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„Eine traurige Angelegenheit“

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Von: Ingrid Zöllner

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Der Fall, der Flüchtlingsfamilie aus de Irak, die kurz nach ihrer Ankunft in Karben nach einem Haus verlangten, hat unter unseren Lesern für viel Aufsehen gesorgt. Viele kommentierten das Thema auf Facebook. Die Ansichten sind zweigeteilt: Während die einen Verständnis für die Situation zeigen, fordern andere die sofortige Abschiebung.

Eine Familie überquert einen Fußgängerweg an der Karbener Hauptstraße. Als die Grünphase für die Autos einsetzt, stoppt der Mann die Autos, setzt sich auf den Straßenboden und zwingt seine beiden kleinen Kinder und seine Frau ebenfalls auf den Boden, fordert eine Autofahrerin gar auf, über ihn hinwegzufahren. Er demonstriert gegen die Flüchtlingsunterkunft in Karben. Warum? Man hatte ihm im Irak versprochen, dass er in Deutschland ein Haus bekomme. Wer ihm das Versprechen gegeben hat, ist unklar, genauso, wieso er glaubt, es tatsächlich erhalten zu können.

Über 70 Kommentare

Auf der FNP-Facebook-Seite entstand in den vergangenen beiden Tagen eine große Debatte über die ungewöhnliche wie auch gefährliche Aktion. Mehr als 70 Kommentare gingen zu dem Artikel „Sitzstreik: Flüchtlinge fordern eigenes Haus“ ein. Für viele ist es schlicht unfassbar, dass der Mann tatsächlich geglaubt hat, er bekomme ein Haus, und dies auch noch versucht, mit Druck durchzusetzen. „Klaus Kunkler“ schreibt dazu auf Facebook: „Ausnahmsweise einmal flott über Bleiberecht entscheiden.“

Ein Teil der Nutzer macht sich lustig über die Forderung des Mannes, der schon kurz nach seiner Ankunft vor dem Rathaus einen Sitzstreik eingelegt hatte. Dazu schreibt „Gerald Halbig“: „Oh. . .wenn ich ein Haus bekomme, lege ich mich auch in der Frankfurter Innenstadt auf die Straße. Aber mich werden sie wohl eher für einen Junky halten und einsacken. Und in der Presse wird dann auch nichts stehen.“ Ähnlich sieht das „Luigi No“: „Klar, und mir wurde ein Privatjet versprochen, ich leg’ mich auf die Landebahn und warte. . .“

Das Versprechen für das Haus wird vermutlich von einer Schlepperbande erfolgt sein, die mit den Flüchtlingen ihr Geld macht. „Harald Becker“ kommentiert das mit „Augen auf bei der Schlepper-Auswahl“. „Markus Preisler“ erwidert darauf: „Soll er den anrufen, der es ihm versprochen hat und sich da beschweren. 50 Quadratmeter in einer Unterkunft mit Erstbezug sind der Familie zugewiesen worden, die diese rundweg ablehnt. Von den ernüchternde Erfahrungen, wie es Flüchtlingshelfern in einer solchen Situation ergeht, weiß „Heide Burkel“ zu berichten: „Die Reaktionen, wenn man in einer sozialen Einrichtung mal Nein sagen muss, weil es nicht anders geht, sind manchmal erschreckend. Ein Nein wird nicht akzeptiert und man wird angeschrien und beschimpft.“

Für Ulrike Loos, aktive Flüchtlingshelferin in Karben, ist das Ganze eine traurige Angelegenheit: „Es zeigt, wie verzweifelt ein Mensch ist, wenn er alles riskiert hat, von der Realität konfrontiert wird und sich von seinen Träumen verabschieden muss.“ Für sie steht fest, dass die hohe Politik handeln muss, weil sich die Flüchtlinge über das Internet austauschen und darüber Fehlinformationen verschickt werden. „Die sind alle vernetzt, daher muss an dieser Stelle etwas passieren, damit die richtigen Informationen ankommen.“

Fragen zum Jugendamt

„Filip Einar“ hat sich Gedanken darüber gemacht, wie die Situation bei einer deutschen und obdachlosen Familie ausgesehen hätte: „Vermutlich hätte man den Eltern die Kinder weggenommen, sie in ein Pflegeheim gesteckt, die Eltern in die Psychiatrie gesteckt und dauerhaft das Sorgerecht entzogen.“

Einige Nutzer sind erschüttert, wie die kleinen Kinder hineingezogen wurden. Daher fragt Anamarija Tolusic-Tipuric: „Wo ist das Jugendamt?“ „Thomas Bernhard“ hat die Aktion selbst gesehen: „Ich habe es live mitbekommen, etwas weiter hinten im Stau. Solche Leute gehören zurückgeschickt.“

Ein Nutzer namens „Pony 13“ war ebenfalls vor Ort: „20sec Stau. Haha! Ich stand drin, länger als fünf Ampelphasen …Wer hilft den Leuten (speziell Führerschein-Neulinge) so etwas zu verarbeiten?“ Der irakische Flüchtlingsvater hat unterdessen der Fahrerin, vor deren Auto er sich legte, das Angebot gemacht, sich bei ihr zu entschuldigen. Für „Sabine Alvin“ und „Karin Krämer“ ist die Sachlage über die Zukunft dieser Familie klar: „Und Tschüss“ und „Sofort ab in die Heimat“ heißt es.

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