Blick ins Mittelschiff der Basilika von Kloster Eberbach: Von hier aus soll ?DSDS? gesendet werden.
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Blick ins Mittelschiff der Basilika von Kloster Eberbach: Von hier aus soll ?DSDS? gesendet werden.

Kritik an Live-Sendung

DSDS im Kloster Eberbach: Die Show kann beginnen

  • Olaf Kern
    vonOlaf Kern
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Bohlen in der Basilika, „DSDS“ im Kloster: Vielen ging das zu weit. Was ist seitdem geschehen? RTL und Klostervorstand ziehen die Sache durch. Die Vorbereitungen laufen.

„Das Kloster Eberbach bleibt das Kloster Eberbach“, beteuert die Geschäftsführung der ehemaligen Zisterzienserabtei bei Eltville. Die Aufregung um die Live-Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ („DSDS“), die am 20. April hier über die Bühne gehen soll, hat sich mittlerweile gelegt. Trotzdem sah sich der Stiftungsvorstand gestern dazu veranlasst, eine neue Pressemitteilung herauszugeben, in der es heißt: „Die Vorbereitungen für die Fernsehshowsendung in der Basilika laufen reibungslos.“ Noch eine Beruhigungspille für die Kritiker? Immerhin hatte es zahlreiche gegeben. Allen voran der Vorsitzende des Freundeskreises des Klosters, Wolfgang Riedel.

Gemeinsam mit der Produktionsfirma würden derzeit die technischen Voraussetzungen geschaffen, um eine solche Fernsehshow zu stemmen und optimal über die Bühne bringen zu können, heißt es weiter in der Mitteilung.

Will heißen, dass die Kreisverwaltung in Bad Schwalbach als zuständige Aufsichtsbehörde mit der Produktionsfirma „UFA Show und Factual“ aus Potsdam derzeit noch die Pläne für Aufbau und Bestuhlung zur Genehmigung durchgeht. Wie die Bühne aussehen wird, wo die 700 Zuschauer in der Basilika genau sitzen werden, darüber haben Klostergeschäftsführung und die TV-Firma Stillschweigen vereinbart.

Man werde mit „Sensibilität“ und „Umsicht“ an die Sache herangehen, ist zu lesen. Man habe verinnerlicht, dass diese Sendung an einem besonderen Ort stattfinde. Dazu beigetragen haben in den vergangenen Wochen auch die kritischen Stimmen, die es in der Region gegeben habe, so die Klostergeschäftsführung.

„DSDS“ gehe verächtlich mit Menschen um und sei von „billigem Glanz“ und Oberflächlichkeiten geprägt, ließen die örtlichen Grünen nach Bekanntwerden, dass Bohlen mit Jury und seinen Gesangstalenten nach Eltville kommen, auf der Homepage verlauten. Der Rheingauer Kunstverein fürchtete, dass jugendliche Fans in der Kirche randalieren könnten. Wolfgang Riedel vom Freundeskreis der 900 Jahre alten Klosteranlage erinnerte damals an die kulturhistorische Verpflichtung: „Nicht alles muss sein.“

Dem wollte Riedel gestern nichts mehr hinzufügen. Die Argumente zwischen Freundeskreis und Geschäftsführung wurden in einem Gespräch ausgetauscht. Riedel blieb bei seiner Kritik. Das Kloster bei seiner Entscheidung. Also trennte man sich wieder. „Weiteren Einfluss hatten wir ohnehin nicht“, sagt Riedel. Und will sich nun erst mal aus der Angelegenheit heraushalten.

Auch ein Fernsehinterview will er nicht geben. RTL hatte gestern bei ihm angefragt. „Brüsk“ habe er dies zurückgewiesen. In der Presseabteilung der Sendung „DSDS“ will man von den kritischen Stimmen indes in den vergangenen Wochen nichts wahrgenommen haben. Eine Sprecherin verwies dagegen auf eine alte allgemeine Pressemitteilung. Die Geschäftsführung des Klosters sieht sich jedenfalls bestätigt, in das Vorhaben eingewilligt zu haben. Das Ziel der Stiftung, mit der Austragung der Sendung das bundesweite Interesse am Kloster zu steigern, sei bereits jetzt erreicht. Die Buchungen für Führungen und Tagungen hätten im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent zugenommen, die Zahl der Klicks auf der Internetseite um 36 Prozent. In ganz Deutschland wurde berichtet. „Eine solche Werbung hätten wir nie finanzieren können.“

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