Fußball
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Ein Fußballspieler ist am Ball.

Eintracht feiert Premierensieg und Matchwinner Paciência

Eintracht Frankfurt ist von einer Last befreit. Im neunten Pflichtspiel gelingt endlich der erste Erfolg, der eine Aufbruchstimmung erzeugen soll. Am Sonntag droht bei den übermächtigen Bayern aber schon wieder ein Dämpfer.

Antwerpen - Beflügelt vom erlösenden ersten Saisonsieg mit Eintracht Frankfurt plauderte Gonçalo Paciência erstmals auf Deutsch über seinen ganz persönlichen magischen Moment beim 1:0 (0:0) bei Royal Antwerpen. „Ich glaube immer an mich und versuche stets, der Mannschaft zu helfen. Heute war meine Zeit gekommen“, sagte der Portugiese mit einem Lächeln.

Mit seinem in der Nachspielzeit verwandelten Foulelfmeter sorgte der 27 Jahre alte Stürmer für pure Erleichterung bei den Hessen, die zuvor in den ersten acht Pflichtspielen der Saison sieglos geblieben waren und zumindest in der Europa League nun wieder auf Kurs sind. „Durch diesen Sieg haben wir uns etwas Luft zum Atmen verschafft“, sagte Trainer Oliver Glasner mit Blick auf die Gesamtsituation.

Ganz besonders freute den 47 Jahre alten Fußball-Lehrer, dass ausgerechnet Paciência den Siegfluch beendete. „Er hatte eine schwere Zeit in der vergangenen Saison“, sagte Glasner und lobte: „Dass er so einen Charakter hat und in unserer schwierigen Situation die Verantwortung übernimmt, zeugt von menschlicher und fußballerischer Qualität. Das sind Momente, die ich als Trainer wahnsinnig genieße, weil mich die persönliche Situation beschäftigt.“

Paciência, der 2018 vom FC Porto zur Eintracht kam, musste lange auf solch einen Moment warten. In seiner ersten Saison fiel er wegen eines Meniskusrisses lange aus. In der vergangenen Spielzeit stand er im Schatten seines Landsmannes André Silva und wurde an Schalke 04 verliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Doch erneut war der Stürmer oft verletzt und stieg am Ende mit den Königsblauen sogar ab. Sein Fazit: „Das vergangene Jahr war nicht so gut für mich.“

Nach der Rückkehr an den Main musste sich Paciência erneut hinten anstellen. „Er hat in der Vorbereitung richtig gebissen und gekämpft um seine Position“, berichtete Glasner. Zu mehr als zwei Kurzeinsätzen reichte es in der Bundesliga bisher trotzdem nicht. Dennoch ließ sich der zweimalige portugiesische Nationalspieler nie hängen. „Ich arbeite jeden Tag im Training, im Kraftraum oder zuhause und glaube immer, dass meine Chance kommt“, berichtete Paciência.

Und so schnappte er sich nach einem Foul an Jesper Lindström in der Nachspielzeit den Ball und versenkte diesen vom Elfmeterpunkt eiskalt. „Unsere Elfmeterschützen sind eigentlich Rafael Borré und Sam Lammers. Beide waren nicht mehr auf dem Platz. Ich wusste daher nicht, wer schießen soll und habe die Entscheidung der Mannschaft überlassen“, erzählte Glasner. „Es freut mich riesig für ihn.“

Ob er Angst gehabt habe, zu versagen, wurde Paciência danach gefragt. Seine Antwort war ebenso einfach wie eindrucksvoll: „Ich habe keinen Druck beim Fußball. Druck ist, wenn du kein Geld hast, um deine Familie zu ernähren. Fußball ist Spaß und Genuss. Ich bin so glücklich, dass ich jeden Tag nach dem Aufstehen zum Training gehen kann.“

Diese Leichtigkeit soll ihm in dieser Saison zu mehr Spielanteilen bei der Eintracht verhelfen - vielleicht sogar schon am Sonntag im Gastspiel beim übermächtigen Rekordmeister und Tabellenführer Bayern München. Bammel hat Paciência vor der Aufgabe nicht. „Wir wissen natürlich, dass Bayern eine große Mannschaft mit viel Qualität ist“, sagte er. „Aber der Sieg hat uns viel Selbstvertrauen gegeben und im Fußball kann alles passieren.“

Daran glaubt auch Glasner. Der Österreicher war daher bemüht, die Aufbruchstimmung in seinem Team nicht gleich wieder zu bremsen. „Uns erwartet eine Top-Mannschaft. Die Erwartungshaltung ist so gering wie sonst das ganze Jahr nicht“, räumte der Eintracht-Trainer zwar ein, fügte dann aber angriffslustig hinzu: „Ganz ehrlich: Da können wir nachlegen.“ dpa

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