Rheingauer Rieslingpfad

Entlang der Weinreben

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Schlösser, Weinberge und die zauberhafte Landschaft des Rheingau: Seit 40 Jahren führt bereits der Rieslingpfad als Wanderroute von Hochheim bis Lorch quer durch den Rheingau. Sieben Wanderungen laden zum Jubiläum ein, den Wanderweg zu erkunden.

Sanft fallen die Weinberge ab zum Rhein, der Blick schweift weit über die Ebene, bis hinter Rüdesheim das Tal auf einmal steil und eng wird. „Wandern hat etwas mit Lust zu tun, mit Körpererfahrung und mit Genuss“, sagt Wolfgang Blum, „Wein, Wald, Wingert und Wohlfühlen, das kommt hier alles zusammen.“ Blum ist Journalist und Wein- und Kulturbotschafter im Rheingau, 1984 schrieb er ein Buch über den Rheingauer Rieslingpfad. Der Rieslingpfad sei einer der ersten Wanderrouten ihrer Art in einem Weinanbaugebiet gewesen, berichtet Blum, und das zu einer Zeit, als Wandern noch längst nicht den Stellenwert wie heute hatte.

Den Rotweinwanderweg an der Ahr gab es schon, auch in der Pfalz wanderte man entlang der Weinstraße – ansonsten aber war Wandern gerade in den 1970er Jahren alles andere als bezaubernd: Riesenschneisen durch den Wald, breite Wirtschaftswege in den Feldern, „es gab damals noch keine interessanten Wege, das Wandern gerade in den Mittelgebirgen war meist öde und langweilig“, berichtet Blum. Es war 1975, als ein Rheingauer eine andere Vision hatte: Friedrich Kempa, damals Leiter der Straßenmeisterei in Geisenheim, war ein begeisterter Wanderer. 1975 „erfand“ er den Rheingauer Rieslingpfad, erstellte 1976 aus existierenden Sträßchen und Wegen eine Route, die von Flörsheim-Wicker am Main bis nach Lorch ins Mittelrheintal führt.

Sieben Wochen, sieben Wege, sieben Weinberge – unter diesem Motto lädt zum Jubiläum in diesem Jahr die Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH an den sieben Sonntagen der hessischen Sommerferien zu Entdeckungswanderungen auf den Rieslingpfad ein. „Das sind unsere ,seven summits’ des Rheingaus“, sagt Initiator Blum – so bezeichnen Bergsteiger die sieben höchsten Gipfel ihrer Sehnsucht.

Mit dem Rieslingpfad erfand Kempa vor 40 Jahren etwas Neues: Wandern entlang verschlungener Wege, am Wald entlang, quer durch die Weinberge, kreuz und quer durch Orte. Am Start in Hochheim führt die Route vorbei am berühmten Königin Victoria-Weinberg zur kleinsten Rheingauer Einzellage „St. Anna-Kapelle“, in Walluf läuft man auf dem alten Leinpfad am Rhein entlang bis nach Eltville und dort durch die Altstadt hinauf in die Weinbergslagen.

120 Kilometer weit führt der Rieslingpfad vorbei an Wiesbaden nach Eltville, Oestrich-Winkel und Geisenheim bis nach Rüdesheim, Assmannshausen und hinein ins Mittelrheintal. „Ich habe alle zehn Minuten einen anderen wunderbaren Ausblick, das macht den Rieslingpfad so interessant“, schwärmt Blum.

Dazu kommt die Kultur: das weltberühmte Kloster Eberbach, Schloss Vollrads und Schloss Johannisberg, Wiege von Kabinettsweinen und Spätlese – „mehr Weinkultur auf so kurzem Stück gibt es auf dieser Welt nicht noch einmal“, sagt Blum.

Ab Rüdesheim beginnt dann „das alpinste Tal von Mitteleuropa außerhalb der Alpen“, sagt Blum, die Hänge werden schroff und steil, die Landschaft spektakulär. Die Landschaft genießen, für die Schönheit des Kulturlandes Rheingau wecken, mit seiner Vision sei Kempa „sicher ein Pionier gewesen“, sagt Blum. Heute stehe dazu der Genuss im Vordergrund: „Eine Landschaft bewusst erleben, aber unterwegs oder spätestens am Ende genüsslich einkehren.“ Das kann man am Rieslingpfad optimal: Entlang der Strecke gibt es mehr als 300 Straußwirtschaften, Restaurants und Weinschänken.

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