71 Prozent stimmen dafür

Erleichterung nach schweizer Volksentscheid zur Rundfunkgebühr

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Die Initiative zur Abschaffung des Rundfunkbeitrags in der Schweiz ?No Billag? ist gescheitert. Im Gespräch mit Dominik Rinkart zeigt sich HR-Intendanten Manfred Krupp nach der Volksabstimmung erleichtert .

Herr Krupp, in der Schweiz haben 71 Prozent für den Erhalt der Rundfunkgebühr gestimmt. Wie gefährlich hätte die Signalwirkung eines „Neins“ auch dem deutschen Rundfunkbeitrag werden können?

MANFRED KRUPP: Man kann das System in der Schweiz nicht mit dem deutschen vergleichen. Der Rundfunkbeitrag in der Schweiz kostet zum Beispiel aktuell 451 Franken (391 Euro), hier in Deutschland sind es 210 Euro im Jahr. Aber natürlich hätte ein „Nein“ die Diskussion auch hier weiter befeuert, deswegen bin ich schon erleichtert über die Zustimmung.

Andererseits sind in der Schweiz immer noch ein Drittel gegen die Rundfunkgebühr und die Kritiker in Deutschland werden mutmaßlich nicht leiser. Sehen sie die Abstimmung als Warnsignal?

KRUPP: Wir haben eine ähnliche Diskussion, aber wenn man bedenkt, wie erbittert die Diskussion in der Schweiz geführt wurde, dann ist es schon überraschend, wie deutlich das „Ja“ nun ausfiel. Wir werden jetzt noch stärker in den Dialog mit unserem Publikum treten. Für uns ist das ein klares Signal, noch offener mit Kritik umzugehen. Wir müssen klar machen, dass wir wirtschaftlich handeln, Reformen angehen  und uns der Erhalt unseres gemeinsamen Rundfunks als relevanter Faktor zur Meinungsbildung auch für nachfolgende Generationen wichtig ist.

 

Die Schweizer Rundfunkanstalt SRG hatte bereits vor der Abstimmung umfassende Reformen angekündigt. Welche Änderungen sollte der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland andenken? 

KRUPP: Zunächst muss man sagen, dass einige Reformvorschläge für Deutschland nicht relevant sind. So wurde in der Schweiz nun angekündigt, dass es keine Werbeunterbrechungen mehr in Filmen geben soll. Das gibt es bei uns ja ohnehin nicht. Aber auch wir müssen effizienter werden. Insbesondere in den Bereichen Technik, Verwaltung und IT. Dort haben wir bislang die Situation, dass neun Rundfunkanstalten mit unterschiedlichen Systemen arbeiten. Da ist also noch Potenzial. Wir müssen deutlich machen, dass der Rundfunkbeitrag bei uns vor allem in das Programm fließt.

Wie denken Sie, würde eine solche Volksabstimmung in Deutschland ausgehen?

KRUPP: Wir wissen aus zahlreichen Umfragen, dass die Mehrheit unser duales Rundfunk-System, mit privaten und öffentlich-rechtlichen Senden, zu schätzen weiß. Vor allem wenn es um Information geht, nutzen die meisten Menschen den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Allerdings haben wir in bestimmten Bereichen einen Generationsabbruch. Wir müssen versuchen, auch die Jüngeren, die eher im Netz unterwegs sind, besser zu erreichen. Wir wissen auch, dass wir im populistischen Lager Kritiker haben. Wir stellen uns grundsätzlich jeder Kritik, nehmen sie ernst und setzen uns mit ihr auseinander.

Die schweizer "No Billag"-Unterstützer argumentierten, mündige Bürger seien selbst in der Lage zu entscheiden, welche Medien sie nutzen und für welche sie bezahlen wollen. Was kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk was die Privaten nicht können?

KRUPP: Lassen sie mich ein Beispiel nennen: Eines der qualitativ besten und hochwertigsten Programme, das wir machen, ist Arte. Der Sender hat hervorragende Informationsangebote, ein ausführliches Kulturprogramm und gut recherchierte Hintergrundberichte, die mehr sind als die schnelle Nachricht. Trotzdem nutzen nur rund ein Prozent der Menschen in Deutschland das Angebot. Es würde den Sender schlicht nicht mehr geben, wenn man ihm dem Markt überlassen würde. Und viele Angebote von Arte fließen auch ins Erste ein. Unsere Verantwortung ist es, die gesamte Gesellschaft mit unseren unterschiedlichen Angeboten zu erreichen und gemäß des Auftrags zu informieren, zu bilden und zu unterhalten. Kulturangebote werden oftmals nur von einer kleinen Zielgruppe genutzt, sind aber für die gesamte Gesellschaft sehr wichtig.

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