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Der Hauptangeklagte Daniel S. im Prozess um die Schüsse auf eine Flüchtlingsunterkunft in Dreieich geht am 03.02.2017 zu Verhandlungsbeginn in den Sitzungssaal 3 des Landgerichts in Darmstadt (Hessen) zu seinem Verteidiger Axel Kollmann. Mehr als ein Jahr nach den Schüssen begann der Prozess gegen drei Männer. Zwei Männern wird versuchter Mord vorgeworfen und einem Mann Beihilfe dazu. Damals war ein Flüchtling im Schlaf leicht verletzt worden. (Der Angeklagte wurde zum Schutz der Persönlichkeitsrechte auf Anweisung des Verteidigers unkenntlich gemacht.) Foto: Susann Prautsch/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Flüchtlingsunterkunft aus Versehen beschossen?

Drei Männer vor Gericht: "Dümmer geht's nicht"

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In der Nacht des 4. Januar 2016 fielen vor dem Asylbewerberheim in Dreieich sechs Schüsse. Seit Freitag stehen der Schütze und seine beiden Komplizen wegen versuchten Mordes vor dem Schwurgericht in Darmstadt. Zu Beginn gab es ein Geständnis.

Ein 28-Jähriger sah 2016 in Dreieich rot, weil seine Freundin mit einem anderen Mann knutschend und händchenhaltend gesehen wurde. Mit zwei Freunden zusammen wollte er dem Nebenbuhler einen Denkzettel verpassen. Er feuerte mit einer Pistole sechs Schüsse durch ein Fenster ins Asylbewerberheim in Dreieich. Am Freitag begann der Prozess gegen das Trio. Zwei Angeklagten wird versuchter Mord, dem dritten die Beihilfe dazu vorgeworfen

Die drei Männer räumten vor dem Landgericht Darmstadt zu Beginn die Tat ein. „Es war uns nicht bewusst, dass es ein Flüchtlingsheim ist“, sagte einer der Angeklagten zum Auftakt des Prozesses am Freitag. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es keine fremdenfeindlichen Motive gab. Einen solchen Hintergrund wiesen die Männer von sich.

„Die ganze Veranstaltung war dumm, dümmer geht’s nicht“, befand Schwurgerichtsvorsitzender Volker Wagner zur Eröffnung des Prozesses. Das Opfer des Anschlags, ein schlafender syrischer Asylbewerber, erlitt leichte Verletzungen am rechten Knie und linken Oberschenkel. Als Zeuge sagte der angehende Mathematiker, er habe so etwas selbst in Syrien nicht erlebt.

Der Mann, der fast fließend Deutsch spricht („Das brauche ich, um weiter studieren zu können“), lebt für die Dauer seiner Sprachausbildung noch immer in dem Heim in Dreieich. Er lehnte es ab, vom Täter eine finanzielle Entschädigung anzunehmen. Denn damit seien die Schüsse nicht aus der Welt zu schaffen, sagte er.

Obwohl die drei 28 und 27 Jahre alten aus Dreieich und Langen stammenden Männer umfassende Aussagen machten, fiel es zunächst schwer, Licht in die Hintergründe der Tat zu bringen. Erst die Ermittlungen gegen den 28-jährigen Mittäter aus Langen führten auf die Spur der Schüsse. Denn in der Wohnung eines Dealers in Langen waren Patronen für die Schusswaffe, eine halbautomatische russische Makarow, gefunden worden. Dann waren auch schnell dessen Freunde in Verdacht geraten, an der Tat beteiligt gewesen zu sein.

Der Schütze berichtet, sie hätten sich in einem geliehenen Dacia-SUV am Tatabend, unter dem Einfluss von Bier, Marihuana Amphetaminen und Ecstasy auf den Weg gemacht, um dem Liebhaber einen ordentlichen Denkzettel zu verpassen. Sie wollten ihn erschrecken, aber auf keinen Fall töten. Der eine 28-jährige Haupttäter sei um das Haus herumgegangen und habe die Schüsse abgegeben. Der andere habe die Waffe besorgt, das Auto gefahren und mit dem Täter während der Tat telefoniert.

Doch schon schnell nach den Schüssen war dem Trio klar, dass in dieser Nacht alles schief gelaufen war, was nur schief gehen konnte. Denn der Geliebte der inzwischen mit dem Schützen verlobten 30-Jährigen wohnte überhaupt nicht in dem ins Visier genommenen Haus. Der Fahrer des Autos hatte die als Ziel vorgesehene Straße falsch eingegeben und so waren sie am Flüchtlingsheim gelandet.

Alles das sei nur ein dummer Zufall, behaupteten die Angeklagten. Oberstaatsanwalt Knut Happel hat daran so seine Bedenken. „Die zielgerichteten Vorbereitungen auf die Tat sprechen gegen einen Denkzettel mit verwechselter Adresse“, sagte er. „Auch wenn sie die Tat bereuen,“ sagte er, „bleibt es beim angeklagten versuchten Mord.“

Der Verteidiger des Schützen, Rechtsanwalt Axel Kollbach, widersprach der Vermutung vehement, es habe sich um einen rechts geprägten, rassistisch motivierten Anschlag gehandelt. „Dann hätte ich die Verteidigung nicht übernommen“, sagte er.

Die Tatwaffe stammt aus dem Besitz eines 28-jährigen tatbeteiligten Drogenhändlers in Langen. Bei einer Haussuchung bei ihm waren außer 900 Gramm Marihuana Patronen für die halbautomatische Makarow sichergestellt worden. Die Spuren führten zu dem gleichaltrigen gehörnten Liebhaber und dessen ein Jahr jüngerem Helfer. Für den Prozess sind noch mindestens sieben weitere Verhandlungstage vorgesehen.

Die Schüsse auf die Flüchtlingsunterkunft im Dreieicher Stadtteil Dreieichenhain hatten vor einem Jahr bundesweit für Entsetzen gesorgt. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) schrieb auf Twitter, man dürfe nicht zusehen, wie sich die Spirale der Gewalt weiterdrehe. Der Rechtsstaat dürfe und werde eine solche Tat nicht hinnehmen. Noch am Tatabend versammelten sich rund 250 Menschen an der Flüchtlingsunterkunft zu einer Mahnwache. Wenige Tage danach protestierten in Dreieich rund 700 Menschen gegen Fremdenfeindlichkeit

In dem Verfahren sind noch weitere sieben Verhandlungstage bis Ende März vorgesehen.

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