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Feuerwerk in Frankfurt

Jahreswechsel

Feuerwerk, Feinstaub und friedliche Feiern: Silvester in Hessen

Mit viel Präsenz und Regulierungen wollen die Behörden Silvester in Hessen zu einem friedlichen Fest machen. Feuerwerk und Fachwerkhäuser passen dabei nicht zusammen.

Silvester ist für viele Menschen nicht nur in Hessen ein zwiespältiges Fest. Die einen freuen sich auf eine große Party, beliebte Bräuche und ein spektakuläres Feuerwerk. Die anderen ärgern sich über den Böller-Müll auf den Straßen, die Feinstaub-Belastung und mögliche Übergriffe von Betrunkenen oder Kriminellen. Damit der Jahreswechsel möglichst glatt läuft, greifen die Behörden regulierend ein. Das Abbrennen von Feuerwerk ist beispielsweise nicht überall erlaubt, für Großveranstaltungen gibt es strenge Regeln. Seit den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln vor drei Jahren stehen auch in Hessen die Sicherheitskonzepte der Kommunen besonder im Fokus. Die verschiedenen Aspekte für einen guten Rutsch in 2019:

POLIZEIPRÄSENZ: In ganz Hessen will die Polizei an belebten Plätzen mit Beamten in zivil und in Uniform deutlich Präsenz zeigen. Wie das Innenministerium mitteilte, stehe die Polizei in engem Kontakt mit den kommunalen Ordnungsbehörden.

Die Frankfurter Polizei reduziert in der Silvesternacht ihre Präsenz entlang der Feiermeile rund um den Eisernen Steg am Mainufer. Im Vorjahr sei alles ruhig geblieben, zudem gebe es keine Hinweise auf eine Gefährdung, hieß es von den Verantwortlichen von Stadt und Polizei. Besucher des Eisernen Stegs müssten auf beiden Seiten mit Zugangskontrollen rechnen.

Auch in der Landeshauptstadt Wiesbaden will die Polizei in der Silvesternacht verstärkt kontrollieren. Auf die große Grünanlage vor dem Kurhaus wie auch auf andere zentrale Plätze in der Innenstadt dürfen keine großen Taschen und Rucksäcke mitgebracht werden. Diese Maßnahmen sowie eine deutlich wahrnehmbare Polizeipräsenz hätten sich im Vorjahr bereits bewährt, erklärten die Verantwortlichen.

Die Polizei in Osthessen mit der größten Stadt Fulda bereitet sich auf viele Einsätze vor: "Für uns wird das sicher alles, nur keine ruhige Nacht", sagte ein Sprecher. Man hoffe aber, dass es bei kleineren Vorfällen bleibe. Lockerer sehen es dagegen die Kollegen vom Polizeipräsidium Südosthessen, die für die Städte Offenbach und Hanau zuständig sind: "Wie in den vergangenen Jahren rechnen wir mit einem entspannten Silvester", sagte ein Sprecher. Es werde keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen oder Waffenverbotszonen geben.

Auch für die eigene Sicherheit der Beamten ist nach Angaben des Innenministeriums gesorgt: Hessische Polizeibeamte verfügten seit einigen Jahren über einen Impulsgehörschutz. Dieser solle das Gehör der Beamten - vor beispielsweise lauten Böllern - schützen. Auch trügen die Beamten während des Einsatzes in der Silvesternacht flammhemmende Einsatzbekleidung. In Darmstadt blicken die Beamten in diesem Jahr auf schlechte Erfahrungen beim Schlossgrabenfest zurück, wo es zu Gewaltausbrüchen kam. "Natürlich spielt in der Beurteilung der Lage immer eine Rolle, was in der Vergangenheit passiert ist", sagte ein Polizeisprecher mit Blick auf Silvester.

WAFFENVERBOTSZONE: Für einen sicheren Jahreswechsel führt die Bundespolizei nach schlechen Erfahrungen aus den Vorjahren an mehreren Frankfurter Bahnhöfen Waffenverbotszonen ein. Nach Angaben der Behörden sollen vom Silvestermittag an bis zum Neujahrsmorgen um 9.00 Uhr am Hauptbahnhof, den S-Bahnhöfen Konstablerwache, Hauptwache, am Bahnhof Frankfurt-Höchst sowie in den zwischen diesen Haltestellen verkehrenden S-Bahnen und Zügen Waffen verboten werden. Das Verbot gilt für alle Schuss- und Schreckschusswaffen, Hieb-, Stoß- und Stichwaffen sowie Messer aller Art. Die Kontrollen sollen verstärkt werden.

