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Unhygienische Restaurants am Pranger (Symbolbild)

Schaben in den Nudeln und Mäusekot

Ekel-Restaurants in Hessen - Land bietet Beschwerdeplattform

Schaben in den Nudeln oder verdreckte Arbeitsplatten: Beim Land Hessen werden Hygienemängel nun veröffentlicht. 

Immer mehr Kommunen in Hessen nutzen mittlerweile die Hygienemängel-Plattform des hessischen Ministeriums für Verbraucherschutz. Seit April bietet das Land Hessen eine Hygiene-Plattform, auf der unzufriedene Gäste eklige Restaurantküchen und Ungeziefer melden können. 

Dort wird unter anderem von Mäusekot in Restaurantküchen, Schaben im Essen oder verschimmelten Kühlschränken berichtet. Dazu wird der Name und die Adresse des Restaurants oder des Lebensmittelherstellers genannt. Auch wann der Mangel festgestellt und wann er wieder behoben wurde, steht da.

Hygienemängel in Restaurants: Gäste können diese beim Land melden

"Damit sorgen wir für Transparenz und mehr Verbraucherschutz. Außerdem bietet dies Restaurants einen Anreiz, sich zu verbessern", sagte die Ministerin Priska Hinz (Grüne) im April.

Die Kommunen müssen die Plattform allerdings nicht nutzen. So will etwa der Hochtaunuskreis relevante Verstöße auf seiner eigenen Internetseite veröffentlichen, sagt eine Sprecherin des Kreises.

Restaurants an den Pranger gestellt: Betreiber können Einspruch erheben

Vor der Veröffentlichung können Betreiber Einspruch erheben, allerdings sollen nur gravierende Hygienemängel ins Netz gestellt werden. Konkret heißt das: Nur solche Verstöße, die Strafen von mehr als 350 Euro nach sich zogen. Auf welche Mängel das zutrifft, lasse sich nicht so leicht beantworten, erklärt Michael Jenisch, Sprecher des Frankfurter Ordnungsamts. "Das ist immer eine Einzelfall-Entscheidung, abhängig vom Gesamteindruck und der hygienischen Vorgeschichte des Unternehmens."

Die Einträge formuliert dann das jeweilige Amt, das die Kontrollen durchführt. Dabei unterscheidet sich von Kommune zu Kommune, wie genau die Verstöße dargestellt werden. Frankfurt führt stets auf, was bei welchen Lebensmitteln und Geräten beanstandet wurde. So zum Beispiel beim "ICHIBAN Restaurant" im Nordwest-Zentrum. Zu dessen Verstoß im März heißt es: "Sämtliche Ablageflächen waren verschmutzt. In den gekochten Nudeln wurde eine Schabe gefunden. Die Tiefkühltruhe vom Eis war von innen verschmutzt. Auf dem Fußboden wurde Mäusekot gefunden, und auf dem Fußboden wurden diverse offene Lebensmittel gelagert."

Unappetitliche Einzelheiten sollen nicht "breitgetreten" werden

Der Kreis Groß-Gerau dagegen nutzt in den meisten Fällen den Standardsatz: "Es wurden wiederholt hygienische Mängel festgestellt, die eine nachteilige Beeinflussung der im Betrieb hergestellten Lebensmittel und Speisen darstellten." Die Stadt Darmstadt schreibt meist nur "Hygienische und bauliche Mängel". Laut einer Sprecherin des Ministeriums für Verbraucherschutz wollen die Behörden wohl die unappetitlichen Einzelheiten nicht allzu breittreten, um die Gaststättenbetreiber vor wirtschaftlichem Schaden zu schützen.

Verbraucherschutz in Hessen: Beschwerden sind relevant

Wie die Einträge formuliert werden, ist für Restaurantbetreiber aber auch in einer anderen Hinsicht relevant. So steht über das Hotel "Grüner Wald" in Hofheim-Wallau auf der Hygiene-Plattform wörtlich: "Fehlende Allergenkennzeichnung, Herstellung, Behandlung und in Verkehr bringen von leicht verderblichen Lebensmitteln durch ungeschultes Personal." Fragt man Thorsten Fein, Chef des Hotels, was hier bemängelt wurde, klingt die Geschichte anders, als die amtsdeutsche Formulierung suggeriert. "Unsere Gäste sind vor allem Stammkunden. Nach Allergenen fragt so gut wie nie jemand", sagt Fein. "Und wenn, dann schicken wir sie in die Küche. Da erfahren die Kunden, was sie wissen möchten." Und das mit den verderblichen Lebensmitteln und dem ungeschulten Personal? "Seit 30 Jahren arbeiten die Mitarbeiter hier. Das sind erfahrene Kräfte, nur hatten sie eine Belehrung nicht unterschrieben."

Einen Schaden für sein Hotel erwartet Fein deshalb aber nicht: "Das ist für mich Kindergarten", sagt er. Auch habe ihn bisher noch niemand auf den Eintrag angesprochen.

Diese schockierenden Bilder aus Restaurantküchen* verderben einem den nächsten Gaststätten-Besuch. Die Ergebnisse behördlicher Hygienekontrollen werden bislang nur sehr selten veröffentlicht. Die Verbraucherschutzorganisation „Foodwatch“ will das ändern* – und löst eine Flut von Informationsanträgen aus. Hessische Kommunen sind damit überfordert. In der neuen Frankfurter Altstadt* wollen indes immer mehr Restaurants Außengastronomie - das sorgt für Ärger.

VON FRIEDRICH REINHARDT

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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