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Expertin: Bei Warnsignalen für Amoktat Helfer einbinden

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Kriminalpsychologin Karoline Roshdi
Kriminalpsychologin Karoline Roshdi (undatierte Aufnahme). © Daria Höfler/Karoline Roshdi/dpa/Archivbild

Erneut sorgt eine Amokfahrt für Bestürzung in Deutschland. Gibt es Warnzeichen für solche Taten und was kann für eine bessere Prävention getan werden?

Berlin/Darmstadt - Amoktaten wie die tödliche Fahrt mit einem Auto in eine Menschenmenge in Berlin werden nach den Worten einer Expertin in rund einem Drittel der Fälle von psychisch kranken Tätern begangen. Im aktuellen Fall sei noch vieles unklar, daher sei eine genaue Beurteilung schwierig, sagte die Kriminalpsychologin Karoline Roshdi der Deutschen Presse-Agentur. Häufig liege in solchen Fällen aber eine Schizophrenie mit Verfolgungswahn vor. In dem aktuellen Fall komme angesichts des besonderen Tatorts zudem eine „Nachahmungsdynamik“ in Betracht. Dem Täter könnte es darum gegangen sein, eine Art Zeichen zu setzen oder auf etwas aufmerksam zu machen.

Am Vortag war ein 29-jähriger Deutsch-Armenier nahe der Berliner Gedächtniskirche über Gehwege des Ku'damms und der Tauentzienstraße gerast. Eine Lehrerin starb, 29 Menschen wurden nach aktuellem Stand verletzt, 6 von ihnen lebensgefährlich und 3 schwer. Darunter waren viele Schüler einer 10. Klasse aus Bad Arolsen in Nordhessen, mit denen die Lehrerin auf Klassenfahrt in Berlin war.

Roshdi berät unter anderem zum Umgang mit bedrohlichem Verhalten sowie zur Prävention schwerer Gewalt und Amok. Zur Frage, wie vorhersehbar solche Taten sind, sagte die Kriminalpsychologin, man könne zwar Risikoeinschätzungen vornehmen, für die es auch solide Instrumente gebe - „aber das ist eine Momentaufnahme fürs Hier und Jetzt“. Gewaltfantasien und das Erleben von Krisen könnten dazu beitragen, dass Menschen in solche Ausnahmezustände gerieten.

Insbesondere wenn die Person „die Tötung als Lösung ihrer Krise“ sehe, diese immer mehr in die eigene Realität hineinhole und über das mögliche Vorgehen recherchiere, etwa zur Tatwaffe, seien das Warnzeichen. „Was wir relativ häufig haben ist, dass kurz vor so einer Tatbegehung irgendetwas passiert, was die Täter moralisch sehr stark erschüttert“, sagte Roshdi.

In den vergangenen zehn Jahren hätten sich zunehmend Netzwerke herausgebildet, die dazu beitrügen, früher auf mögliche Bedrohungslagen durch Amoktaten reagieren zu können. Professionelle Helfer - von Polizei über Psychiatrien bis hin zu sozialpsychiatrischen Beratungsstellen - arbeiteten enger zusammen und seien sensibilisiert. „Diese Netzwerke sind aber auch von Informationen abhängig“, sagte Roshdi.

Die Hemmschwelle, die Polizei etwa auf bedrohliche Äußerungen oder eine beunruhigendes Verhalten eines Menschen hinzuweisen, sei häufig hoch. Dabei gehe es gar nicht immer darum, Täter zu finden, sondern erst einmal nur, Helfer einzubinden, die sich um Betroffene in einer Krise kümmern und sie unterstützen können. „Es wäre gut, wenn man das nicht bei sich behält, sondern jemanden professionelles mit einschaltet - aus einer Fürsorge heraus“, so die Kriminalpsychologin. dpa

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