Ex-Langzeit-Häftling Söring
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Jens Söring steht im Palmengarten in Frankfurt.

Ex-Häftling Söring: „Ich habe vor fast nichts mehr Angst“

Der in den USA wegen Doppelmordes verurteilte Ex-Häftling Jens Söring (55) sieht seinem Leben recht unerschrocken entgegen. „Ich habe vor fast nichts mehr Angst“, sagte er am Donnerstag in Frankfurt auf der ARD-Buchmessenbühne. „Ich bin einer der ganz wenigen Menschen, die sagen können: Das Schlimmste liegt hinter mir.“

Frankfurt/Main - Söring saß 33 Jahre im US-Gefängnis. Der deutsche Diplomatensohn war wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte die Morde aus dem Jahr 1985 zunächst gestanden, später aber das Geständnis widerrufen.

Das Leben im Gefängnis sei ein permanenter Alarmzustand. Man dürfe keine Gefühle zeigen, müsse das Kreuz durchdrücken und dürfe nicht ängstlich gucken. „Jedes Zeichen der Schwäche führt zu einem Angriff“, sagte Söring. „Das Wichtigste innerhalb der Gefängnishierarchie ist, dass andere Menschen in einem nicht das Opfer sehen.“

Im November 2019 hatte das zuständige US-Gremium entschieden, Söring auf Bewährung freizulassen und abzuschieben. Begnadigt wurde er nicht. Söring beteuert bis heute seine Unschuld. In die USA darf er nie wieder einreisen. „Ich möchte die Vergangenheit nicht vergessen, nicht davor weglaufen. Ungeschehen machen kann ich sie ohnehin nicht“, sagte der 55-Jährige. dpa

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