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Eine Boeing 767-300 der Fluggesellschaft Condor über einem Wohnhaus in Flörsheim beim Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen

Feinstaub im Anflug?

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Wie gefährlich sind die Entzündungsprozesse, die ultrafeine Partikel im Körper auslösen? Das will nun ein neues Forschungsvorhaben der Mainzer Unimedizin erforschen – die Herzspezialisten arbeiten dafür mit der Frankfurter Stabsstelle für Fluglärm zusammen.

„Wir haben ein Gerät angeschafft, das Feinstaubpartikel generieren kann“, sagte der Leiter der Mainzer Kardiologie, Thomas Münzel. Mit dem generierten Feinstaub solle an Tieren untersucht werden, welche Auswirkungen Feinstaub auf Gefäße und Gehirn habe, und zwar in Abhängigkeit von der Größe der Partikel. In der Studie solle es speziell auch um Ultrafeinstaub gehen: „Ultrafeinstaub ist extrem gefährlich“, betonte Münzel. Neue Daten zeigten, dass die ultrafeinen Partikel sofort über die Lunge in die Blutbahn und in die Gefäße gerieten und dort unmittelbar zu Entzündungen führten. Ultrafeine Partikel sind 1000 Mal kleiner als Feinstaubpartikel, jüngst war bekanntgeworden, dass Ultrafeinstaub in erheblichem Ausmaß im Umfeld des Frankfurter Flughafens auftritt.

So wurden in Raunheim am Frankfurter Flughafen regelmäßig Konzentrationen zwischen 20 000 und 100 000 Partikel beim Überflug landender Maschinen gemessen. Die Werte seien „erschreckend hoch“, der Flugverkehr scheine dafür „maßgeblich verantwortlich zu sein“, sagte nun die Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne). Untersuchungen zu Ultrafeinstaub gehörten deshalb „ganz oben auf die Agenda“, die Bundesregierung müsse die Notwendigkeit von Grenzwerten prüfen.

„Ultrafeinstaub hat die Größe von einem Virus, dagegen können Sie sich auch mit einer Atemmaske nicht schützen“, sagte Münzel. Untersucht werden solle auch, ob sich die negativen Auswirkungen beim Zusammentreffen mit Fluglärm potenzierten: „Wenn Feinstaub und Fluglärm im Körper aufeinandertreffen, geht in den Gefäßen die Post ab“, sagte Münzel.

Für die neue Studie wollen die Mainzer zudem mit einer Fluglärmmessstation in Frankfurt zusammenarbeiten: „Es gibt die Idee, bei uns Ultrafeinstaub zu messen“, sagte die Fluglärmschutzbeauftragte der Stadt Frankfurt, Ursula Fechter. Ziel sei, bei der neuen Fluglärmmessstation in Sachsenhausen auch ein Partikelmessgerät zu etablieren. Die Daten würden dann direkt an die Mainzer Kardiologie gemeldet und dort in das Forschungsvorhaben einfließen.

Die Ingenieure Joachim Alt und Wolfgang Schwämmlein von der Mainzer Initiative gegen Fluglärm hatten jüngst die offiziellen Raunheimer Messergebnisse ausgewertet und dabei enorm hohe Konzentrationen zwischen 20 000 und 100 000 Partikeln pro Kubikmeter Luft gefunden. Aus ihrer Sicht ist der Zusammenhang mit Fliegern im Landeanflug eindeutig, in Hessen bestreitet man das: Die Partikel könnten auch von Bodenverkehr am Flughafen stammen und vom Wind herübergeweht werden, heißt es dort. „Wir können bisher nicht bestätigen, dass Überflüge eine Wirkung haben“, sagte Diana Rose vom Landesumweltamt dieser Zeitung.

Auch im Mainzer Umweltministerium will man erst einmal die Ergebnisse des Projektes „Ufoplan“ des Umweltbundesamtes abwarten. Das 2016 gestartete Projekt sollte eigentlich die Herkunft und Verbreitung von Ultrafeinstaub im Umfeld eines Flughafens erforschen, bei einer Tagung in Bonn Mitte April wurde allerdings deutlich: Das Projekt beruht bislang lediglich auf Modellrechnungen. Mit realen Messdaten habe man nicht gearbeitet, auch nicht mit den Raunheimer Daten.

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