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Martin Roweck-Emmel vom Freiwilligen Polizeidienst in Frankfurt schreibt auf der Berger Straße in Bornheim einen Falschparker auf.

Rechtslage

Was dürfen freiwillige Polizisten in Hessen?

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Was der Freiwillige Polizeidienst in Frankfurt und Hessen tut, und was er darf oder nicht.

Der 57-jährige Martin Roweck-Emmel ist im Hauptberuf Angestellter der Frankfurter Stadtverwaltung, der 47 Jahre alte Heiko Böttcher arbeitet in der Videoüberwachungsanlage der Verkehrsgesellschaft VGF. Doch seit nunmehr elf Jahren haben beide einen Nebenjob: Für bis zu 20 Stunden im Monat ziehen sie eine Uniform an, die sich nur in der Aufschrift auf Jacken und Mützen von denen regulärer Polizeibeamter unterscheidet: „Freiwilliger Polizeidienst“ steht darauf. 34 Männer und 13 Frauen im Alter zwischen 21 und 69 Jahren gehören ihm derzeit in Frankfurt an. In ganz Hessen sind es 400.

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Einsatz freiwilliger Polizisten hauptsächlich auf Wochenmärkten und in Parks

Ramona Börger koordiniert im Frankfurter Polizeipräsidium den Freiwilligen Dienst, dessen Teilnehmer auf sechs Polizeireviere außerhalb der Innenstadt verteilt sind. Vor Aufnahme ihrer Tätigkeit müssen sie 50 Stunden Schulung absolvieren. Die Palette ihrer Berufe reicht von Student über Ingenieur bis Rentner. Als Haupteinsatzgebiete nennt sie Wochenmärkte, Parkanlagen, Friedhöfe und Fußgängerzonen. Aber auch bei der großen Häuserräumung nach dem Fund einer Weltkriegsbombe 2017 waren sie beteiligt, und auf dem Weihnachtsmarkt laufen sie regelmäßig Streife. Die an sich ehrenamtlichen Helfer erhalten eine Aufwandsentschädigung von 7,00 Euro pro Stunde.

Roweck-Emmel und Böttcher sind dem Polizeirevier in Frankfurt-Bornheim zugeordnet. Auf Streife gibt es viel mehr Hinweise von Bürgern auf Missstände als Beschwerden über ihren Einsatz. Jedenfalls flößen sie den Bürgern durchaus Respekt ein. „Wenn sie uns sehen, steigen sie schnell vom Rad ab“, schildern sie die Wirkung etwa bei Kontrollen im Günthersburgpark.  Und beim Wochenmarkt auf der Berger Straße gehen sie gegen wild parkende und Zufahrten versperrende Autohalter vor. „Gut, dass es Euch gibt“, hören sie oft, vor allem von älteren Menschen. Bürger und Geschäftsinhaber suchen das Gespräch mit den Helfern über Sicherheitsbelange. Jan Gans vom Bornheimer Polizeirevier lobt sie als „unsere Ohren und Augen im Alltag der Bürger“. Der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill sieht den Freiwilligen Dienst als „Bindeglied zwischen Bevölkerung und der Polizei“ und bescheinigt ihnen einen Einsatz „mit viel Herz und Engagement“.

Viele unbesetzte Stellen, engagierte Bürger für freiwilligen Polizeidienst gesucht

Die Aufgaben konzentrieren sich auf das Zeigen von Präsenz, Beobachten und Melden von Wahrnehmungen sowie vorbeugende Gespräche mit Bürgern. Zum Streitschlichten und bei Straftaten sollen sie lieber ihre hauptberuflichen Kollegen herbeirufen. Strafzettel bei Falschparken ausstellen, Platzverweise erteilen oder Gegenstände sicherstellen dürfen sie aber schon. Bei der Auswahl der Bewerber wird laut Börger auf Fähigkeit wie Kommunikation und Deeskalation besonderer Wert gelegt. Dass von den 90 möglichen Plätzen in Frankfurt nur 47 besetzt sind, hänge damit zusammen, dass nur geeignete Persönlichkeiten genommen werden.

Positiv sieht auch die Stadt Frankfurt den Einsatz des Freiwilligen Polizeidiensts, den sie voll finanziert. „Alles, was zur Hebung des objektiven oder subjektiven Sicherheitsgefühls der Bürger beiträgt, ist zu begrüßen“, sagt Ordnungsamtsleiter Jörg Bannach. Besonders freut er sich über die Mithilfe bei der Räumung des Friedberger Platzes im Nordend von freitags abends nach einem Markt zu lange Feiernden und die Anwohner störenden Personen. Diese fordern die Helfer höflich, aber bestimmt zum Gehen auf.

In Hessen ist der 2000 eingerichtete Freiwillige Polizeidienst laut Innenministerium in 90 von 423 Kommunen tätig – von Frankfurt und Offenbach bis Viernheim und Lampertheim in Südhessen oder Fritzlar und Gudensberg im Norden. Es seien eher „engagierte Bürger“ als klassische Polizeibeamte, heißt es. Ihr Einsatz laufe unter dem Motto „Präsenz zeigen – beobachten – melden“. Eingriffe in die Freiheit der Bürger oder die Anwendung unmittelbaren Zwangs ist den Freiwilligen nicht gestattet, und bewusst seien sie auch nicht bewaffnet worden, sondern nur mit Pfefferspray und Handy ausgerüstet. Und selbst das Pfefferspray, das nur in Gefahrensituationen angewendet werden darf, kommt Ramona Börger zufolge so gut wie nie zum Einsatz. Nur einmal habe es ein Kollege eingesetzt, als jemand ein Messer gezogen habe und es gegen die Helfer einzusetzen drohte, berichtet Heiko Böttcher.

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