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Die Spitzenkandidaten der aussichtsreichsten Parteien für die Landtagswahl stellen sich den Fragen der Journalisten.

Landtagswahl

Elefantenrunde: Wer kann mit wem, das ist die große Frage

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Nach vielen Talkrunden haben sich die sechs Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gestern den Fragen der Landespressekonferenz gestellt. Dabei standen die jüngsten Umfragen im Mittelpunkt. Der Aufwind für die Grünen sorgte für mächtigen Wirbel.

Plötzlich sind es nicht mehr nur Volker Bouffier (CDU) und Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD), die um das Amt des Ministerpräsidenten konkurrieren. Alle Augen richteten sich gestern auf den Spitzenkandidaten der Grünen, Tarek Al-Wazir, dessen Partei in einer Umfrage zuletzt plötzlich vor der SPD lag. „Ich lasse mich von der Aufregung nicht anstecken“, winkte der Grüne ab auf die Frage, ob er denn nun selbst Ministerpräsident werden wolle. Er kämpfe aber weiter für starke Grüne. Die Umfrage-Erfolge der Ökopartei nach dem Rekordergebnis bei der bayerischen Landtagswahl irritieren aber selbst den Regierungspartner CDU ein wenig. „Ich gönne den Grünen alles, aber bis zu einem gewissen Grad“, sagte Bouffier schmunzelnd. Das Amt des Ministerpräsidenten wolle er doch lieber selbst weiter ausfüllen.

Diese Besetzung würde auch FDP-Kandidat René Rock bevorzugen, sagt aber voraus: „Der Bundestrend wird dazu führen, dass wir darüber reden, ob Tarek Al-Wazir Ministerpräsident wird.“ Die FDP werde sich dafür einsetzen, dass er Ministerpräsident der Herzen werde, aber ein anderer im Amt bleibe, bemerkte Rock mit einem Seitenblick auf Bouffier. Eine Koalition mit der CDU liege den Liberalen naturgemäß am nächsten, sagte der FDP-Kandidat, der aber auch Gespräche mit der SPD nicht ausschloss. Auf jeden Fall strebe die FDP in Hessen eine Regierungsbeteiligung an. Ein „starkes bürgerliches Bündnis mit grüner Beimischung“ sei sein Favorit.

 

Diese Rolle lehnt Al-Wazir allerdings ab. „Wir wollen nicht die Kräuter auf dem Essen sein, sondern das Essen.“ Der Grünen-Kandidat räumte ein, seine Partei profitiere von den Querelen der Groko in Berlin. Das bestätigte Bouffier und leitete daraus ab: „Der Erfolg unserer gemeinsamen Arbeit in Hessen wird den Grünen im Moment mehr zugeschrieben als uns.“

Linken-Spitzenkandidatin Janine Wissler sprach sich für ein Linksbündnis aus. „Es ist Zeit, über große Visionen zu reden“, erklärte sie. SPD-Chef Schäfer-Gümbel schloss diese Option nicht aus. Die SPD sei stets offen für Visionen, betonte er mit Verweis auf das Grundsatzprogramm der Sozialdemokraten. René Rock hingegen kann sich ein Bündnis mit den Linken nicht vorstellen. „Frau Wissler redet von einem anderen Land“, mit so einer Fraktion kann man keine Mehrheit bilden“, sagte er. Auch Bouffier und Wissler waren sich einig darin, dass sie sehr gegensätzliche gesellschaftliche Vorstellungen haben, scherzten aber fröhlich darüber.

Als die Diskussion aufkam, ob die Grünen eigentlich noch eine linke Partei seien, hatte der SPD-Chef den schwierigsten Antwort-Part. Wäre es doch für ihn – wenn überhaupt – nur dann möglich, eine Regierung zu bilden, wenn er die Grünen auf seine Seite ziehen könnte. So ließ er die Antwort vorsichtig offen und sagte: in ökologischen Fragen ja, in sozialen Fragen eher weniger. Nach fünf Jahren an der Seite der CDU forderte Schäfer-Gümbel von den Grünen „mehr Haltungsfestigkeit“.

Auf breite Ablehnung stieß in der Runde AfD-Spitzenkandidat Rainer Rahn mit seinem Vorwurf, die Landesregierung habe in der Flüchtlingspolitik das Recht gebrochen. „Das ist eine Unverschämtheit“, empörte sich Bouffier.

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