Kinosessel sind in einem Kinosaal zu sehen
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Kinosessel sind in einem Kinosaal zu sehen.

Film ab für Hessens Kinos nach dem Lockdown

Ein gutes halbes Jahr mussten die Kinos pandemiebedingt schließen. An diesem Donnerstag plant ein Großteil der hessischen Filmtheater wieder zu öffnen. Doch der Start stellt sie vor Herausforderungen.

Frankfurt/Kassel/Gießen - Nach monatelanger Schließung aufgrund der Corona-Pandemie wollen an diesem Donnerstag viele Kinos in Hessen wieder öffnen. “Die meisten Betreiber schließen sich der bundesweiten Öffnung an“, sagte Erwin Heberling vom Film- und Kinobüro Hessen. Die Erfüllung der Auflagen unter anderem mit Abstands- und Hygienekonzept, Testpflicht in Innenräumen und Kontaktdatenerfassung sei dabei eine Herausforderung, sagte der Geschäftsführer des gemeinnützigen Frankfurter Vereins, der sich für die Filmkultur im Bundesland einsetzt.

„Der logistische Aufwand dieser quasi individuellen Betreuung der Besucher ist sehr hoch“, erläuterte Heberling. Das größere Problem sei aber die starke Einschränkung der Kapazitäten der Filmtheater. Sie könnten unter Einhaltung der Abstandsregeln lediglich 25 bis 30 Prozent ihrer Plätze besetzen. Betriebs- und Personalkosten blieben aber unvermindert bestehen. „Das ist wirtschaftlich nicht tragfähig.“ Heberling fordert daher Auflagen mit Augenmaß: „Es müsste mindestens eine 50-prozentige Auslastung gewährleistet sein.“ In anderen Bundesländern sei das bereits möglich.

Trotz der Hürden ist Heberling froh, dass bald wieder Filme über die Kinoleinwände Hessens flimmern dürfen. Ein Lichtblick seien vor allem die zahlreichen Open-Air-Kinos, die zum Teil schon im Juni gestartet haben.

Auch an vielen Orten ohne eigenes Kino wird ein Filmprogramm angeboten. Unter dem Titel „SommerWanderKino Hessen 2021“ organisieren Kommunen in Zusammenarbeit mit lokalen Kinos und dem Film- und Kinobüro mit Mitteln der Landesregierung aus dem Förderprogramm „Ins Freie!“ zahlreiche Open-Air-Filmvorstellungen. „Es herrscht eine riesige Nachfrage“, sagte Heberling.

Positiv stimmt ihn auch die hohe Investitionsbereitschaft der Betreiber in den vergangenen Monaten. „Viele haben die Zeit genutzt und Arbeiten erledigt, die sie schon lange geplant hatten und für die sie ihr Haus sonst über Wochen hätten schließen müssen“, erklärte er. Unterstützt worden seien sie dabei durch Förderprogramme von Bund und Land. Die finanzielle Hilfe des Staates habe der Branche geholfen, die Coronakrise bislang relativ unbeschadet zu überstehen.

Doch Heberling warnt davor, die Förderprogramme mit der Wiedereröffnung einzustellen. Zwar sei das befürchtete Kinosterben trotz des massiven Einbruchs der Besucherzahlen im vergangenen Jahr und der kompletten Schließung in 2021 unter den landesweit rund 110 Häusern bislang ausgeblieben. „Dennoch stoßen viele Betreiber inzwischen an ihre Grenzen.“

Es gelte nun, wieder Perspektiven für die Lichtspielhäuser zu entwickeln, besonders auch vor dem Hintergrund, dass sich der Markt verändert habe. Die Kinos stünden immer stärker in Konkurrenz mit Streamingdiensten wie Netflix, Disney und Co.

Um die Folgen der Pandemie abzufedern, greifen sich die Kinobetreiber auch gegenseitig unter die Arme. So beteiligen sich drei hessische Filmtheater an einer deutschlandweiten Kinosaalversteigerung zugunsten der Coronakünstlerhilfe. Initiator der Aktion #CineastenHelfen ist das Startup Cineamo aus Würzburg, das eine Mitmach-Kino-App entwickelt hat.

Insgesamt zwölf Kinobetriebe, darunter das Cineplex Capitol Kassel, das Cineplex Baunatal und das Kinopolis Gießen, wollen laut Cineamo Künstlerinnen und Künstler finanziell unterstützen, die wirtschaftlich besonders stark unter der Coronapandemie leiden mussten. Dazu versteigern sie ab diesem Donnerstag auf Ebay je eine Kinovorstellung in einem Kinosaal. Die Spendenerlöse gehen Cineamo zufolge zu 100 Prozent an die Coronakünstlerhilfe. dpa

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