Erster Radschnellweg wächst: Mehr Ausbautempo gefordert

Glatte Oberfläche, wenig Kreuzungen, Platz zum Überholen: Radschnellwege sind für Radler ein Traum. Sie sollen auch Autopendler zum Umstieg bewegen. Planung und Bau bräuchten nach Ansicht von Kritikern in Hessen dringend mehr Rückenwind.

Langen - Zahlreiche Radschnellwege sind in Hessen geplant, im Bau befindet sich bisher einer: Die Verbindung zwischen Darmstadt und Frankfurt. Die Fertigstellung der mehr als 30 Kilometer langen Pilot-Strecke sei übernächstes Jahr geplant, sagte der Bürgermeister von Kelsterbach und Geschäftsführer der Regionalpark Rhein-Main Südwest, Manfred Ockel, am Dienstag in Langen (Landkreis Offenbach), der das Vorhaben federführend betreut. Spatenstich war im Jahr 2018, im Jahr darauf war ein erstes Teilstück eröffnet worden.

Radschnellwege sollen mit einer besonders glatten Oberfläche sowie Beleuchtung, Platz zum Überholen und einer Trennung von Fußgängern wie Autobahnen für Fahrräder sein. So sollen auch Pendler zum Umstieg vom Auto aufs Rad gebracht werden. Gute Bedingungen für Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer seien wichtig für die Verkehrswende, sagte der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) bei einer Baustellenbesichtigung in Langen.

In Hessen sind zahlreiche weitere Expressrouten für Radfahrer geplant, etwa zwischen Hanau und Frankfurt, zwischen Seligenstadt und dem Frankfurter Flughafen und zwischen dem Vordertaunus und Frankfurt. Auch in Nordhessen rund um Kassel, etwa aus Kaufungen, Vellmar und Baunatal, laufen Vorhaben, ebenso wie aus dem Rhein-Necker-Raum im Süden. Eine weitere Schnellverbindung soll die Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden verbinden.

Das hessische Wirtschafts- und Verkehrsministerium listet insgesamt 20 Vorhaben auf. Machbarkeitsstudien liegen meist vor, laufen oder sind in Planung. Wann Baubeginn sein wird, ist nach Ministeriumsangaben aber jeweils noch offen.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) kritisiert eine eklatante Lücke zwischen den Planungen und den bislang gebauten Kilometern im Land. „Die Planungsprozesse müssen unbedingt beschleunigt werden“, sagte ADFC-Landesgeschäftsführer Norbert Sanden. Der Bedarf an Radschnellverbindungen sei seit Jahren untersucht und bekannt. Die Planungen seien ausreichend, nun müssten sie umgesetzt werden. Bislang sei das Ergebnis katastrophal. Es sei völlig unklar, wann die Wege nutzbar sein werden.

Der ADFC fordert, Radschnellwege wie Landstraßen in die Baulast des Landes zu übernehmen, das damit für die Planung, den Bau und den Unterhalt zuständig würde. „Bei Landesstraßen sind ja auch nicht die einzelnen Kommunen zuständig“, sagte Sanden. Für das Land als Träger der Verantwortung für Radschnellwege macht sich auch die FDP stark.

Minister Al-Wazir sagte, Infrastrukturprojekte bräuchten ihre Zeit für Planung, Ausgleichsmaßnahmen und die Kommunikation vor Ort. Der Grünen-Politiker verwies auf Kritik von Anwohnern in Langen am Verlauf des Radschnellwegs entlang ihrer Grundstücke. Hierauf könnten die einzelnen Kommunen vor Ort besser reagieren. Ob eine Landesbehörde schneller wäre, sei fraglich. Er sei sicher, dass es in den nächsten Jahren einen deutlichen Zuwachs an Radschnellwegen im Land geben werde. dpa

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