltweit wichtigste Schau für zeitgenössische Kunst. Die 15. Ausgabe (documenta fifteen) findet vom 18. Juni bis 25. September 2022 statt.

Ministerin Dorn, die auch stellvertretende Vorsitzende des documenta-Aufsichtsrates ist, teilte mit, die Runde am Montag habe noch einmal gezeigt, dass alle an einem Strang zögen und sich ihrer Verantwortung bewusst seien. „Für uns gilt gemeinsam, dass die Kunstfreiheit ein hohes Gut ist und ein zentraler Bestandteil unserer demokratischen Gesellschaft. Das gilt auch und gerade dann, wenn sie den politischen Diskurs berührt.“ Gleichzeitig werde die Aufgabe naturgemäß komplexer.

Nach dpa-Informationen soll es eine Sondersitzung des Gremiums bis zum Wochenende geben, um sich mit dem Thema zu befassen. Ziel ist es demnach, nicht in den Freiraum der Kunst einzugreifen. Gleichzeitig soll während der documenta eine als notwendig bezeichnete erinnerungspolitische Diskussion geführt werden. Dafür ist auch an Unterstützung von außen - etwa durch bei dem Thema international erfahrene Persönlichkeiten - gedacht.

Man habe vereinbart, im Gespräch bleiben zu wollen, teilte auch die Stadt Kassel mit. Oberbürgermeister Christian Geselle, der Aufsichtsratsvorsitzende der documenta gGmbH, hatte die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Ruangrupa bereits am Sonntag zurückgewiesen. Geselle betonte, Ruangrupa habe sich deutlich gegen Antisemitismus, Rassismus, Rechtsextremismus, gewaltbereiten religiösen Fundamentalismus sowie jede Art von Diskriminierung positioniert.

Die documenta gGmbH hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe mitgeteilt, man unterstütze in keiner Weise Antisemitismus. Die documenta fifteen vertrete die Forderung der Freiheit von Kunst und Wissenschaft und unterstütze das Anliegen, Antisemitismus, Rassismus, Rechtsextremismus, gewaltbereitem religiösem Fundamentalismus sowie jeder Art von Diskriminierung entschieden entgegenzutreten. „Die documenta fifteen wird sich intensiv mit der Kritik auseinandersetzen“, kündigte sie an. dpa

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