BÖLLERVERBOT - Städte und Gemeinden verbieten in manchen Gebieten das Böllern wegen Brandgefahr komplett, teilte der Hessische Städte- und Gemeindebund mit. Beispielsweise rund um Kirchen, Krankenhäuser, Altenheime und historische Bauwerke. Dazu gehören nach dpa-Recherchen unter anderem der Platz um das Kurhaus in Wiesbaden, der Domplatz und die Altstadt in Fulda sowie die Altstädte von Heppenheim, Limburg, Bad Hersfeld und Marburg mit ihren engen, von Fachwerkhäusern gesäumten Gassen. "Wer dagegen verstößt, muss je nach Einzelfall mit einer Geldbuße von fünf Euro bis 50 000 Euro rechnen", teilte die Stadt Marburg mit.

In Kassel gelten der Herkules und das Schloss im Bergpark Wilhelmshöhe aufgrund der Sicht als beliebte Silvester-Treffpunkte. Doch Böllern ist dort nicht erlaubt, wie die zuständige Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) und das Polizeipräsidium Nordhessen betonen. "Der Park und seine Einrichtungen gehören zum kulturellen Erbe der Menschheit", sagte MHK-Sprecherin Lena Pralle. Man appelliere daher an die Vernunft der Menschen, auf Feuerwerk zu verzichten und vor allem aber keine Feuerwerkskörper in der Nähe der historischen Gebäude zu zünden.

Sorgen bereiten der Stadt auch ihre Einnahmen: Nachdem am vergangenen Jahreswechsel 15 Parkscheinautomaten irreparabel mit Böllern beschädigt wurden, verschließt die Stadt ab Samstag alle 300 Automaten mit Stahlplatten. "Zwar entstehen der Stadt dadurch Kosten in Höhe von etwa 9000 Euro und es gehen Parkeinnahmen verloren, dies ist nach Abwägung aber günstiger als zerstörte Parkscheinautomaten zu ersetzen", sagte ein Sprecher.

SICHERES FEUERWERK - Die Behörden appellieren an die Feierwilligen, nur zugelassene und mit Prüfzeichen versehene pyrotechnische Ware abzubrennen. "Seit Jahren ist zu beobachten, dass nicht geprüfte - und damit unberechenbar gefährliche - Böller benutzt werden", warnte der Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbands in Hessen, Harald Popp. Regelmäßig führe der unvorsichtige Umgang mit Feuerwerkskörpern zu schweren Verletzungen. Die Rettungskräfte in Hessen bereiteten sich in der Silvesternacht wieder auf Wohnungsbrände, Rettungsdiensteinsätze oder Unfälle aufgrund der winterlichen Witterung vor: "Daher werden viele Kräfte Silvester auch mit ihren Angehörigen in den Feuerwachen feiern", sagte Popp.

FEINSTAUB-BELASTUNG: "Ab zwölf Uhr Mitternacht explodieren mit dem Feuerwerk nicht nur die Raketen sondern auch die Feinstaubkonzentrationen in der Luft", sagte der Leiter des Dezernates für Luftreinhaltung beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, Stefan Jacobi. An manchen Messstationen sei der Wert dann um den Faktor Zehn erhöht. "100 Mikrogramm pro Kubikmeter in der Außenluft sind heutzutage schon recht hoch, um die Hochzeit des Spektakels können 1000 Mikrogramm und mehr erreicht werden", sagte der Experte. Ein Feinstaub-Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter, der höchstens an 35 Tagen im Jahr überschritten werden darf. "Den ersten Überschreitungstag fangen wir uns an vielen Messstationen dann schon am 1. Januar ein", sagte Jacobi.

Die extreme Feinstaub-Konzentration nach der Knallerei ist nach Angaben des Experten zwar zeitlich sehr überschaubar und klinge bereits bis 2.00 Uhr nachts wieder ab. Dennoch dauere es oft bis zum späten Neujahrsnachmittag, bis sich die Werte wieder normalisiert hätten.

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