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Rumänische Erntehelfer tragen bei der Eröffnung der hessischen Spargelsaison auf dem Hof der Familie Mager in Weiterstadt die ersten Körbe mit frisch gestochenem Spargel. Sie arbeiten für einen Brutto-Mindestlohn von 8 Euro pro Stunde.

Eröffnung der Spargelsaison

Die Ernte hat ihren Preis

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Die Spargelsaison ist eröffnet. Mit ihr geht die Diskussion um den Mindestlohn bei den Anbauern weiter. Kleine Betriebe sind in Gefahr.

Bodo Mönich blickt in den Himmel, die Sonne steht hoch, er muss die Augen zusammenkneifen. „Wir nehmen das Wetter so, wie es kommt“, sagt er. Mönich ist Spargelbauer aus Südhessen und steht zur Eröffnung der Saison auf dem Feld seines Kollegen Philipp Mager in Weiterstadt. Im Moment herrscht Kaiserwetter. Hinter ihm sticht die Ministerin gerade die ersten weißen Stangen, die Presse schießt Fotos, es wird viel gelacht. Die Landwirte sind guter Dinge. Die Menge des Spargels werde ausreichen. Die Qualität sei jetzt schon sehr gut. „Der Herbst war trocken und warm, im Winter gab es wenige Frosttage, der Spargel konnte schon wachsen und ist deshalb früher als sonst fertig“, fasst Mönich zusammen.

Um genau zu sein ist der Spargel in diesem Jahr so früh dran wie noch nie. Schon zu Ostern stand er auf dem Tisch der hessischen Verbraucher. Doch Spargelbauern sind vorsichtige Menschen: „Erst am 24. Juni, zu Saisonende, wird abgerechnet, sagt Bodo Mönich.

Dass in den kommenden Wochen das Edelgemüse täglich frisch in den Verkaufsbuden an fast jeder zweiten Ecke im Rhein-Main-Gebiet ausliegt, dazu tragen wieder die Saisonarbeitskräfte bei, die in Hessen insgesamt 2141 Hektar in 138 Betrieben mitbewirtschaften. 5,67 Tonnen Spargel werden geerntet. Hessen liegt damit auf Platz 3 in Deutschland und eindeutig über dem Bundesdurchschnitt (5,52 Tonnen).

Doch die Ernte hat zunehmend ihren Preis. Es ist die zweite Saison, in der die Saisonarbeiter aus Ländern wie Rumänien, Polen, Bulgarien oder Kroatien einen Mindestlohn erhalten. Gemäß Tarifvertrag in Hessen mindestens 8 Euro brutto pro Stunde. Gearbeitet wird an sechs Tagen in der Woche, maximal 60 Stunden, also höchstens zehn Stunden pro Tag. Vom Bruttolohn geht ein fester Betrag für Unterbringung, Verpflegung und Krankenversicherung ab. Unterm Strich heißt das dann 5,60 Euro netto Arbeitslohn. Hinzu kommt bei manchen Betrieben jedoch eine Leistungszulage. Kann ein Arbeiter in der Stunde besonders viel Spargel stechen, ist am Ende ein Nettolohn von rund 9 Euro drin.

Die Lohnkosten sind nicht zuletzt deshalb der größte Kostenfaktor in der Gesamtkalkulation der Anbauer. Der Weiterstädter Hof von Familie Mager beschäftigt beispielsweise 280 Saisonkräfte. Die braucht es aber auch, um die 140 Hektar abzuernten. Der Spargel muss nunmal gestochen werden, sonst ist er verloren.

Vor allem die Arbeitsabläufe sind deswegen in ohnehin schon hoch spezialisierten Betrieben wie bei den Magers noch einmal optimiert worden, um die Kosten an anderer Stelle einzusparen.

Dass der Spargel durch den Mindestlohn teurer wird, so wie manche befürchtet hatten, ist derzeit nicht zu beobachten. Noch liegt der Preis zwar über zehn Euro pro Kilo, aber er werde sich natürlich schnell senken und auf dem Niveau der letzten Jahre einpendeln, wenn das Wetter mitspiele, sagt Rolf Meinhardt, Vorsitzender des Arbeitskreises Spargel Südhessen.

Zwar erhält die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) beim Termin zur Saisoneröffnung viel Applaus, als sie sagt: „Wer Qualität will, soll dafür auch einen entsprechenden Preis zahlen.“ Doch Meinhardt glaubt nicht, dass die hessischen Anbauer auch in Zukunft viel mehr für den Spargel werden verlangen können. Der Verbraucher würde das nicht mitmachen. Meinhardt, der 30 Jahre Erfahrung im Spargelgeschäft hat, geht stattdessen davon aus, dass kleinere Betriebe den Kostendruck nicht überleben werden.

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